Donald Trump zieht ins Weiße Haus

Leipzig – Der Wahlkampf in den USA ist offziell beendet, Donald Trump wird neuer Präsident der USA.
Die Möglichkeit bestand, so richtig glauben kann man es dennoch nicht: Donald Trump gewinnt den Kampf um den Einzug in das Weiße Haus. Am Mittwochmorgen gegen 8:30 Uhr vermelden es dann auch die amerikanischen Nachrichten: Donald Trump ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.
Zwar müssen die Wählerstimmen noch endgültig ausgezählt werden, eine Prognose verzeichnet allerdings Trumps Führung mit 267 von 270 notwendigen Wahlmännerstimmen ab.

Erste Reaktion von Christian Moos, dem Generalsektretär der Europa-Union Deutschland auf den Ausgang der amerikanischen Präsidentenwahl:
„Die Amerikaner haben einen neuen Präsidenten gewählt. Diejenigen, die nicht auf der Welle des Hasses schwimmen oder sich von ihr fortspülen lassen, sind entsetzt. Die Werte, für die der Kandidat Donald Trump stand, sind jedenfalls nicht die der europäischen Föderalisten. Die amerikanische Präsidentenwahl ist immer von großer Bedeutung für Europa. Selten zuvor war sie so wichtig wie heute.
Für Deutschland und Europa kann diese Wahl einen Paradigmenwechsel bedeuten, denn Trump hat das transatlantische Bündnis, die NATO, wiederholt in Frage gestellt oder zumindest in seiner Bedeutung relativiert.
Die Welt hat nun einen US-Präsidenten, der Protektionismus statt Freihandel verspricht. Für die europäische Wirtschaft im Allgemeinen und die Wirtschafts- und Währungsunion im Besonderen verheißt das nichts Gutes.
Es bleibt zu hoffen, dass die Apparate und auch die Partei der Republikaner ihn mäßigen, die Verfolgung von Minderheiten verhindern und für Kontinuität und Verlässlichkeit in der Außen- und Sicherheitspolitik sorgen. Sicher ist das aber nicht.
Sollte ein amerikanischer Autoritarismus mit starken isolationistischen Tendenzen auf den russischen Revisionismus treffen, wird es gefährlich in Europa, zumindest für die Freiheit. Fest steht daher, dass Europa nun enger zusammenrücken muss, wenn es nicht zerfallen will. Das gilt auch, aber bei weitem nicht nur für die Außen- und Sicherheitspolitik.
Deutschland kommt als größtem Mitgliedsland der EU besondere Verantwortung zu. Die Regierung muss bedacht handeln, darf aber keine Zeit verlieren, denn Zuwarten allein wird nicht mehr ausreichen.
Eine europäische Allianz der liberalen Demokratien sollte den Kern einer Politischen Union bilden, der Weg zu gemeinsamen europäischen Streitkräften jetzt eröffnet werden. Es geht, das zeigt auch der Blick auf die unsäglichen Vorgänge in der Türkei, wieder um die alte Frage nach Freiheit oder Tyrannei.“

Martin Dulig, Landesvorsitzender der SPD Sachsen, zur Ausgang der US-Wahl und den Konsequenzen:
„Donald Trump steht für vieles, was wir ablehnen. Aber er ist demokratisch zum Präsidenten der USA gewählt.
Ich hoffe, dass in den USA nach der Schlammschlacht nun wieder Ernsthaftigkeit und Verantwortung in die Auseinandersetzung zurückkehrt. Wir erwarten die konkreten Vorschläge der Trump-Administration in außen- und wirtschaftspolitischen Fragen.
Die Gründe für Trumps Wahl müssen uns auch in Europa und in Deutschland beschäftigen. Offenbar fühlen sich in liberalen Demokratien viele Menschen von den Themen und dem Politikstil Trumps und ähnlich Gesinnter angesprochen. Das müssen wir ernst nehmen. Wir erreichen diese Menschen aber nicht mit Moralpredigten und Verachtung. Menschen, die sich entrechtet fühlen oder als Verlierer sehen, machen wir ehrliche Angebote um ihr tägliches Leben zu verbessern. Wir dürfen das Feld nicht denen überlassen, die in Trump-Manier Politik machen wollen. Unsere Antwort auf Angstmacher und Populisten darf nicht mehr Populismus sein, sondern eine aktive Politik für Gerechtigkeit, Anerkennung und Achtung. Das sind unsere Themen.“

