Da soll ein Kulturstandort eröffnen und kaum einer weiß davon

Dresden – Am Kulturkraftwerk Mitte wird aktuell mit Hochdruck gewerkelt, geräumt und geputzt. Denn der Termin steht: In anderthalb Monaten soll hier Eröffnung gefeiert werden. 91 Millionen Euro betragen die Baukosten – Das Kraftwerk Mitte ist ein Prestige- und Mammut-Projekt der Landeshauptstadt. Man möchte meinen, dass die Eröffnung eines der größten Bauprojekte der Stadt, in aller Munde bei Dresdnern sein dürfte. Doch offenbar weit gefehlt…


Unter dem Arbeitstitel „Dresdens neue Mitte“ ist auf dem Gelände des ehemaligen Heizkraftwerks in den vergangenen Monaten das neue Domizil der beiden städtischen Theater „Staatsoperette Dresden“ und „tjg.theater junge generation“ entstanden. Allmählich zieht Leben in den neuen Kulturkstandort ein. Doch dass hier am 16. Dezember Eröffnung gefeiert werden soll ist scheinbar nur den wenigsten Dresdnern bewusst. Darauf verweist eine Umfrage des Instituts für Kommunikationswissenschaft im Auftrag der DNN. Weniger als ein Drittel der Dresdner haben demnach von der nahenden Eröffnung gehört, belegt die September-Befragung des wissenschaftlichen Instituts der TU-Dresden. Und das, obwohl der Umbau des historischen Areals omnipräsent in Dresdner Medien war.
Seit April 2015 ist der historische Industriestandort zum Kulturzentrum umgebaut worden. Mit 91 Millionen Euro ist es eines der größten Prestigeprojekte der Landeshauptstadt. Umso mehr wurde die Bauphase, wie etwa der feierliche erste Spatenstich von Staatsoperette und .tjg, in Szene gesetzt. Mit den Um- und Neubauten wollte Dresden einen Platz für Künstler, Familien, Kinder und Senioren, Einheimische und Touristen im Stadtzentrum schaffen, Theater mitten ins Herz der Stadt holen und damit ein Zeichen als Kulturmetropole setzen. Ganz so ahnungslos, wie die Ergebnisse des DNN-Barometers andeuten, scheinen Dresdner und Gäste der Stadt bei unserer Straßenumfrage dann aber doch nicht.

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Mehr Werbung – Diese Forderung ließe sich unter anderem an das Stadtmarketing der Sächsischen Landeshauptstadt richten. Bettina Bunge ist die Leiterin von Dresden Marketing, der Werbeagentur der Sächsischen Landeshauptstadt. Aus dem Haushalt stehen ihr rund 2,5 Millionen Euro im Jahr 2015 und voraussichtlich 2,8 Millionen Euro im laufenden Jahr für die Vermarktung der Stadt mitsamt ihrer Sehenswürdigkeiten zur Verfügung. Es steht wohl außer Frage – als Wirtschafts-, Tourismus- und Kulturstandort ist Dresden auf gute Werbung angewiesen.
Zwar werden durch Dresden Marketing Großprojekte international beworben. Doch dass für eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft von neuen kulturellen Einrichtungen auch Kommunikationsarbeit innerhalb der Stadt betrieben muss, scheint man überspitzt formuliert verschlafen zu haben.
Generell scheint die hiesige Theaterbranche auf Werbung bei Dresdnern angewiesen zu sein. Denn nur rund 40 Prozent der Dresdner gehen regelmäßig ins Theater. Mit einem Besuch im Jahr zählt man entlang der IfK-Umfrage übrigens bereits zu den „regelmäßigen“ Besuchern.

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