Bis zu 8.000 Menschen bei Herz statt Hetze und Bürgerfest

Dresden – Einen Tag nach dem Pegida-Geburtstag will Dresden am Montagabend ein Zeichen von Toleranz und Weltoffenheit aussenden. Sowohl die Gruppe „Herz statt Hetze“ als auch Oberbürgermeister Dirk Hilbert haben dazu aufgerufen, am Abend auf die Straße zu gehen.
Aus der Dresdner Neustadt sowie vom Unigelände aus ziehen zwei Demonstrationszüge durch Dresden. Mobilisiert hat das Bündnis „Herz statt Hetze“.
Juliane Wirthwein hat am Fritz-Foerster-Platz unter anderem mit der Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) gesprochen:

© Dresden Fernsehen
 

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Die Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping, hat am Nachmittag die Teilnehmer der Demonstration „Herz statt Hetze“ in Dresden begrüßt: „Ich möchte alle Dresdnerinnen und Dresdner darin bestärken, sich weiter für ihre Stadt zu engagieren. So gibt es hier allein rund 10.000 ehrenamtliche Helfer, die bei der Betreuung von Flüchtlingen unterstützen. Darüber hinaus bringen sich viele in ihrer Freizeit auch in anderen Bereichen ein, zum Beispiel im Sport oder bei der Begleitung von Kindern oder Senioren. Selbst im Beruf, beim Studium oder im ganz alltäglichen Miteinander kann jeder aktiv etwas für unsere Gesellschaft tun. Wir brauchen diesen Zusammenhalt. Und wir sollten immer auch auf das schauen, was uns verbindet und dies herausstellen. Ich möchte dabei an den Schriftzug erinnern, der auf einem Hochhaus am Postplatz erstrahlt und die Menschen hier seit Jahrzehnten begleitet: Dresden grüßt seine Gäste. Diese Stadt war und ist weltoffen.“

Am Demonstrationszug, der von der TU-Dresden aus gestartet ist, sollen laut Initiative „Durchgezählt“ rund 1.400 Menschen teilgenommen haben. Vom Neustädter Bahnhof aus waren es ungefähr 1.600 Menschen.

Am Neumarkt ist seit 17 Uhr unterdessen das Bürgerfest mit Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) im vollen Gange.

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18:30 Uhr: Am Pirnaischen Platz treffen die beiden Demonstrationen aus der Dresdner Neustadt und vom Unicampus aufeinander. Diese ziehen dann weiter zum Postplatz. Auf dem Postplatz sind derweil nur vereinzelte Menschen versammelt.

18:40 Uhr: Die Demonstrationszüge sammeln sich am Dresdner Postplatz. Menschen verschiedener Kulturen und Altergruppen treffen sich hier.

© Dresden Fernsehen | Juliane Wirthwein

© Dresden Fernsehen | Juliane Wirthwein

19:10 Uhr: Die Polizeipräsenz im Stadtgebiet ist wieder deutlich spürbar.

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19:20 Uhr: Auf der Bühne wird das musikalische Programm weiter fortgesetzt.

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Unterdessen wird in der Frauenkirche der Bürgerpreis 2016 verliehen. Seit 2011 rückt der Bürgerpreis unter Schirmherrschaft von Ministerpräsident Stanislaw Tillich Menschen in den Fokus, die sich ganz besonders für eine demokratische Gesellschaft engagieren. Die Landkreise und kreisfreien Städte sind aufgerufen, Projekte und Personen aus ihrer Region zu nominieren. Der Sächsische Bürgerpreis ist mit jeweils 5.000 Euro dotiert. In diesem Jahr ist die Kategorie „Hilfe für Flüchtlinge“ neu zu den bisherigen vier Kategorien hinzugekommen.
Die Preisträger wurden von einer unabhängigen Jury ausgewählt. Mitglieder waren: Pia Findeiß, Oberbürgermeisterin der Stadt Zwickau, Andreas Pinkwart, Rektor der Handelshochschule Leipzig, Stefan Raue, Chefredakteur des Mitteldeutschen Rundfunks, Frank Richter, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Adelheid Schoeck-Schindzielorz, ehemalige Vorsitzende des Vereins Spielprojekt e.V., Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt sowie Petra Ostermann, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank.

Die Preisträger im Überblick:

Kategorie gesellschaftlich-soziales Engagement
Preisträger sind die ehrenamtlichen „Betreuungslotsen“ der Jugendgerichtshilfe Dresden. Sie bieten Hilfe zur Selbsthilfe für straffällig gewordene Jugendliche. Betreuungslotsen unterstützen bei der Suche nach einer Wohnung und einem Ausbildungsplatz und geben Hilfe im Alltag. Seit 2004 konnte so 420 Jugendlichen geholfen werden. Die Lotsen leisten einen Beitrag zur Kriminalprävention und schaffen mit den Jugendlichen Grundlagen für ein straffreies und geordnetes Leben.

