30. April: Tag der Erneuerbaren Energien

Die Erneuerbaren Energien werden nach Ansicht des Leipziger Wirtschaftswissenschaftlers Erik Gawel in Deutschland noch immer nicht ausreichend zur Stromversorgung genutzt und sollten deshalb ausgebaut werden.

Allerdings müssten dazu auch die bestehenden Stromnetze ertüchtigt werden, um zum Beispiel in Windkraftwerken vor der Nordseeküste erzeugten Strom weiterleiten zu können, sagte der Direktor des Instituts für Infrastruktur und Ressourcenmanagement der Universität Leipzig sowie stellvertretende Leiter des Departments Ökonomie beim Helmholtz-Zentrum für
Umweltforschung (UFZ) in Leipzig anlässlich des Tages der Erneuerbaren Energien, der am 30. April 2011 zum 16. Mal begangen wird.

Um den Ausstieg aus der Stromversorgung aus Kernkraftwerken zu schaffen, müsse gleichzeitig auf Energieeinsparung und effizienteren Einsatz von Energie, den Betrieb moderner Gas- und Dampfturbinenkraftwerke und die Ablösung von Atomstrom durch solchen aus erneuerbaren Quellen einschließlich neuer Speichertechnologien gesetzt werden, erklärte Gawel. Der Wissenschaftler erläuterte, dass in der Diskussion um die Stromversorgung in Deutschland stets der Klimaschutz, die Bezahlbarkeit und die Versorgungssicherheit in den Mittelpunkt gestellt würden.

„Natürlich muss man sich darüber im Klaren sein, dass es eine Energieversorgung, die keinen Einfluss auf die Umwelt hat, nicht gibt“, so Gawel. So müssten denn auch die Konflikte, die durch den verstärkten Einsatz Erneuerbarer Energien entstünden, gelöst werden. Dazu müsse ein klares politisches Signal gesetzt werden. „Ich wundere mich immer, dass ein Hochtechnologieland wie Deutschland so in die Vergangenheit deutet“, meinte er mit Blick auf das noch gültige Energiewirtschaftskonzept der Bundesregierung. „Wir brauchen ein neues Denken, das nach vorne geht.“

Wenn die Bezahlbarkeit des aus erneuerbaren Quellen gewonnen Stroms angezweifelt würden, so werde dabei unterschlagen, dass die Atomenergie jahrelang schön gerechnet worden sei. „Nur der Blick auf die Stromrechnung reicht nicht aus, um alle Kosten erkennen zu können, die mit der Nutzung der Kernenergie verbunden waren, sind und auch noch lange Zeit sein werden“, so der Wissenschaftler. Häufig werde „vergessen“, dass auch bei Nutzung des vermeintlich preiswerten Atomstroms die Strompreise für die privaten Haushalte in den Jahren seit 2002 um 50 Prozent gestiegen seien. Wer sich um die Bezahlbarkeit sorge, müsse vor allem für mehr Wettbewerb sorgen.

Dass die Leistungsfähigkeit der Erneuerbaren oft angezweifelt wird, wies Gawel zurück. „An die Leistungen, die man heute aus Windkraftanlagen auf offener See holen kann, war Anfang des Jahrtausends noch gar nicht zu denken.“ Da aber die Stromnetze nach wie vor auf die Standorte der Großkraftwerke im Innern des Landes ausgelegt seien, könne Strom von diesen Offshore-Anlagen derzeit gar nicht eingespeist werden. Skeptikern, die die Erneuerbaren Energien als nicht grundlastfähig bezeichnen, hielt Gawel entgegen, dass sie dabei lediglich auf die Wind- und Solarenergie schauten. „Aber die Sache sieht schon ganz anders aus, wenn man Biomasse, Biogas, Geothermie und Pumpspeicheranlagen gemeinsam betrachtet“, sagte er.