Razzia bei Dating-Portal Lovoo

Dresden – Den Dresdner Firmensitz in der Prager Straße stürmten am Mittwochmorgen Polizisten. Lovoo ist eines der größten deutschen Flirtportale. Im vergangenen Jahr geriet das Unternehmen in Verdacht seine Mitglieder abzuzocken. Auch die Wohnungen der beiden Geschäftsführer sollen durchsucht worden sein.

Wir waren vor Ort und haben mit Rechtsanwalt Frank Hannig sowie dem Sprecher des LKA-Sachsen, Tom Bernhardt, über die Ermittlungen gesprochen.

Im vergangenen Jahr hatte das online Dating-Portal Lovoo aus Dresden deutschlandweit für Negativschlagzeilen gesorgt. Auf Grundlage zugespielter Dokumente und aufwändiger Eigenrecherche hatten Computerhacker und Redakteure der Fachzeitschrift c’t der Flirt-Plattform vorgeworfen, seinen Nutzern mit unlauteren Tricks Geld aus der Tasche zu ziehen. Demnach existieren in dem Netzwerk automatisierte Profile, die Flirtsuchende dazu verleiten, kostenpflichtige Aktivitäten zu nutzen. Belegt wurden diese Vorwürfe anhand aufgedeckter Programmcodes und internem E-Mail-Verkehr. Das Dresdner Unternehmen dementierte dies. Die E-Mails aus der Dresdner Führungsriege seien Fälschungen.

Die anfängliche Aufregung schien zunächst im Sande zu verlaufen. Beschwerden bei der Verbraucherzentrale Sachsen waren lange Zeit Fehlanzeige: Auf wiederholte Anfrage von Dresden Fernsehen teilten die Verbraucherschützer mit, dass sich keine geprellter Nutzer an sie gewandt hätten. Auch mit dem Haus des sächsischen Datenschutzbeauftragten haben Liebeshungrige bis Anfang des Jahres keinen Kontakt aufgenommen. Hier zweifelte man, ob überhaupt ein Datenschutzvergehen vorliege. Wöchentliche Telefonate mit der Staatsanwaltschaft Dresden führten lange Zeit zu keinem stichhaltigen Ergebnis. Der Fall Lovoo werde hier zwar seit Veröffentlichung des CT-Artikels geprüft, nähere Angaben, wollte Oberstaatsanwalt Haase zu den Ermittlungen jedoch nicht geben.

Auch das aufdeckende Computermagazin musste feststellen, dass die Enthüllungen ins Nichts verpufft zu sein scheinten. Das erläuterte und ein zuständiger Redakteur genauer: Zu komplex sei die Geschichte um Lovoo, zu groß Rechercheaufwand und zu kompliziert das benötigte technische Knowhow. CT habe bereits weitere Hinweise und Beschwerden erhalten. Andere Medien trauen sich an dieses Thema vermutlich aufgrund des enormen Aufwandes und der rechtlichen Vertretung Lovoos schlichtweg noch nicht ran.

Die Razzien in Dresden wirbeln den Fall Lovoo jetzt wieder neu auf. Das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Dresden haben für den Nachmittag eine gemeinsame Mitteilung angekündigt.