Ein Haus, zwei Fassaden – Chiapponisches Haus wird modern und historisch

Dresden – Das Unternehmen USD Immobilien GmbH hat seine Fassadenpläne für den Wiederaufbau des Chiapponischen Hauses am Neumarkt überarbeitet. Zum Kulturpalast modern, an der Frauenstraße historisch angelehnt soll die Fassade entlang des neuen Entwurfs für das Quartier VI werden. Nach Unstimmigkeiten über den Entwurf, der im Frühjahr des Jahres vorgelegt wurde, geht das Immobilienunternehmen jetzt einen Schritt auf die Gesellschaft historischer Neumarkt zu.

Im Chiapponischen Haus sollen bis September 2018 16 Wohnungen mit insgesamt 1.350 Quadratmetern Fläche (2- bis 4-Raum-Wohnungen) und zwei Ladenflächen mit insgesamt 250 Quadratmetern entstehen. Bis vor kurzem befanden sich die Beteiligten noch in Abstimmung, wie das Gebäude und die Fassadengestaltung aussehen wird.  Im April 2016 ging zunächst als Ergebnis eines Wettbewerbsverfahrens ein zeitgenössischer Entwurf hervor, der vor allem bei den Neumarktwächtern der „Gesellschaft historischer Neumarkt Dresden“ (GHND) breite Ablehnung erfuhr. Jetzt scheint eine Einigung in Sicht. Am Freitag stellte die Immobilienfirma „Unser Schönes Dresden Immobilien GmbH“ (USD) einen überarbeiteten Entwurf vor. Der erhält offenbar auch grünes Licht von der GHND: „Die GHND begrüßt die Entscheidung der USD Immobilien GmbH, wie im städtebaulichgestalterischen Konzept vorgesehen, im Quartier VI die Fassade des Chiapponischen Hauses wiederzuerrichten. […] Das Ergebnis spiegelt den Diskussionsprozess und die unterschiedlichen Auffassungen von Stadtplanungsamt, Investor und Bürgerschaft zur städtebaulichen Einbindung des Kulturpalasts wider. Durch die konstruktive Zusammenarbeit von Bauausschuss, Investor und GHND konnte eine Lösung gefunden werden, die sehr wahrscheinlich auf Akzeptanz in der Bevölkerung stoßen wird.“

© USD/ PR

So kann es nun scheinbar mit dem Bau des neunten Gebäudeteils des Neumarkt-Palais „City One“ losgehen. Schon 2007 hatte das Stadtplanungsamt die Baufläche des Hauses im Westen um zirka 1,50 Meter reduziert. Begründet wurde dies mit Erfordernissen des Zulieferverkehrs für den Kulturpalast. Dabei wurde die Grundstückgrenze so zugeschnitten, dass die Fassade des Chiapponischen Hauses nicht vollständig rekonstruiert werden kann. Wegen des gegenüber der historischen Länge nun verkürzten Grundstückes, hat die USD eine Fassadenachse reduziert. Deswegen war auch eine Fassaden- und Grundrissüberarbeitung nötig. Wichtig für die an das historische Vorbild angelehnte Fassade an der Frauenstraße ist, dass der markante Erker wieder rekonstruiert werden soll. Des Weiteren soll der Unterschied zwischen den zwei Fassaden an der Gebäudeecke erkennbar werden. Die Fassade des Chiapponischen Hauses soll also statt mit neun Achsen nun achtachsig wiederaufgebaut werden. Zudem wird das Bauwerk um ein Stockwerk ergänzt. Zum Kulturpalast hin ist eine Fassade in zeitgenössischen Formen vorgesehen.

Das Chiapponische Haus wurde 1761 vom Architekten Samuel Locke für einen italienischen Kaufmann durch Zusammenlegung zweier Parzellen errichtet, kurz nachdem im Zuge des Siebenjährigen Krieges durch preußisches Bombardement weite Teile des Neumarkts zerstört worden waren. Das Gebäude an der Frauenstraße 7 war ein Wohnhaus, das zumindest zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Kaufmannsfamilie Chiapponi gehörte. 1945 wurde es zerstört. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Areal zugeschüttet.