Lovoo: Geschäftsführer Benjamin Bak tritt zurück

Dresden – Der Geschäftsführer und Gründer der Online-Dating-Plattform Lovoo Benjamin Bak hat seinen Rücktritt erklärt. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, zieht er sich mit „sofortiger Wirkung aus dem operativen Geschäft des Unternehmens“ zurück.

In der Mitteilung des Unternehmens heißt es konkret:

„Der Geschäftsführer der LOVOO GmbH, Benjamin Bak wird sich mit sofortiger Wirkung aus dem operativen Geschäft des Unternehmens zurückziehen. Das gab Benjamin Bak, einer der Gründer der Dating-App, am Nachmittag bei einer Ansprache vor Mitarbeitern des Unternehmens in Dresden bekannt. „Mit meinem Rückzug aus der operativen Geschäftsführung will ich es LOVOO ermöglichen, sich ganz auf die Zukunft zu konzentrieren“, so Bak.“

Über eine Neuaufstellung der Geschäftsführung werde man zukünftig gesondert informieren. Ob Alexander Friede und Björn Bak in diesem Zusammenhang ebenfalls ihre Arbeitsplätze räumen, ließ das Unternehmen am Montag offen.
Ob das angeschlagene Dating-Portal seinen Ruf damit retten kann, bleibt dennoch fraglich. Zwar wollte die Staatsanwaltschaft verhindern, dass sich die laufenden Ermittlungen auf das Geschäft des Unternehmens auswirkt, ein fader Beigeschmack bleibt für viele Nutzer wegen der Betrugsvorwürfe bestehen. Auf der Dating-Plattform soll es offenbar Fake-Profile gegeben haben, die Nutzer zum Abschluss kostpflichtiger Abos verleitet hätten. Der Schaden soll auf Millionenhöhe beziffert werden können.

Die für gegebenenfalls geprellte Nutzer wichtige Frage, inwiefern das Unternehmen auf die Vorwürfe reagiert und gegebenenfalls Fake-Accounts aus dem Netz genommen hat, lassen Lovoo-Sprecher bisweilen unbeantwortet.

Hintergrund:

Zur Großrazzia sind Beamten des Landeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft Anfang Juni in Geschäfts- und Privaträumen des Dresdner Start-Ups „Lovoo“ aufgeschlagen. Durchsuchungen in Dresden, Nürnberg und Berlin, sowie drei Festnahmen hat es gegeben: Die Chefs Alexander Friede sowie Benjamin und Björn Bak mussten in Untersuchungshaft. Björn Bak kam bereits nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß. Erst eine Woche später kamen dann auch Benjamin Bak und Alexander Friede frei. Laut Oberstaatsanwalt Lorenz Haase laufen neben den Geschäftsführern gegen weitere 9 Mitarbeiter Ermittlungen.
Deutschlandweit hatte die Razzia in dem Dresdner Erfolgsunternehmen für Aufregung gesorgt. Nach fast 9 Monaten verdeckter Ermittlungen hat Justitia reagiert und der Fall Lovoo ist neu ins Rollen gekommen.

Im vergangenen Jahr hatte das online Dating-Portal Lovoo aus Dresden deutschlandweit für Negativschlagzeilen gesorgt. Auf Grundlage zugespielter Dokumente und aufwändiger Eigenrecherche hatten Computerhacker und Redakteure der Fachzeitschrift c’t der Flirt-Plattform vorgeworfen, seinen Nutzern mit unlauteren Tricks Geld aus der Tasche zu ziehen. Demnach existieren in dem Netzwerk automatisierte Profile, die Flirtsuchende dazu verleiten, kostenpflichtige Aktivitäten zu nutzen. Belegt wurden diese Vorwürfe anhand aufgedeckter Programmcodes und internem E-Mail-Verkehr. Das Dresdner Unternehmen dementierte dies. Die E-Mails aus der Dresdner Führungsriege seien Fälschungen.