Sachsen und die Einheitsfeier: Die Misere einer uneinigen Stadt

Dresden – Brücken Bauen, auch zu anderen Bundesländern, das wollten der Freistaat Sachsen und die Landeshauptstadt eigentlich mit der Deutschen Einheitsfeier in Dresden.

Es hätte alles so schön werden können: Rund 750.000 Menschen aus ganz Deutschland hatten die Stadt Dresden und der Freistaat Sachsen zur Einheitsfeier in der Landeshauptstadt erwartet. Dafür hatten die Gastgeber einiges vorbereitet: Auf der Ländermeile präsentierten sich die Bundesländer und auch der Freistaat nutzte die Chance, um seine Großstädte wie Chemnitz oder Leipzig in Szene zu setzen.
Erhöhte Polizeipräsenz im Stadtgebiet, sollten nach den Sprengstoffanschlägen unter anderem für ein gesteigertes Sicherheitsempfinden sorgen.
Für 4,5 Millionen Euro sollte auch am Image Sachsens und Dresdens gepfeilt werden. Und jetzt sind es diese Bilder aus der Landeshauptstadt, über die man in Deutschland diskutiert:

Zum Tag der Deutschen Einheit haben die Verfassungsorgane um Bundeskanzlerin Angela Merkel Dresden besucht. Im Vorfeld hatten Linke und Rechte zu Störungen aufgerufen. So versammelten sich rund um das Verkehrsmuseum und die Frauenkirche Menschen – vor allem aus dem rechten Lager – die lauthals gegen die Bundeskanzlerin, den Bundespräsidenten und die eingeladene Politprominenz demonstrierten. „Volksverräter“, „Haut ab“ und „Merkel muss weg“ wiederholen Sprechchöre auf dem Neumarkt.
Die aufgeheizte Stimmung in der Landeshauptstadt bekam auch die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Claudia Roth zu spüren. Sichtlich schwer fiel es ihr angesichts dieser Bilder die Fassung zu bewahren.

Die Einheitsfeierlichkeiten in Dresden waren von Beginn an umstritten. Ausgerechnet die zerstrittene Stadt Dresden und ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt. Das entlud sich bereits bei den Sprengstoffanschlägen vergangene Woche, bei einem Brandanschlag auf Polizeiautos in der Nacht zu Sonntag und schließlich geballt am Tag der Deutschen Einheit.

Von Feierstimmung war in Dresden am Montag deshalb wenig zu spüren. Stattdessen setzte sich auch am Nachmittag das Demonstrationsgeschehen fort: In Blasewitz protestierte die rechte Bewegung Festung Europa um Tatjana Festerling. In der Innenstadt hielt Pegida eine Kundgebung ab. In diesem Zusammenhang wird die Polizei Sachsen jetzt überregional kritisiert. Vor Beginn der Pegida-Demonstration hatte ein Beamter die Versammlungsauflagen verlesen, obwohl dies üblicherweise der Veranstalter macht. Am Ende seiner Durchsage erklärte der Polizist vor mehreren tausend Pegida-Anhängern: „Wir wünschen einen erfolgreichen Tag für Sie!“. Von dem Vorwurf der Befangenheit distanzierte sich die Polizei zwar noch am Montagabend, doch wurde die Meldung über das Internet bis dahin bereits verbreitet.

Die erhofften schönen Bilder aus Dresden gab es im Rahmen der Einheitsfeier so, fast ausschließlich bei der aufwendigen Lichtinstallation am Terassenufer am Vorabend des 3. Oktobers. Auch die erhofften Besucher aus ganz Deutschland blieben zum Großteil aus. An den drei Festtagen in Dresden zählten die Veranstalter nur rund 450.000 Menschen. Mit 4,5 Millionen Euro schlagen drei Tage Einheitsfeier mitsamt einem wiedermal verschlechterten Image, dem Freistaat Sachsen zu Buche. Die Kosten für den Polizeieinsatz sind dabei allerdings noch nicht berücksichtigt.