Volkmar Zschocke, Vorsitzender der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag erklärt:
„Das Ergebnis dieser Wahl sollten wir als Herausforderung annehmen. Die Wahlkampagne von Donald Trump hat auf Spaltung der Gesellschaft, auf Frauenfeindlichkeit und auf die Unzufriedenheit weißer Männer gesetzt. Ressentiments und Vorurteile wurden verstärkt. Wir kennen das aus Europa und Sachsen. Differenzierte Diskussionen und Kompromisse werden schwieriger, Parolen und Populismus haben Konjunktur.
Wenn sich die Vereinigten Staaten unter Präsident Trump aus der internationalen Zusammenarbeit zurückziehen und wirksame Vereinbarungen zum Klimaschutz sabotieren, erwächst eine stärkere Verantwortung für die deutsche und europäische Politik, mit dem Klimaschutz Ernst zu machen.“

Rico Gebhardt, Fraktions- und Landesvorsitzender der LINKEN in Sachsen:
„Der Ausgang der US-Präsidentenwahl ist ein politisches Erdbeben. Seine Erschütterungen werden uns auch erreichen.
Zugleich müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass das herrschende politische Establishment dramatisch an Glaubwürdigkeit eingebüßt hat. Trump konnte nur gewinnen, weil die Masse der arbeitenden Bevölkerung sich schon lange sozial an den Rand gedrückt fühlt. Ich habe keinem der beiden Kandidaten die Daumen gedrückt. Mein Favorit war der Linke Bernie Sanders, den die Demokraten aber leider nicht aufgestellt haben. Eine Fortsetzung der bisherigen amerikanischen Außenpolitik, die uns einen Krieg nach dem anderen und ganze Weltregionen im Chaos hinterlassen hat, darf es nicht geben. Wahr ist, dass Herr Trump im Wahlkampf teilweise schreckliche Dinge erzählt hat. Ich hoffe, dass vieles nicht ganz ernstgemeint war. Seine Tonlage direkt nach der Wahl ist ja schon eine andere.
Egal wer US-Präsident ist: Ich wünsche mir Frieden zwischen NATO-Staaten und Russland und eine Umkehr vom bisherigen Marsch in einen neuen Krieg. Nicht zu vergessen ein Ende des Blutvergießens im Nahen Osten, das Millionen von Menschen in die Flucht schlägt. Aber auch der Abschied vom geplanten TTIP-Freihandelsabkommen steht auf der Tagesordnung, weil es den sozialen Frieden zerstört. Das sind die wichtigsten Themen, nach denen ich die Präsidentschaft von Herrn Trump beurteilen werde.“

Am Mittwoch strömten rund 200 Millionen Wahlberechtigte in die Wahlkabinen und stimmten für ihren Kandidaten ab. In diesem Jahr sorgte besonders der Machtkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump für zahlreiche Diskussionen.

Ob das Wahlergebnis eine Auswirkung auf die politische und wirtschaftliche Landschaft der USA und der Welt haben wird, steht außer Frage. Jedoch pflegt Deutschland schon lange ein enges und vertrautes Verhältnis zu den Vereinigten Staaten.

Die Stimmung in der USA ist angespannt. Dennoch rechnen viele mit einem großen Wähleraufkommen. Wir haben uns mit Jodeane Brownlee, Professorin an der University of Nebraska at Omaha, über die derzeitige Atmosphäre in den Vereinigten Staaten unterhalten.

Vom Wahlkampf in Amerika haben sich Menschen in der ganzen Welt anstecken lassen – auch in Sachsen. Aber welchen Präsidentschaftskandidat favorisieren die Sachsen? Wir haben uns umgehört.

Welcher Spitzenkandidat der nächste US-Amerikanische Präsident wird zeigt sich nach Deutscher Zeit erst gegen 3 Uhr am Mittwochmorgen. Dass sich einige Leipziger auf den Beinen halten um das Ergebnis der Wahl live mitzuerleben, zeigt wie brisant das Thema auch in Deutschland ist. Die Mitglieder der Jungsozialisten in Leipzig schmeißen sogar extra eine Wahlparty. Noch bis Mittwochmorgen wird das Ergebnis des amerikanischen Wahlkampfes auf sich warten  lassen – dann allerdings steht der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika schon fest.