200 unbegleitete Flüchtlingskinder in Dresden erwartet

In Dresden angekommen, wird sie das Jugendamt in Obhut nehmen.  Das Jugendamt übernimmt dabei die Vormundschaft für die Kinder und kümmert sich um deren Unterbringung, Versorgung, Betreuung und schulische Ausbildung. +++

200 unbegleitete Flüchtlingskinder im nächsten Jahr in Dresden erwartet
Wie sich die Stadt auf die Aufnahme vorbereitet

Zum 1. Januar 2016 beabsichtigt der Bund, die Verteilung der in Deutschland ankommenden unbegleiteten Flüchtlingskinder neu zu regeln. Analog der Verfahren für erwachsene Asylsuchende sollen ab diesem Zeitpunkt auch die unbegleiteten Minderjährigen nach festen Quoten, dem sogenannten Königsteiner Schlüssel, auf die Bundesländer und Städte aufgeteilt werden.

Danach ist laut aktuellen Hochrechnungen des Freistaates Sachsen davon auszugehen, dass im Jahresverlauf 2016 voraussichtlich bis zu 200 unbegleitete ausländische Kinder und Jugendliche durch die Landeshauptstadt Dresden aufzunehmen sind. In Dresden angekommen, wird sie das Jugendamt in Obhut nehmen. Bisher richtete sich die Zuständigkeit der örtlichen Jugendämter nach dem Ort, an dem die Kinder und Jugendlichen erstmals um Schutz nachsuchten. Das Jugendamt übernimmt dabei die Vormundschaft für die Kinder und kümmert sich um deren Unterbringung, Versorgung, Betreuung und schulische Ausbildung.

„Die Landeshauptstadt Dresden ist entschlossen, sich auch dieser Herausforderung zu stellen und den ankommenden Flüchtlingskindern ein förderliches Umfeld zu bereiten“, bekräftigt der verantwortliche Sozialbürgermeister den Willen der Stadt zum Handeln. Weiter sagt er: „Als Stadt sind wir auf diesem Gebiet nicht gänzlich unerfahren. Gemeinsam mit freien Trägern der Jugendhilfe betreuen wir seit Jahren unbegleitete ausländische Kinder und Jugendliche. Lediglich die Dimensionen werden sich deutlich verändern.“ Sind es derzeit noch zwischen 20 und 40 Flüchtlingskinder, die vom städtischen Kinder- und Jugendnotdienst sowie den freien Trägern der Jugendhilfe, wie der Caritas, täglich betreut werden, dürfte deren Zahl sehr schnell auf rund 200 steigen. „Dafür sind gänzlich neue Strukturen erforderlich“, führt der Bürgermeister weiter aus. Zusätzlich zum städtischen Kinder- und Jugendnotdienst auf dem Rudolf-Bergander-Ring soll deshalb ein weiteres Objekt erschlossen werden, was bis zu 180 Kinder und Jugendliche aufnehmen kann. Wie der Bürgermeister bestätigt, würden bereits entsprechende Verhandlungen mit potenziellen Anbietern laufen.

Ziel ist es, bereits zum Januar 2016 im neuen Objekt die Betreuung der Kinder und Jugendlichen aufzunehmen. Bis dahin sei es allerdings noch ein weiter Weg, so Bürgermeister Martin Seidel. Ein erstes Grobkonzept wurde bereits innerhalb der Verwaltung abgestimmt. Dieses sieht vor, das Objekt in zwei miteinander verzahnte Einrichtungen aufzuteilen. In der ersten Einrichtung würde das Jugendamt alle neu ankommenden Kinder und Jugendlichen analog dem Kinder- und Jugendnotdienst mit eigenem Personal aufnehmen. Nach spätestens vier Wochen sollen alle notwendigen Verfahrensschritte für diese Inobhutnahme abgeschlossen sein. Sodann würden die Kinder in die anschließende Wohnform wechseln können. Ähnlich einem sozialpädagogisch betreuten Heim, könnten hier die Kinder bis zur Volljährigkeit wohnen. Dieser Bereich soll laut Konzept in die Hände eines freien Träger der Jugendhilfe gegeben werden. Besondere pädagogische und therapeutische Bedarfe würden zusätzlich über individuelle Hilfepläne eingeordnet werden.

Das Rathaus rechnet damit, dass für die Umsetzung des Konzeptes rund 15 zusätzliche Personalstellen für die Inobhutnahme beim Jugendamt geschaffen werden müssen. Hinzu kommen weitere Stellen für Vormünder und den Allgemeinen sozialen Diensten (ASD) des Jugendamtes. In der Summe wird mit jährlichen Kosten zwischen acht und zehn Millionen Euro gerechnet. In welcher Höhe sich Bund und Land konkret an den kommunalen Aufwendungen beteiligen, ist derzeit noch unklar. Die Verwaltung erarbeitet derzeit eine entsprechende Beschlussfassung für den Stadtrat. Diese soll noch im September in die Gremien des Stadtrates eingebracht und spätestens im Dezember beschlossen werden.

Quelle: Landeshaupstadt Dresden

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