Razzien und Festnahmen in Sachsen: Tschetschenen gründen offenbar kriminelle Vereinigung

Dresden/Leipzig/Görlitz – Die Staatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt Sachsen führen am Mittwoch mit Unterstützung der Polizeidirektionen Dresden, Leipzig und Görlitz seit den frühen Morgenstunden Exekutivmaßnahmen an mehreren Objekten in Dresden, Leipzig, Pirna, Radeberg und den Bundesländern Thüringen und Rheinland-Pfalz durch. Die Maßnahme wird im Zusammenhang mit einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Dresden gegen sechzehn Beschuldigte, wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung, gemeinschaftlicher räuberischer Erpressungen, Bedrohungen, Freiheitsberaubungen, Körperverletzungen und weiterer Nebenstraftaten durchgeführt.

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16:21 Uhr: Aktualisierung

Von den vorliegenden zehn Haftbefehlen konnten neun realisiert werden. Eine Person wurde vorläufig festgenommen, da sich hier der notwendige dringende Tatverdacht ergab. Wegen dem anzunehmenden hohen Gewaltpotential einzelner Tatverdächtiger, kamen bei zehn geplanten Zugriffen Sondereinsatzkräfte (SEK) der beteiligten Länderpolizeien aus Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz, sowie die GSG 9 der Bundespolizei zum Einsatz. Ein Tatverdächtiger versuchte bei der Festnahme Widerstand zu leisten und wurde leicht verletzt.
Bei den sechzehn Tatverdächtigen handelt es sich ausschließlich um männliche Personen, welche sich legal in Deutschland aufhalten. Elf der Männer sind tschetschenischer Herkunft, zwei sind sogenannte Russlanddeutsche, ein Mann ist Ukrainer, einer Armenier, einer ist Kasache. Die Männer sind zwischen 21 und 48 Jahre alt.
Bei ihren Taten, insbesondere bei den vorherrschenden Erpressungshandlungen, agieren die Täter mit massiven Drohungen, oftmals brutalen Gewaltanwendungen und schrecken auch vor dem Einsatz von Waffen nicht zurück. Hier sind es vor allem Schlaggegenstände, aber auch Messer und andere Waffen, die zur Anwendung kommen. Ziel ist es in jedem Fall, durch die Erpressungen größere Mengen Geld zu erlangen. Damit bestritten die Täter offenkundig auch einen großen Teil ihres Lebensunterhaltes.
Im Rahmen des Einsatzes wurden insgesamt 22 Objekte, meist Wohnungen und auch zwei Asylbewerberheime sowie diverse Nebengelasse durchsucht.
Dabei wurden unter anderem bis zum jetzigen Zeitpunkt mehrere Computer, Tablets und Notebooks, diverse Datenträger, Handys, Unterlagen und Akten, fünf Fahrzeuge, diverse Waffen und mehrere tausend Euro Bargeld sichergestellt.
Bereits am heutigen Tage erfolgten die ersten Vorführungen beim Haftrichter, welcher bis dato vier Haftbefehle in Vollzug setzte. Weitere sechs Vorführungen sind für den morgigen Tag geplant.
Auch wenn die Maßnahmen noch nicht vollständig abgeschlossen sind, kann bereits festgestellt werden, dass es sich um einen erfolgreichen Schlag gegen die organisierte Kriminalität handelt, welcher Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Justiz und der Polizei der Länder und des Bundes ist.

Markus Ulbig, Innenminister des Freistaates Sachsen: „Sachsen setzt seinen Kampf gegen die Organisierte Kriminalität konsequent fort. Dabei werden wir weiterhin eng mit dem Bund und den Ländern zusammenarbeiten. Der heutige Einsatz zeigt, dass die Kooperation der Sicherheitsbehörden bundesweit funktioniert. Das ist auch dringend notwendig, denn wir wollen den internationalen Banden erfolgreich das Handwerk legen.“

09:14 Uhr: Staatsanwaltschaft Dresden nimmt Ermittlungen auf

Zur Ergreifung und Verhaftung mehrerer Beschuldigter kommen dabei Sondereinsatzkräfte (SEK) der beteiligten Länderpolizeien und die GSG 9 zum Einsatz, da von einem hohen Gewaltpotential der Tatverdächtigen ausgegangen werden muss. Im Nachgang des Einsatzes der Spezialkräfte erfolgen zahlreiche weitere kriminalpolizeiliche Maßnahmen.
Bei den insgesamt 16 Tatverdächtigen, handelt es sich vorwiegend um russische Asylbewerber mit tschetschenischer Volkszugehörigkeit. In Würdigung der derzeit bekannten Gesamtumstände ist davon auszugehen, dass es sich hier um sogenannte Russisch-Eurasische Organisierte Kriminalität (REOK) handelt, welche bereits seit einiger Zeit im gesamten Bundesgebiet Bedeutung erlangt hat.
Aktuelle Entwicklung will das LKA Sachsen über social-media-Kanäle und weiterführende Pressemitteilungen zeitnah präsentieren.
Dr. Jörg Michaelis, Präsident des LKA Sachsen: „Gerade in Zeiten, in denen die Maßnahmen zur Abwehr der Terrorgefahr einen Schwerpunkt der kriminalpolizeilichen Arbeit bilden, dürfen wir den traditionellen Kriminalitätsfeldern, insbesondere der OK, keine Freiräume zur Entfaltung lassen. Daher hat dieser Einsatz auch eine Signalwirkung.“

Quelle: Landeskriminalamt Sachsen

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