Rund 14.000 Besucher beim 8. Dresdner Schaubudensommer

Dresden – Grandioses, sumpfiges Gelände, Strudel, Untiefen, Mailand oder Madrid, Mulch und Marotten – der Schaubudensommer hat all das gezeigt, sein Publikum gegen den Strom geschaukelt und die Sinne verdreht.

Fussball, Regen, kalte Sommertage – alles kein Problem, der Schaubudensommer hat in elf wundervollen taumelnden Nächten über 70 internationale und nationale Künstler und Künstlerinnen zu Gast gehabt. Thematisch herrlich uneingeschränkt wurde der Platz von lauter Eigenartigkeiten und Geschichten geflutet und begeisterte tausende Besucher. Insgesamt etwas mehr als 14.000 kamen und sahen beim trapezieren, tanzen, singen und performen zu. Im Jahr XIX des Schaubudensommers sind gegen Gewohnheit, Langeweile und Trägheit immer mehr Kräuter – und vor allem Orte – gewachsen. Der Schaubuden-Sommer hat frische alte Freunde geherzt, zum Kaffee geladen und zeigte sich diesen Sommer in neuen Wänden: das Thalia Kino, die GrooveStation Dresden und das Projekttheater tauchten mit ein in den Kosmos der Skurrilität und des alltäglichen Wahnsinns und erlaubten dem Publikum ganz neue Perspektiven.

Cia. Zero en Conducta aus Spanien kamen mit der alten Brigitte und entführten in ihren Kosmos aus Erinnerungen und Tanz. Annamteur brachte ihre beste Freundin Cora Frost und Hamid Jamshidi mit und gemeinsam ergründeten sie Schrödingers Datsche. Michael Hatzius war wieder auf voll Echse und erzählte die besten Anekdoten zur Prime-Time, aber auch vom päpstlichen Balkon in der Louisenstraße zur Mitternachts-überraschung. Auf die Suche nach ELDORADO begaben sich JuWie Dance Company aus Dresden nach Kolumbien, während sich the guts company eher tanzend fragte: Sauerbraten mit oder ohne Franz Schubert? Postskriptum aus Spanien stürmten das Projekttheater und eroberten die Gunst der Zuschauer im Nu. Pelele aus Frankreich verzückten mit ihren skurrilen Marionettengeschichten. Mr. Fantastic Robert Muraine aus den USA zeigte den Knochen, wo der Gummi hängt und verblüffte mit allerlei Verrenkungen. Der gemeinen Blockflöte gebührt nun höchste Ehre – Gabor Vosteen aus Ungarn kann gleichzeitig fünf davon spielen. Pumcliks Orchestra brachten die mediterrane Sonne und Gypsy-Rokoko in die Stadt.

Feingeistige Wortgipfel erklomm die Oralneurotikerselbsthilfegruppe und tauchte tief ein in kollektive Sprichwortkenntnisse. Aus der Schweiz brachte Buffpapier eine Aquariumsshow und informierte über allerlei Sonderbares in der AQUA FREAK SHOW. Gankino Circus schunkelten sich durch die fränkische Dorfidylle und ganz ähnlich draufgängerisch verzückte das Fuck Hornisschen Orchestra sein Publikum mit ausgemachten Blödsinn und Techno. The Beez fulminierten und spielten fast jeden Abend eine Extra-Show im Saal. Misanthropen haben einen neuen Guru und einige Besucher und Besucherinnen werden Der Täubling von nun an tunlichst meiden.

Katja Erfurth und Florian Mayer feierten einen Geburtstag ohne Gäste aber mit Tanz und Violine, Mic Conway & Sean Curtis frönten dem schönsten aller Genres und zeigten was Vaudeville so hergibt. Aus Pakistan kam Ahsan Nadeem Sheikh und tanzte Die göttliche Zähmung des Mannes ohne chirurgischen Eingriff. Kasperl befand sich in einer substantiellen Identitätskrise, aus der ihm Christoph Bochdansky ansatzweise heraus half. DEREVO aus Russland fabulierten sich durch den Небыль „Nebel“ und lauschten den Igeln. David Bowie kehrte kurz zurück auf Erden, um zusammen mit Cie. Freaks und Fremde durch seine Songs zu laufen. Aus Israel flogen zarte Geschichten aus Papier zu uns – Maayan Iungman ließ aus Blättern A Paper Tale entstehen. Ein überbordendes Sinnesspektakel lieferte uns The Great Joy Leslie mit seiner einfachen und puren Magie und avancierte zu einem der Publikumslieblinge.

Cornelia Fritzsche und Ursula von Rätin besetzten wieder eine Bude und klotzten was das Zeug hielt, Kleckern kann sie ja nicht. Absolut schamfrei, mit mächtig Energy, Power und geballter Weiblichkeit stürmten ALLES KLAR! aus Israel und Deutschland die Bühne und ließen ihrem Electric PornPunk freien Lauf. Cie. Têtes de Mules offenbarten uns ihr Kuriositätenkabinett und erlauben einen Blick durchs Schlüsselloch. Aus Nebraska kam John Moran und repetierte und präzisierte kleine pointierte Klanggeschichten. Jazz-Songs, interpretiert vom Engel, Teufel und dem Clown, wurden von Pavel Vangeli aus Tschechien geführt und waren hinreißende Singing Swinging Marionettes.

Vom kleinen bisschen Glück irgendwo auf der Welt träumten Inéz und Sammeltonium Wunderland und nahmen uns dort zumindest musikalisch mit hin. Nikolas Woernle, Tobias Herzz Hallbauer und der illustre Gast besetzten das Thalia Kino und starteten die PARALLELUNVERSUMSFILMLIVEVERTONUNG. Das kleinste Kabarett der Welt war mit eigenem Zelt vor Ort und jeder durfte Kabaret de Poche aus Frankreich beim Applaudieren über die Schulter schauen. Die Reise der Närrin führte Leonor Beuter aus Argentinien über Umwege nach Europa und ins Herz der Tarotkarten, während Al Huschty alles und jeden frisierte, was kein Hund war. Auf eine Neustadts Odyssee begaben sich César & Muriel und trafen auf Krokodile und andere Exotika. Im Garten der Riesin schien die Schneekönigin Einzug zu halten, aber Pappaschattira Schaukastentheater fanden eine wärmende Geschichte. Im Container 8 begegneten wir DR.KLEIN und den MISS FITS: eine Peep Show at its best. Bei den Freunden von SALON TUSCH wurde dem Dada an eigenem Schrein gehuldigt. Auf dem Nostalgie-Karussell drehten alle still vergnügt ihre Schaubudenkreise, während Dr. Eisenbarth und die Bardomaniacs sowie Georg Traber mit seinen Musikanten für den nötigen musikalischen Schwung sorgten.

Die Festivalbands spielten jede Nacht ab kurz nach Mitternacht alles von türkischem Pop bis Punk Rock und ließen die Lounge der Scheune zum tanzenden Schwitzkasten werden und zum Familiensonntag am 10. Juli 2016 öffnete der Schaubudensommer seine charmanten Tore zum Taumelnachmittag zwischen Eseln, Brause und Kuriositäten – endlich was zu erzählen beim Morgenkreis!

Ein Schaubudensommer voller Eigenheiten, glasklaren Unklarheiten und außerordentlich gut ausgedachten Zufällen. 

Quelle: XIX. ScheuneSchaubudenSommer