Dynamo: Kutschke spielt den Defibrilator

Dynamo dreht gegen Braunschweig einen 0:2-Rückstand dank des Mittelstürmers noch in ein 3:2 um

Dresden – Was erlauben Kutschke? Wäre Giovanni Trapattoni in diesen Tagen Trainer von Eintracht Braunschweig, dann hätte der Italiener am Freitagabend so oder so ähnlich Dampf abgelassen. Denn dieser Kutschke, genauer gesagt Stefan Kutschke, gönnte sich in einem unglaublichen Spiel gegen den Zweitliga-Tabellenführer nach 0:2-Rückstand einen lupenreinen Hattrick und schoss Dynamo Dresden vor 29 097 Zuschauern noch zu einem unerwarteten 3:2 (0:1)-Sieg.

Wer geglaubt hatte, der wuchtige Sturmtank habe nach seinem sensationellen Doppelpack im Erstrunden-Pokalspiel am 20. August gegen RB Leipzig sein Saison-Highlight schon weg, der sah sich getäuscht. Denn die Leihgabe vom 1. FC Nürnberg erwischte einen zweiten „Sahnetag“ und erzielte erstmals im Profifußball drei Tore in einer Halbzeit – in der 69., 74. und 81. Minute. Nicht gegen ein „Kellerkind“, nicht gegen die Schießbude der Liga, sondern gegen den Spitzenreiter mit der zweitbesten Abwehr. Er drehte gestern am großen Rad, unterstützt von einer Mannschaft, die bis zuletzt an sich glaubt. „Einfach traumhaft“, fand Torwart Marvin Schwäbe die letzte halbe Stunde, „das kann man kaum beschreiben!“

Baff war auch Marco Hartmann: „,Kutsche’ war der Defibrilator“, flachste der Kapitän  nach einem verrückten Spiel, das früh verloren schien. Denn schon nach zehn Minuten stand es 0:1 aus Sicht der Dresdner, die hilflos mitansehen mussten, wie Braunschweigs Torjäger Domi Kumbela einen Schönfeld-Schuss an die Latte lenkte und Onel Hernandez per Kopf das Tor traf. Zwar mühte sich die Heimmannschaft um den Ausgleich, hatte Chancen durch Niklas Hauptmann (20.) und zweimal Kutschke (24., 36.), aber richtig brenzlig waren die noch nicht. „Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen, haben uns nicht sonderlich gut bewegt“, gab Abwehrlatte Florian Ballas zu.

Als dann Hauptmann nach Wiederanpfiff geblockt wurde (48.) und Kutschke nach einer schönen Teixeira-Flanke den Ball per Kopf um wenige Zentimeter verfehlte (49.), da hätte Dynamo schon verzweifeln können. Erst recht, als Andreas Lambertz – für den aus disziplinarischen Gründen nicht berücksichtigten Aias Aosman in die Mannschaft gekommen – im Mittelfeld den Ball an Schönfeld verlor und der Kumbela das 2:0 für die clever aufspielende Eintracht vorlegte (53.).

„Wir waren schon tot, haben uns dann aber zurückgekämpft“, feixte Hauptmann. Eine solche Aufholjagd habe er selbst auf dem Feld noch nie erlebt, strahlte der 20-Jährige. Das erste Tor von Kutschke, der ein super Zuspiel von Nils Teixeira ins rechte Eck schob, „war der Flaschenöffner“. Als der Ball endlich im richtigen Netz war, da wachte das Publikum noch einmal auf. „Da haben wir gesehen, dass mit einer Aktion alles wieder kippen kann, wenn wir die Fans mitnehmen“, staunte Kutschke selbst, „dann fängt auch eine Mannschaft wie Braunschweig an zu zittern.“ Jetzt steppte der Bär – und Kutschke traf nach einem Torwartfehler von Jasmin Feijzic wieder ins rechte untere Eck (74.).

Als Pascal Testroet nach einem tollen Pass von Andy Gogia das 3:2 verpasste und an Fejzic scheiterte (76.), schien sich das bitter zu rächen, als Hernandez vor Schwäbe auftauchte, doch der Keeper rettete per Fuß (79.). So wurde Kutsch- kes Triumph perfekt, als er einen traumhaften Konter über Gogia und Testroet krönte (81.).