4 Pleiten in Serie – HC Elbflorenz im Abstiegskampf angekommen

Dresden - Der HC Elbflorenz scheint endgültig im Abstiegskampf der zweiten Bundesliga angekommen zu sein. Gegen den Tabellenletzten aus Konstanz kassierten die Tiger am Sonntagnachmittag die vierte Pleite in Folge. Dabei lief auch abseits des Feldes nicht alles glatt.

 

Wolfram Wegehaupt: "Abstiegskampf in Dresden endgültig angekommen"

Im Boxen gibt es die sogenannten Aufbaugegner. Die Dresdner scheinen derzeit (siehe Aue und Konstanz), natürlich ungewollt, in diese Rolle zu schlüpfen. Christian Pöhler sagte nach der Partie dazu: „Die Rolle des Aufbaugegners gefällt mir und natürlich auch der Mannschaft gar nicht.“ Wer von den Fans, vor dem Spiel gegen Konstanz, nur über die Höhe des Sieges nachgedacht hatte, hat diese 2. Liga nicht verstanden. Solche Tiefs und das betonte Trainer Christian Pöhler auch, waren „erwartbar“.

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Die Dresdner Spieler müssen allerdings auch verstehen, dass die Rolle des Aufbaugegners vorbei sein muss und bis Weihnachten wieder andere „handballerische Rollen“ an der Reihe sind. Vielleicht tut es da gut, dass keiner der kommenden Gegner einen Aufbaugegner braucht.

Das Spiel begann mit fast 15 Minuten Verspätung und wurde nach etwas mehr als 5 Minuten erneut unterbrochen. Die Technik in der Halle streikte und am Ende stand die gute alte Klapptafel auf dem Tisch des Kampfgerichts. In der 2. Halbueit konnten die Zuschauer dann zumindest wieder den Spielstand und die Zeit elektronisch wahrnehmen. HSG-Trainer Daniel Eblen sagte nach der Partie: „Nach der Unterbrechung war ich etwas nervös und hatte aber irgendwie ein gutes Gefühl, dass heute hier etwas geht. Wir haben einfach nach den Unterbrechungen die Spannung eher wiedergefunden.“ Sein Gefühl sollte in nicht trügen. Nach den etwas zähen Anfangsminuten von beiden Seiten kam die HSG nach der 2. Pause besser in die Partie. Die Dresdner sollten bis zur Halbzeitpause nicht wirklich in die Begegnung finden. Während der HC immer wieder, auch teilweise aus besten Positionen scheiterte, war bei der HSG Konstanz Spielmacher Tim Jud der Chef auf dem Feld. Er traf entweder selbst oder bediente seine Mitspieler mustergültig. Vor allem HSG-Toptorschütze Paul Kaletsch und der starke Kreisspieler Chris Berchtenbreiter profitieren davon. Bei den Dresdnern blieb bspw. das Spiel über den Kreis weitestgehend eine Fehlanzeige. So setzen sich die Gäste vom Bodensee Stück für Stück ab. Nach dem es nach 12. Minuten noch unentschieden gestanden hatte (4:4), konnte die HSG bis zur 18. Minute auf 4:7 erhöhen. In der 22. Minute erzielte die HSG dann durch Fabian Schlaich sogar das 5:9 und nach erneuten HC-Fehlwurf das 5:10 in Überzahl. Torschütze war Rechtsaußen Felix Klinger. Überhaupt agierten die Konstanzer in eigener Überzahl sehr effektiv. Durch einen Treffer von Linksaußen konnte die Gäste die Führung bis in die 30. Minute hinein immer noch bei 5 Toren halten (7:12). Der nach langer Verletzung wieder auf Spielfeld zurückgekehrte Daniel Zele erzielte anschließend für den HC das 8:12. Die HC Abwehr fand zu keiner Phase der 1. Spielhälfte die richtigen Mittel gegen das eingespielte Team der HSG. Eine Huhnstock-Parade am Ende der 1. Halbzeit verhinderte sogar einen 5 Tore Rückstand.

