Erster Fall von Vogelgrippe in Sachsen

Leipzig – In Sachsen gibt es nun den ersten Fall von Vogelgrippe. Bei einer tot aufgefundenen Wildente am Cospudener See wurde das Virus der Hochpathogenen Aviären Influenza H5 nachgewiesen. Ein Sperrbezirk wurde eingerichtet.

Darüber informierte die Stadt Leipzig am Sonntag. Vergangene Woche war eine tote Reiherente auf dem Wasser gefunden worden. Die Untersuchungsergebnisse bestätigen jetzt den anfänglichen Verdacht: Das Tier ist an der Vogelgrippe gestorben. Medienberichten zufolge sollen weitere tote Enten am Cospudener See gefunden worden sein.

© Sachsen Fernsehen

Das Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamt der Stadt Leipzig hat nach den Vorgaben der Geflügelpest-Verordnung einen Sperrbezirk von mindestens drei und ein Beobachtungsgebiet von mindestens weiteren sieben Kilometern um den Fundort der Wildente eingerichtet. Zum Sperrbezirk gehören die Ortsteile Knautkleeberg, Knauthain und Hartmannsdorf-Knautnaundorf. Das Beobachtungsgebiet umfasst weiterhin das gesamte Stadtgebiet südlich von und einschließlich folgender Ortsteile: Böhlitz-Ehrenberg, Leutzsch, Zentrum-Nordwest, Zentrum-Nord, Zentrum-Ost, Volkmarsdorf, Sellerhausen-Stünz, Mölkau, Engelsdorf und Althen-Kleinpösna. Geflügelhalter im Stadtgebiet Leipzig, die ihre Haltung noch nicht beim Veterinär- und Lebensmittelauffsichtsamt angezeigt haben, werden aufgefordert, dies unverzüglich nachzuholen. Halter von bereits angezeigten Haltungen werden aufgefordert, die gehaltene Anzahl der Tiere beim Veterinärs- und Lebensmittelaufsichtsamt zu aktualisieren, falls erforderlich.

Folgende Beschränkungen haben Menschen im Sperrgebiet jetzt zu beachten:

  • Geflügel muss in geschlossen Ställen oder unter einer Schutzvorrichtung, die nach oben abgedeckt ist und seitlich das Eindringen von Wildvögeln verhindert, untergebracht werden
  • An Ein- und Ausgängen der Ställe sind Matten oder sonstige saugfähige Bodenauflagen auszulegen und mit einem wirksamen Desinfektionsmittel getränkt und stets damit feucht zu halten
  • Geflügelbestände dürfen durch fremde Personen nicht betreten werden, ausgenommen Mitarbeiter des Veterinär- Lebensmittelamtes oder Tierärzte
  • Geflügel und Bruteier dürfen nicht verbracht (Sperrbezirk 21 Tage, Beobachtungsgebiet 15 Tage) werden
  • Frisches Geflügelfleisch oder Produkte, die aus in diesen Gebieten gehaltenem Geflügel hergestellt wurden, dürfen nicht verbracht werden
  • Tierische Nebenprodukte dürfen ebenfalls nicht verbracht werden
  • Es dürfen keine Vögel zur Aufstockung des Wildvogelbestandes freigelassen werden
  • Tot oder krank aufgefundene Wat- und Wasservögel sind dem Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamt zu melden
  • Hunde und Katzen dürfen nicht frei umherlaufen
  • Die Jagd auf Federwild ist verboten
  • Die Bestände im Sperrbezirk werden durch das Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamt klinisch untersucht und bei Bedarf beprobt

Die entsprechende Allgemeinverfügung wurde aktuell für die Dauer von 21 Tagen, also bis zum 3. Dezember festgelegt.

Am 8. November 2016 wurden erstmals Viren der aktuell kursierenden Vogelgrippe bzw. Geflügelbest in Proben von verendeten Reiherenten am Plöner See in Schleswig-Holstein nachgewiesen. Über 100 tote Wasservögel, überwiegend Reiherenten, wurden an mehreren Seen rund um Plön gemeldet. Fast zeitgleich kam es zu einem auffälligen Wasservogelsterben am Bodensee in der Schweiz, in Österreich und Deutschland. Betroffen sind auch dort überwiegend Reiherenten, außerdem Möwen und Große Brachvögel. Das HPAIV H5N8 wurde ebenfalls bereits in Ungarn, Polen, Schweiz und Österreich nachgewiesen.
Aufgrund der aktuellen Verbreitung des Virus ist von einem hohen Eintragsrisiko durch direkte und indirekte Kontakte zwischen Wildvögeln und Nutzgeflügel auszugehen, insbesondere bei Haltungen in der Nähe von Wasservogelrast- und sammelplätzen. Laut dem Friedrich-Löffler-Institut (FLI) gibt es Anhaltspunkte für die Veränderung des Virus. Bisher sind keine Fälle beim Menschen bekannt. Verlässliche Aussagen zur Gefährdung des Erregers für den Menschen sind derzeit laut dem Institut nicht möglich. Deshalb ist vorsorglich darauf zu achten, den direkten Kontakt von Menschen und Haustieren zu toten und kranken Wildvögeln zu vermeiden.
Wegen der Vogelgrippe-Gefahr gilt schon in einigen anderen Teilen Sachsens eine Stallpflicht für Geflügel. Die Stadt Dresden hatte entsprechende Verfügung am Freitag erlassen. Das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz hat die Aufstallungs-Anordnung für Freilandgeflügel auch in anderen Risikogebieten ausgesprochen.