Baustart für Gedenkort Kaßberg-Gefängnis

Chemnitz – Es ist ein geschichtlich einmaliger Ort – das Chemnitzer Kaßberg-Gefängnis.

Als Königlich-Sächsische Haftanstalt errichtet und vielfach umgebaut, wurde der Gebäudekomplex später von den Nationalsozialisten, der sowjetischen Besatzungsmacht und der SED-Diktatur unter anderem zur Inhaftierung politischer Gefangener genutzt.

Traurige Berühmtheit erlangte der Ort als Stasi-Untersuchungsgefängnis. Zwischen 1963 und 1989 wurden mehr als 30.000 von der BRD freigekaufte Menschen von hier aus mit dem Bus nach Westdeutschland gebracht.

Am Mittwochmorgen wurde nun symbolisch der Baubeginn für ein neues Kapitel des Kaßberg-Gefängnisses aufgeschlagen. Dort wo jetzt ein Teil der Gefängnisaußenmauer entfernt und ein großes Loch gegraben wurde, wird ein Gedenkort errichtet, der an die vielen Schicksale der Inhaftierten erinnern soll.

Der Verein „Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis“ ist seit einigen Jahren in der einstigen Haftanstalt aktiv. Ehemalige Häftlinge führen dabei unter anderem Schulklassen durch die Zellentrakte.

Nun hatte der Verein nach langem Hin und Her ein etwa 230 Quadratmeter großes Areal des Geländes vom Freistaat gekauft, das nun für die Errichtung des Gedenkortes genutzt wird. Das Land Sachsen finanziert den Bau dabei mit rund 400.000 Euro an Fördermitteln komplett.

Auf lange Sicht will der Verein allerdings einen Teil des Gefängnisses mitsamt Zellentrakt als lebendige Gedenkstätte erhalten. Nur so könne authentisch auch künftigen Generationen die einmalige Geschichte des Ortes vermittelt werden. Deshalb sehen viele Vereinsmitglieder die Errichtung des Gedenkortes kritisch, da sie die Weiterentwicklung zu einer Gedenkstätte gefährdet sehen.

Der Freistaat Sachsen will als Eigentümer den Rest des Grundstücks verkaufen. Als Weiternutzung ist eine hochwertige Wohnbebauung im Gespräch. Fraglich ist, wie dabei ein Teil des Gefängnisses erhalten bleiben und eingegliedert werden könnte.

Bis März 2017 soll der Gedenkort fertig errichtet sein. Die Zukunft des Kaßberg-Gefängnisses als einmaliger Ort der deutsch-deutschen Geschichte ist jedoch weiterhin offen.