Handwerksbrief für 343 neue Meister

Dresden – 54 Frauen und 289 Männer sind jetzt frisch gebackene Meister. Von der Handwerkskammer Dresden haben sie am Samstag in der Messe Dresden ihre Meisterbriefe erhalten.
Damit haben seit 1990 knapp 16.000 Handwerker ihre Meisterausbildung im Kammerbezirk Dresden absolviert. „Nicht nur der heutige Tag gehört Ihnen, sondern auch die Zukunft“, begrüßte Dr. Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden in seiner Festrede die neue Meistergeneration und warb darum, sich einzubringen – in den Organisationen des Handwerks, in der Gesellschaft und in der Politik: „Meckern Sie nicht rum, machen Sie mit! Sie sind frei in Ihren Entscheidungen, müssen aber auch die Konsequenzen Ihres Handels tragen. Denn Freiheit ohne Verantwortung gibt es nicht – aber keine Sorge: Verantwortung macht Freude“, so der Dachdeckermeister zu seinen neuen Meisterkollegen. Zugleich nahm Dittrich die Politik in die Verantwortung: „Wir brauchen die passenden Rahmenbedingungen, um die Selbstständigkeit für unsere Meister attraktiv zu machen. Wir können zusagen, dass das Handwerk dies mit starken Betrieben, die weiter der Ausbilder der Nation sein werden, danken werden.“

An den richtigen Stellschrauben hat die Politik in diesem Jahr bereits mit Blick auf die Finanzierung des Meisterstudiums gedreht: So gelten seit dem 1. August zahlreiche Leistungsverbesserungen beim sogenannten Meister-BAföG, das seither Aufstiegs-BAföG heißt. Zudem hat die sächsische Landesregierung mit dem Meisterbonus in Höhe von 1.000 Euro eine wichtige Forderung des Handwerks umgesetzt. Diesen erhalten neue Meister, die ihren Hauptwohnsitz und Beschäftigungsort in Sachsen haben. Dazu Sachsens Innenminister Markus Ulbig, der gemeinsam mit Stefan Brangs, Staatssekretär im Sächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, die Meisterbonus-Urkunde symbolisch an eine Absolventin überreichte: „Mein herzlicher Glückwunsch geht an die Absolventinnen und Absolventen, die erstmals den Meisterbonus erhalten. Mit der Auszeichnung fördern wir die berufliche Fortbildung und setzen ein weiteres Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag um. Sachsen wird so als Standort noch attraktiver für Handwerksmeister.“

Festredner und Rentenexperte Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, nahm die neuen Meister in seinem unterhaltsamen Gastvortrag zum Thema „Sozialsysteme im Umbruch“ – in Anlehnung an das diesjährige Meisterfeier-Motto „Wir denken in Generationen“ schonungslos in die Pflicht: „Mit dem Meisterbrief in der Tasche gehört Ihnen zwar die Zukunft, doch damit diese auch im hohen Alter rosig aussieht, gilt es zwei Aufgaben zu erfüllen: rechtzeitig und ausreichend Vorsorgen und rechtzeitig und ausreichend für Nachwuchs sorgen.“

Heute sei es aber erst einmal an der Zeit das Erreichte – den Meistertitel – zu feiern, so Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert: „Sie haben Mut, Leidenschaft und Durchhaltevermögen bewiesen, haben gemerkt, was in Ihnen steckt und gelernt, auch schwierige Situationen zu meistern. Davon werden Sie in Ihrem neuen Lebensabschnitt profitieren.“ Denn der heutige Tag sei schließlich noch nicht der Höhepunkt in der Karriere der Meister. Damit es für sie aber weiter steil bergauf geht, versprach Hilbert, sich für ein nachhaltiges Wachstum der Wirtschaft vor Ort einzusetzen. Das regionale Handwerk soll beispielsweise vom Neubau und der Erweiterung Dresdner Schulen oder dem Kita-Ausbau profitieren.

Zimmerermeister Martin Fricke aus Zwönitz, der als einer der besten Ab-solventen ausgezeichnet wurde und stellvertretend für den Jahrgang sprach, betonte „wie hart und beschwerlich der Weg zum Meistertitel sei“, dass man hin und wieder Zweifel hatte, ob sich der Aufwand lohne. Doch nun ist er stolz, denn mit dem Meistertitel habe man sich „eine Chance erarbeitet“. „Wir werden Erfolg haben, wenn wir Ideen haben, professionell Arbeiten und flexible Lösungen bieten. Der Weg dahin führt über das Wissen und die professionelle Arbeitsweise. Dies ist unser Vorteil und unsere Stärke, die wir mit dem Meistertitel erworben haben“, so Fricke. „Wir als Handwerksmeister schaffen reale Werte. Wir werden von der Gesellschaft gebraucht und deswegen war es der richtige Weg, die Meisterausbildung gewagt zu haben.“

Zahlen und Fakten
Die 343 frischgebackenen Meister vertreten insgesamt 24 Gewerke. Dabei können mit 63 Absolventen die meisten neuen Meister erneut im Kraftfahrzeugtechnikerhandwerk verbucht werden. Es folgen Elektrotechniker (33), Installateur und Heizungsbauer (25), Orthopädieschuhmacher (24) sowie Bäcker (22). Es gibt aber auch Gewerke – Informationstechniker sowie Steinmetz und Steinbildhauer -, in denen es in diesem Jahr im Kammerbezirk Dresden nur jeweils einen Absolventen im Meisterstudium gab. 251 der neuen Meister (73 Prozent) kommen aus Sachsen. Zudem stammen die Absolventen aus elf weiteren Bundesländern – aus dem mitteldeutschen Raum sowie Berlin und Brandenburg ebenso wie aus Bayern und Baden-Württemberg. Auch Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sowie Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gehören zu den Heimat-Bundesländern der Absolventen. Doch nicht nur mit Blick auf die Gewerke oder die regionale Herkunft zeigt sich ein breites Spektrum: Die jüngste Absolventin ist gerade einmal 20 Jahre alt, der älteste neue Meister ist 54 Jahre.