Mindestlohn kontra Geiz-Kultur

Sachsen – Branchenübergreifend verdienen Arbeitnehmer in Deutschland ab 1. Januar 2017 8,84 Euro pro Stunde. Damit legte die Mindestlohnkommission von Arbeitgebern und Arbeitnehmern am Dienstag eine Erhöhung des Stundenlohns um 34 Cent fest. Mit gemischten Gefühlen wird die Neuregelung von Sächsischen Unternehmen und Arbeitgeberverbänden aufgenommen.

Jetzt steht es fest: Der Mindestlohn wird um 34 Cent angehoben. Seit seiner Einführung 2015 ist die politisch festgelegte Lohnuntergrenze vor allem bei kleineren Unternehmen umstritten. Das im Vorfeld befürchtete große Sterben setzte in diesem Zusammenhang allerdings nicht ein. 

Es sind beispielsweise sächsische Friseure, Bäcker oder die metallverarbeitende Branche, die im Zuge des 2015 eingeführten Mindestlohns, Preise anpassen mussten. Nancy Schneider, die Inhaberin des Leipziger Unternehmens Auto Schneider, hat ihre Bedenken, ob die Mindestlohnerhöhung vor allem in kleinen Unternehmen zu einer höheren Arbeitsbelastung führt. So hätten zur Einführung der gesetzlichen Lohnuntergrenze viele sächsische Unternehmen mit Stellenabbau reagiert, um Kosten zu sparen.

Marc Arendt, Geschäftsführender Gesellschafter im Dresdner Hotel Residenz Alt Dresden kritisiert: „Es ist die deutsche ‚Geiz-ist-geil-Kultur‘, die vor allem uns kleinen Unternehmen zu schaffen macht.“ In der Hotelbranche haben nicht etwa die großen Ketten auch große Probleme, ergänzt Gerhard Schwabe, der Geschäftsführer des Regionalverbands Dresden der DEHOGA Sachsen. Besonders Inhaber geführte Hotels müssen demnach mit der Erhöhung straffer kalkulieren.

Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) begrüßt die Entscheidung der Kommission: „Die geplante Anhebung des Mindestlohns auf 8,84 Euro ist eine gute Nachricht für die Beschäftigten in Sachsen, die zum großen Teil vom Mindestlohn leben. Jeder vierte sächsische Beschäftigte erhält derzeit den Mindestlohn.“

Nach wie vor gibt es in Deutschland ein Ost-West-Gefälle bei den Verdiensten. Die Neuregelung wirkt sich deshalb insbesondere auf Sachsen aus. Alle zwei Jahre soll die gesetzliche Lohnuntergrenze von einer Kommission angepasst werden. Im Rahmen der ersten Erhöhung denken Sächsische Hotels und Restaurants wieder verstärkt über mehr Ruhetage und Stellenabbau nach.