Lovoo: Alexander Friede und Benjamin Bak bleiben in U-Haft

Dresden – Erst neun Monate nachdem der Verdacht geweckt wurde, das Dating-Portal führe seine Kunden systematisch hinters Licht, um sie zu kostenpflichtigen Aktionen zu animieren, hat Justitia reagiert. War das möglicherweise zu spät?

Der Fall Lovoo beschäftigt weiter die Sächsische Justiz. Zu umfangreichen Durchsuchungen sind am Mittwoch 200 Beamte von Staatsanwaltschaft und Polizei in der Dresdner Firmenzentrale und mehreren Privatwohnungen aufgeschlagen. Zahlreiche Unterlagen, Computer- und Mobilfunktechnik, sowie mehrere Datenspeicher werden jetzt ausgewertet.

„Kam die Lovoo-Razzia zu spät, Herr Haase?“

Bereits im September 2015 hat die Staatsanwaltschaft Dresden Ermittlungen gegenüber der Online-Dating-Plattform Lovoo aufgenommen. Seinerzeit berichtete das Computermagazin c’t erstmals ausführlich über die Machenschaften der Flirt-Plattform Lovoo. Am Mittwoch haben die Beamten des Landeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft zugeschlagen.

Durchsuchungen in Dresden, Nürnberg und Berlin hat es gegeben, sowie drei Festnahmen. Konkret geht es um die Chefs Alexander Friede die Brüder Benjamin und Björn Bak. Mit Lovoo haben sie eine der Vorzeige Start-Ups aus Dresden entwickelt. Mit der sächsischen Online-Community Dampfer.net schipperten die Brüder Bak unter anderem zuvor große Erfolge ein. Laut Bundesanzeiger wurde die Firma „Dampfer.NET Comunity GmbH“ 2012 liquidiert. Auf freiem Fuß befindet sich aktuell Björn Bak. Sein Bruder Benjamin sowie Alexander Friede bleiben bis zum Abschluss der Ermittlungen in Untersuchungshaft, so Oberstaatsanwalt Lorenz Haase. Gegen weitere 9 Mitarbeiter laufen Ermittlungen.

Deutschlandweit hat die Razzia in dem Dresdner Erfolgsunternehmen für Aufregung gesorgt. Ein amüsantes Gezwitscher ist unter dem Hashtag #Lovoo auf Twitter entbrannt. So schreibt ein Nutzer beispielsweise: „Die Geschäftsführer von #Lovoo staunten nicht schlecht, als sie diese Benachrichtigung auf dem Smartphone sahen: Du und die Polizei habt ein Match.“

Das Geschäft mit heißen Flirts im Internet: Offenbar äußerst lukrativ

Immer wieder tappen Liebeshungrige in die Online-Dating- Falle. Die Verbraucherzentrale Sachsen rät zu einem sensiblen Umgang mit Dating-Portalen. Einsame Herzen sollten im Internet stets nach Erfahrungsberichten Ausschau halten. Auch die AGBs sollten nicht leichtfertig ignoriert werden: Oft sind im Kleingedruckten die Kosten versteckt.
Mutmaßlich mit Fake-Profilen soll das Dresdner Portal für einsame Herzen wohl das große Geld gewittert haben.