Trügerische Idylle – Dynamo muss in Sandhausen ran

Dynamo muss am Freitag in Sandhausen ran und will im Hardtwaldstadion endlich einmal gewinnen

Dresden – Jahr für Jahr das Gleiche: Wer sich vor Saisonbeginn in der 2. Fußball-Bundesliga nach potenziellen Abstiegskandidaten erkundigt, bekommt nicht selten den Namen des SV Sandhausen zu hören. Die Schwarz-Weißen aus dem kleinsten deutschen Ort mit einem Bundesliga-Verein werden immer wieder unterschätzt. Bis vor ein paar Jahren wusste kaum einer, wo die gut 14 000 Einwohner zählende Gemeinde überhaupt liegt. Das änderte sich erst 2012, als die Kicker aus dem Rhein-Neckar-Kreis als Drittliga-Meister in die 2. Liga aufstiegen. Und trotz aller Unkenrufe, das Intermezzo im Bundesliga-Unterhaus werde ein kurzes sein, hat sich der SVS bis heute dort behauptet. Fünf Jahre in Folge in der 2. Bundesliga zu spielen – das hat der kommende Gegner Dynamo Dresden noch nicht geschafft.

„Dem muss man schon Respekt zollen“, sagt Dynamo-Trainer Uwe Neuhaus. Seine Mannschaft gastiert am Freitag um 18.30 Uhr nach fast drei Jahren Pause wieder einmal im kleinen Hardtwaldstadion, das mit 15 414 Plätzen mehr Zuschauer fasst als Sandhausen Einwohner hat. Dort will die SGD im sechsten Anlauf endlich den ersten Sieg einfahren.

Neuhaus hat auch mit seinen früheren Vereinen vor den Toren Heidelbergs noch nicht gewonnen. „Das ist nicht gerade meine Erfolgsgeschichte“, erklärte der Westfale am Mittwoch. Er weiß, dass sich die Gastmannschaften gern von der Idylle im Hardtwald einlullen lassen: „Die ländliche Umgebung, das Stadion ist nicht sehr groß und nicht so gefüllt – das ist alles sehr trügerisch.“ Auch die Spielweise der Sandhäuser trage dazu bei, „dass wir aufpassen müssen, nicht locker zu lassen“, warnte der Coach.

Der 56-Jährige weiß, dass die Heimmannschaft auf eine starke Defensive baut und sich trotz elf Abgängen und acht Neuverpflichtungen gefunden hat. Der Kern der Mannschaft konnte sowieso gehalten werden. Die Truppe des erst 35 Jahre alten Trainer Kenan Kocak, der im Juli den überraschend nach Nürnberg abgewanderten Alois Schwartz ersetzte, sei „sehr gut organisiert. Das System ist inzwischen gut eingespielt“, so Neuhaus.

Der Türke Kocak, der mit Waldhof Mannheim Meister der Regionalliga Südwest wurde, bevorzugt auch im eigenen Stadion meist Konterfußball. „Sandhausen ist sehr gut geordnet, setzt überwiegend auf Konter. Sie nutzen Fehler der anderen eiskalt aus“, hat Dynamos Linksverteidiger Fabian Müller beobachtet. Er warnte seine Mitspieler davor, sich mit übertriebenem Ehrgeiz Fehler einzuhandeln. Geduld sei gefragt. Wie er hofft Neuhaus, dass sich sein Team nach drei Spielen ohne Sieg wieder auf die eigenen Stärken besinnt. Dann sei auch der erste Dreier in Sandhausen drin: „Wenn wir klar im Kopf sind und uns auf das konzentrieren, was wir können, dann werden wir dort auch gewinnen.“

Vorgemacht hat das in dieser Saison bereits der VfB Stuttgart, der sich mit 2:1 im Hardtwald durchsetzte. Im vergangenen Jahr gaben die Sandhäuser, bei denen Ex-Dynamo Tim Kister seine dritte Saison in Folge bestreitet, nur sechs Spiele zu Hause ab. Bereits drei Spieltage vor Schluss gelang den Schwarz-Weißen damals der vorzeitige Klassenerhalt, am Ende kam man mit 40 Punkten als 13. ein. Ein Ergebnis, das Kocak mit seiner derzeit auf Rang 14 liegenden Mannschaft nur zu gern wiederholen würde. Sein Kollege Neuhaus wäre damit am Ende aber auch einverstanden, wenn Aufsteiger Dynamo dort landen würde.

Quelle: DNN, Jochen Leimert