6.000 Messies in Chemnitz

Messies – Menschen, die unter ihrer Unordnung leiden – sind auch in Chemnitz keine Einzelfälle.

Wenn man die, von Fachleuten ermittelten Zahlen auf Chemnitz runterrechnet, kommt man auf rund 6.000 Messies in Chemnitz. Wer also deutliche Probleme mit den vielen angesammelten Dingen hat und in einer übervollen, vielleicht auch chaotischen Wohnung lebt, braucht sich nicht allein zu fühlen. Dennoch fühlen sich die meisten Messies bezüglich ihrer Not allein und wagen aus Scham und Angst vor Blamage nicht das Gespräch mit anderen. Oft beschränkt sich das Chaos auf die eigene Wohnung und eventuell einige Nebengelasse, aber nach außen hin und im Beruf funktioniert man gut, ist man unauffällig. Das Messiegeheimniss wird sorgfältig bewahrt. Dabei wäre gerade die Öffnung und der Kontakt mit einigen der vielen anderen Betroffenen ein erster Schritt zur Hilfe.

Die Erkenntnis, dass man nicht als einziger, das Problem hat, dass auch die anderen Messies keine faulen oder bequemen Leute sind und meist sogar Ordnungssinn haben und sich eigentlich nicht schämen und verstecken müssen, ermöglicht weitere Gespräche und ein Auftauchen aus der selbstgewählten Isolierung. Viele lassen niemanden mehr in die Wohnung und gehen auch nicht mehr zu anderen Einladungen, weil sie Angst vor der empfundenen Verpflichtung zur Gegeneinladung haben, die sie nicht erfüllen können. In der Selbsthilfegruppe kennt jeder dieses Problem und man kann offen darüber reden. Oft ist es ein Staunen, was für ein munteres und in der Gesellschaft engagiertes Völkchen sich in der Messie-Selbsthilfegruppe sammelt. Die Teilnehmer erfahren große Hilfe durch die Gruppe, finden wieder zu Selbstachtung und bekommen neue Hoffnung auf eine Veränderung und schrittweise Heilung. Dennoch haben in Chemnitz nicht mal 1%, der Betroffenen bisher ihr Interesse an der Gruppe bekundet.

In der Regel nutzt es wenig, wenn andere Personen Aufräumaktionen starten. Der scheinbare „Müll“ ist für den Betroffenen meist wertvolles Gut. Seine in der Lebensgeschichte in irgendeiner Form verletzte Seele hat sich in diesen Dingen einen Notbehelf geschaffen, den man nicht ohne die Seele neu zu verletzen einfach wegnehmen kann. In der Folge kann es zu schweren Krisen, Depressionen und vor allem zu neuer Sammelleidenschaft kommen. Wirkliche Hilfe setzt bei der Heilung der seelischen Wunden an und lässt zunächst das Thema „Aufräumen“ unberührt. Hier helfen das Gespräch unter Gleichbetroffenen, Seelsorge und psychotherapeutische Aufarbeitung. Ist die innere Heilung fortgeschritten, kann es zu einer Umwertung kommen. Die vielen Dinge, die einem doch eigentlich Hilfe sein sollten, werden in ihrer lebens-einengenden Belastung wahrgenommen und verlieren langsam ihre Bedeutung als Notbehelf. Weil die Seele heiler und der Mensch innerlich erfüllter geworden ist, wird es möglich selber Dinge zu ordnen und sich von einigem zu trennen.

Dr. Rainer Rehberger hat sich als Psychotherapeut umfassend mit dem Messie-Syndrom und den betroffenen Menschen befasst und als erster in Deutschland dazu ein psychotherapeutisches Fachbuch verfasst, das zu einem Standardwerk geworden ist.

Er kommt auf Einladung der Chemnitzer Messie-Selbsthilfegruppe am Mittwoch 27.2.13 nach Chemnitz. Ab 17°° Uhr hält er im „dasTIETZ“ im Veranstaltungssaal in der 3. Etage einen Vortrag zum Messieproblem. Anschließend stellt er sich den Fragen der Zuhörer. Dazu sind alle Interessierten eingeladen, egal ob selber betroffen, Angehöriger, professioneller Helfer oder allgemein interessiert. Der Eintritt ist frei; eine freiwillige Unkostenbeteiligung ist möglich.

Einladungsplakat als PDF

Pressemitteilung: Messie-Selbsthilfegruppe Chemnitz