Reicht der Mindestlohn wirklich zum Leben?

Dresden – Die Erhöhung des Mindestlohns auf 8,84 Euro beschäftigt die Sachsen weiterhin. Die Meinungen gehen bei Unternehmern, Politikern und Bürgern teilweise weit auseinander:

Seit seiner Einführung im Jahr 2015 ist der politisch festgelegte Mindestlohn umstritten. Vor allem in kleineren Unternehmen ist die festgelegte Lohnuntergrenze ein Thema. Am Dienstag wurde beschlossen, dass diese Untergrenze erneut angehoben wird. Zum Jahreswechsel steigt der Mindestlohn um 34 Cent auf 8,84€ pro Stunde.

Die sächsischen Kleinbetriebe stellt diese erneute Lohnerhöhung vor Probleme. Bei der Einführung des Mindestlohns vor anderthalb Jahren mussten viele von ihnen die höheren Personalkosten auf die Kunden übertragen oder sogar Stellen einkürzen. Für Annett Dietze, die Geschäftsführerin der Dresdner Friseurkette Haarpflege kommt ein Stellenabbau aber auch jetzt nicht in Frage. Dennoch steht auch sie vor einer erneuten Herausforderung. Sie sieht zum einen die höhere Wertschätzung ihrer Angestellten als Vorteil, zum anderen bringt die Erhöhung auch Gefahren für den Arbeitgeber mit sich: „Als Arbeitgeber muss ich nun die ganzen anfallenden Kosten unter die Lupe nehmen und schauen wo wir als Unternehmen sparen oder umstrukturieren können, ohne das gleich auf die Kundenpreise umlegen zu müssen oder gar Mitarbeiter zu entlassen.“

Jeder vierte Sachse erhält den Mindestlohn. Deshalb ist gerade der Freistaat von den Erhöhungen der Lohnuntergrenze betroffen. Aber kann man von 8,84€ Stundenlohn wirklich leben? Henning Homann, Arbeitsmarktexperte der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag ist mit der Einführung und ersten Erhöhung des Mindestlohnes zufrieden, fordert aber noch weitere Anpassungen: „Alleinstehende können von einem Mindestlohn gerade so leben, dass ist ja auch die Aufgabe eines solchen Mindestlohns. Für Familien gibt es darüber hinaus andere Unterstützungen. Klar ist aber auch, dass der Mindestlohn nur das Mindeste abdeckt.  Was wir daher fordern sind ordentliche Tariflöhne von denen die Menschen gut leben können.“

Im Zwei-Jahres-Rhythmus soll der Mindestlohn fortan angehoben werden. Das große Kleinunternehmersterben ist zur Einführung des Mindestlohns ausgeblieben. Welche Auswirkungen die Erhöhung ab 2017 haben wird, bleibt abzuwarten.