Kategorie Engagement im Sport für Demokratie und Toleranz
Jörg Dathe ist mit 70 Jahren stellvertretender Vorsitzender des Döbelner SV sowie Integrationsbeauftragter im Programm „Integration durch Sport“. Flüchtlingen und bedürftigen Kindern aus sozial schwachen Verhältnissen werden sportliche Angebote gemacht. Der Verein ist aktiv bei der Integration. So wurden im Döbelner SV drei Freizeitsportgruppen für die zahlreichen Flüchtlinge in der Stadt gebildet.

Kategorie kulturell-geistliches Engagement
Ausgezeichnet wurde der ehrenamtliche Bücherdienst der Städtischen Bibliotheken Dresden. Ältere, Kranke und behinderte Menschen werden von Bücherboten zu Hause besucht und mit einem Medienpaket versorgt. Dieses wird individuell auf die Interessen des einzelnen Lesers zusammengestellt. Aktuell werden fast 100 Leser von ehrenamtlichen Bücherboten besucht. Dieser Service ist kostenlos und bereichert das Leben der älteren Leute. Nebenbei entstehen zahlreiche soziale Kontakte.

Kategorie Engagement in der Schule für Demokratie und Toleranz
Der Adam-Ries-Bund e.V. aus Annaberg-Buchholz organisiert mit dem Adam-Ries-Wettbewerb einen jährlichen mathematischen Wettbewerb für Schüler der Klassenstufe 5 aus Bayern, Sachsen, Thüringen und Tschechien. Der 1991 gegründete Verein verfolgt das Ziel der Bewahrung des kulturellen Erbes, weckt mathematische Interessen, Freude am Rechnen und befasst sich mit dem Werk des Rechenmeisters Adam Ries. Die Organisation des Wettbewerbs und die Betreuung der Schüler erfolgt durch die ehrenamtlichen Mitglieder.

Kategorie Engagement in der Hilfe für Flüchtlinge
Eine Gruppe von Jugendlichen setzt sich neben ihrem Schulalltag in der Gemeinschaftsunterkunft Friedersdorf ehrenamtlich für Flüchtlinge ein. Unter dem Titel „Friede hilft!“ bringen sie Flüchtlingen Sprache und Kulturverständnis nahe, betreuen Kinder während der Deutschkurse und vermitteln die Kultur und den Alltag in Deutschland. Höhepunkt war eine Feier zum Frauentag, wo gemeinsam gekocht, getanzt und gefeiert wurde.

Moderatorin Natascha Hofmann hat sich auf dem Bürgerfest auf dem Dresdner Neumarkt umgehört und dabei unter anderem mit dem Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) gesprochen:

20:25 Uhr: Die Polizei hat ihren Bericht zum Einsatzgeschehen veröffentlicht:

„Im Zusammenhang mit dem Bürgerfest sowie dem Versammlungsgeschehen führte die Polizeidirektion Dresden einen Polizeieinsatz durch. Im Gegensatz zum gestrigen Einsatztag lag heute der Fokus auf der Absicherung des Bürgerfestes am Neumarkt. Damit ergab sich für die Polizei auch eine andere Einsatztaktik. So prägten heute keine Beamten in Einsatzausrüstung sondern Polizisten in ihrer täglichen Dienstuniform das Stadtbild.
Mehrere Dutzend Personen, die das Fest offenkundig stören wollten, versuchten auf den Neumarkt zu gelangen. Diese wurden von Polizeibeamten angesprochen und im Einzelfall des Platzes verwiesen. Gleichzeitig sicherte die Polizei einige Aufzüge ab, die quer durch die Stadt in Richtung Zentrum liefen. Sie verliefen ohne Vorkommnisse.
Polizeipräsident Horst Kretzschmar (56): „Am Ende dieses Abend blickt die Dresdner Polizei erneut auf zwei Großeinsätze zurück. Vor dem Hintergrund des störungsfreien Verlaufs der Versammlungen und Veranstaltungen ziehe ich ein positives Fazit. Wieder war Unterstützung aus anderen Bundesländern notwendig. Für das Engagement der Beamten bedanke ich mich an dieser Stelle ausdrücklich.“
Einsatzkräfte: Aufgrund der entspannten Situation hat die Polizei frühzeitig die Anzahl der Einsatzkräfte reduziert. Letztlich waren an beiden Tagen jeweils rund 1.600 Polizeibeamte im Einsatz. Die sächsischen Beamten wurden dabei von Kollegen aus Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Thüringen sowie der Bundespolizei unterstützt.
Verkehrseinschränkungen: Im Verlauf des Einsatzes hat es temporäre Straßensperrungen im Innenstadtbereich gegeben. Es kam zu Verkehrsbehinderungen.“

Moderatorin Juliane Wirthwein hat zum Abschluss noch einmal ein Stimmungsbild auf dem Dresdner Postplatz eingefangen:

20.45 Uhr: Auf dem Postplatz spielt mit Alice Roger die letzte Band, mittlerweilse sind die meisten Menschen bereits auf dem Heimweg. Zuvor hatten Nope und Christian Behr gesprochen. Malwieder neigt sich ein Demonstrationstag in Dresden dem Ende entgegen.