Harte Schule – ein Kommentar von Bernd Hempelmann

Dresden – Harte Schule: Der Wochenkommentar des stellvertretenden DNN-Chefredakteurs Bernd Hempelmann.

Die Not ist groß. Und die Verzweiflung nimmt zu. Kultusministerin Brunhild Kurth steht mit dem Rücken zur Wand und muss eine Radikalkur am sächsischen Bildungssystem vornehmen. Die Zeit wird knapp – nein, sie ist es schon längst. Und dass Kultusministerium und die zuständige Gewerkschaft GEW sich trotzdem elf ergebnislose Verhandlungsrunden um eine Einigung auf hilfreiche Maßnahmen leisten, ist eine nicht ganz unwesentliche Facette dieses erbärmlichen Zustands. Jetzt muss auf einmal alles ganz schnell gehen. Und ganz schnell bedeutet ganz selten auch gut. Schon vorher hieß die geplante Reparatur des Bildungssystems, das endlich eine ordentliche Versorgung aller Schulformen mit genügend qualifizierten Lehrern sicherstellen soll, Notfall-Paket. Dass es überhaupt zu einem solchen Notfall kommen konnte, ist die nächste Facette dieser Farce auf dem Rücken von Schülern und Lehrern.
Schließlich die Idee – noch ist sie nicht umgesetzt – eines neuen Lockmittels für rückkehrwillige Lehrer: Sie sollen eine Aufnahme in den Beamtenstand in Aussicht gestellt bekommen; davon können die meisten Pädagogen hier nur träumen. Die Ungerechtigkeit, die mit einer solchen Regelung Einzug hielte, wäre ein fatales Signal für die Lehrer, die unter schwierigen Arbeitsbedingungen zur Stange gehalten haben.

Zu Beginn dieses Schuljahrs hatte Sachsen die auch nur notdürftige Versorgung mit Lehrern – ja nach Schulform unterschiedlich – nur mit reichlich Seiteneinsteigern erreichen können. Für den Bereich der Bildungsagentur Dresden (der auch die Landkreise Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge umfasst) waren das allein 330. Man darf ihnen sicherlich große Motivation unterstellen. Aber reicht das, fehlende Qualifikation und Erfahrung auszugleichen? Wenn rechtzeitig der Lehrerbedarf festgestellt, die Finanzen dafür bereitgestellt und die Ausbildung auf die Beine gestellt worden wären, dann könnte Ministerin Kurth entspannter in die Zukunft sehen. Auch die Idee, einen „Turbolehrer“ ins Boot zu holen, der nach dem 1.Staatsexamen zu Sonderkonditionen in den Schuldienst eintritt, ein verkürztes Referendariat bekommt und nebenbei aber sein Studium zu Ende bringen muss, ist eine Notmaßnahme mit Doppelbelastung. Ministerin Kurth hatte das jüngst in Chemnitz vorgetragen. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen. Andere Länder haben das alles lange besser gemacht. Nun müssen besondere Anreize her, um Sachsen für ausgebildete Lehrer wieder attraktiv zu machen. Das wird auf jeden Fall teuer und Konflikte sind programmiert.

Von Bernd Hempelmann / DNN