20 Meister-Fälscher am Werk

Können Sie sich eine Ausstellung mit rund 80 der berühmtesten Gemälde der Welt vorstellen?

Ohne Panzerglas, ohne Sicherheitsvorkehrungen und ohne Eintritt? – Nein.

Ist auch ungewöhnlich, aber genau die zeigt im Moment die Galerie Lindenau im Steigenberger Hotel in Radebeul. Gut, die Sache hat einen Haken – die Bilder sind nicht echt – es sind Fälschungen. Aber geniale und legale.

Van Goghs Fischerboote, Monets Parkbilder, Botticellis Venus, Da Vincis Mona Lisa sind von den Originalen kaum zu unterscheiden und die wären insgesamt 2,25 Milliarden Euro wert.

Van Goghs Dr. Gachet war mal das teuerste Bild der Welt und wurde für 83,5 Millionen Euro versteigert. Das hier ist eine Fälschung – eine legale. Da gibt es Regeln. Der Maler muss mindestens 70 Jahre tot sein, das Bild muss andere Abmessungen als das Original haben und es muss als Fälschung gekennzeichnet sein. 20 Meisterfälscher arbeiten für die Galerie. Willi Richter ist einer von ihnen und das aus Überzeugung.

Gefälscht wurde schon immer. Es gibt kaum ein Museum oder Sammler, der nicht irgendwann auf so ein Kuckucksei reingefallen ist.

Das ist also die Fälschung einer Fälschung. Da kann man schon mal den Überblick verlieren. Kein Wunder, dass der Handel mit gefälschten Kunstwerken auf der weltweiten Kriminalstatistik weit oben steht. Sammler legen Unsummen hin, um ein Original zu bekommen. Auch wenn das dann gar keins ist.

Aber es gibt ja auch ehrbare Fälscher. Ohne sie könnten wir einige Bilder gar nicht mehr bewundern. Klimmts Schubert am Klavier zum Beispiel wurde im zweiten Weltkrieg verbrannt. Marcs „Turm der Blauen Pferde“ gilt seit Jahrzehnten als verschollen.

Um solche Werke zu schaffen, muss man selbst ein Künstler sein.
Nicht nur was die Maltechnik betrifft, sondern auch beim Material.
Leinwand, Holz, Papier und vor allem die Farben müssen der jeweiligen Epoche angepasst werden, mitunter sieht es aus wie in einer Küche.

Willi Richter weiß wovon er spricht. Und so schlägt er erst mal ein Ei auf, um dann mit Mehl, Wasser und Pigmenten seine Farbe zu mischen. Dann wird gemalt. Er malt sich seinen Van Gogh selbst: „Madam Ginoux“.

Van Gogh ist heute übrigens einer der am meisten gefälschten und teuersten Maler. Zu Lebzeiten hat er nur wenige Bilder verkauft, zum Beispiel den „Roten Weinberg“ für 400 France. Heute werden seine Bilder im zweistelligen Millionenbereich gehandelt.

Wenn Sie wollen, können Sie einen Van Gogh mit nach Hause nehmen. Sein Nachtcafé für 2.400 Euro statt geschätzter 30 Millionen ist doch ein Schnäppchen. Bei den Freundschaftspreisen kann man einmal mehr zugreifen. Und wenn umdekoriert wird, kann da ein Renoir auch mal vergessen in einer Ecke stehen.