Die Dresdner gaben in der 2. Halbzeit kämpferisch alles. Die wieder über 1800 Zuschauer spüren das und wollten den Team von den Rängen helfen. Allerdings wurden sie auch immer wieder emotional ausgebremst. An diesem Tag reichte es handballerisch einfach nicht. Nicht nur das die HSG Konstanz für einen Tabellenletzten relativ ruhig blieb, der HC baute auch immer wieder leichte Fehler oder vermeidbare Zeitstrafen ein, die eine Aufholjagd verhinderten. So zum Beispiel beim 14:17 in der 41. Minute.

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Adrian Kammlodt hatte gerade seinen dritten Treffer in Folge zum 14:17 erzielt und Mario Huhnstock für den HC auf der Gegenseit pariert, da leisteten sich die Dresdner einen erneuten Fehlwurf statt auf 15:17 zu verkürzen. So oder ähnlich wiederholte sich das Ganze bis zum Abpfiff noch ein paar Mal. Als 100 Sekunden vor dem Ende dann Roman Becvar durch ein schnelles Tor zum 21:23 traf, nahm HSG Trainer Eblen die Auszeit. Der das gesamte Spiel über sehr ruhig wirkende Eblen hatte in dieser Minipause anscheinend die richtigen Worte gefunden. Die Dresdner deckten nach der Auszeit sehr offensiv, konnten aber den HSG Treffer von Rechtsaußen nicht verhindern (21:24).

Das war knapp 60 Sekunden vor Schluss die endgültige Entscheidung. Beide Teams kamen in den Schlusssekunden noch zu jeweils einem Treffer.

Fazit: Der HC ist für den Moment brutalst möglich im Abstiegskampf angekommen, anders kann man es bei einer Heimniederlage gegen den Tabellenletzten und dem Blick auf die letzten 4 Spiele sowie die Tabelle nicht werten. Klar muss man in dieser Liga immer mit allem rechnen und kann sich so eine Leistung gegen niemanden leisten, egal wieviel Punkte er bis dahin hatte. Trainer Christian Pöhler sagte nach dem Spiel: „Die HSG hat völlig zurecht die Punkte geholt.“ Ja, die HSG gewann absolut verdient und zeigte sich auch in den engeren Phasen ziemlich clever. Zudem hatten die Gäste auf der Torhüterposition ein Übergewicht. Der eigentlich „nur“ 3. Torhüter Maximilian Wolf, sonst 2. Mannschaft, machte eine famose Partie. Natürlich hatten die Dresdner auch vor dieser Partie mir Verletzungen zu kämpfen. Arseniy Buschmann hatte sich trotz Nasenbeinbruch am Freitag, zumindest zeitweise in den Dienst der Mannschaft gestellt. Zudem kamen noch die Ausfälle von Greß, Hruscak und Flödl dazu. Allerdings hatte auch der Gegner mit Verletzungen zu kämpfen und so herrschte an diesem Tag in dieser Kategorie wohl Waffengleichheit. Beide Teams haben in letzter Zeit spüren müssen, was es heißt, immer wieder lange auf wichtige Spieler verzichten zu müssen, einzig die Mannen vom Bodensee haben es an diesem Tag besser gelöst. Vielleicht auch, weil sie besser eingespielt sind als der HC.

Im nächsten Auswärtsspiel in Nordhorn erwartet vom derzeitigen HC wohl kaum einer Punkte, aber vielleicht ist das ja eine Rolle, welche dem HC derzeit besser liegt. An seinem „Rollenverständnis“ arbeiten muss der HC derzeit so oder so!

Der beste Torschütze Paul Kalesch sagte nach der Partie: „Ja, das war wieder die Mentalitäst-HSG aus der letzten Saison. Wir haben mit nur 22 Gegentoren eine gute Abwehr gespielt. Mit Gegentoren 22 Toren nimmt auch meistens Auswärts etwas mit. Wir haben heute einen großen Zusammenhalt gezeigt und uns super ergänzt. Zudem haben wir das Torwartduelle gewonnen, dass war in dieser Saison auch nicht immer so.“

Text: Wolfram Wegehaupt

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