750 syrische Kinder erhalten dank arche noVa im Libanon Schulunterricht

Der Dresdner Verein „arche noVa – Inititative für Menschen in Not“, beteiligt sich an einem aktuellem Schulprojekt für syrische Flüchtlingskinder. Das Projekt umfasst u.a. die Finanzierung des Schulangebots für 750 Kinder.

„Meine Ausbildung ist das Wertvollste in meinem ganzen Leben“ – ein Satz, den alle Eltern gerne hören, der jedoch für Mariam Saleh aus Syrien alles andere als selbstverständlich ist. Seit ihrer Flucht in den Libanon ist sie nicht zur Schule gegangen. Dass sie jetzt wieder lernen kann, verdankt sie dem Engagement von arche noVa – Inititative für Menschen in Not e.V. Die Zehntklässlerin geht in eine der zwei Schulen, die die Hilfsorganisation mit Sitz in Sachsen, seit kurzem in der libanesichen Bekaa-Region betreibt. Projektpartner vor Ort ist Social Support Society.

„Es war wirklich eine schwierige Erfahrung, nicht zur Schule zu gehen“, erinnert sich Mariam an die Zeit nach der Flucht. So wie ihr geht es UN-Schätzungen zufolge jedem zweiten Flüchtlingskind im Nachbarland Libanon. Eine große UN-Initiative soll das nun ändern. Mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung beteiligt sich arche noVa an der Bildungsoffensive. Das aktuelle Projekt umfasst die Finanzierung des Schulangebots für 750 Kinder, die Gehälter für 47 Lehrer, sowie Transportkosten für Schulbusse, Weiterbildung der Lehrkräfte, pädagogische Angebote jenseits des Unterrichts und den Ausbau der Schulgebäude. Demnächst soll außerdem noch an jedes Kind täglich ein Mittagssnack ausgeteilt werden.

Der Unterricht findet als zweite Schicht nachmittags und am Samstag in bereits vorhandenen Schulen statt, die vormittags von libanesischen Kindern besucht werden. „Diese Lösung ist preisgünstig und schnell realisierbar. Außerdem kommen unsere Investitionen in die Schulgebäude allen Kindern zugute. Wir stützen damit nicht zuletzt die lokale Infrastruktur und tragen zum guten Miteinander der geflüchteten und ortsansässigen Bevölkerung bei. Die Bekaa-Region zählt zu den Gebieten mit prozentual den meisten syrischen Flüchtlingen weltweit“, erläutert Jörn Köckritz, Projektreferent von arche noVa und für das Projekt zuständig

 „Unser Schulprojekt gibt den Kindern, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, trotz der harten Umstände, in denen sie leben müssen. Viele von ihnen wurden in ihrer Heimat zu Zeugen und Opfern unaussprechlicher Gewalt. Sie haben Dinge gesehen und mitgemacht, die Kinder niemals erleben sollten. Deshalb wollen wir den Kindern ein Stück Normalität zurückgeben und sie bestmöglich betreuen“, so Köckritz. In dieser Woche erhalten einige der von arche noVa beschäftigten Lehrerinnen und Lehrer eine Weiterbildung im Bereich Traumatherapie.

Wie wichtig die psycho-soziale Betreuung ist, bestätigt Rahaf Al-Saghir, eine der beteiligten Lehrerinnen: „Die Erlebnisse der Kinder fordern ihren Tribut. Wir beobachten, wie schwer es ihnen fällt, Bindungen einzugehen, und wie sie sich gegenüber den Klassenkameraden verhalten.“ Für das Projekt wurden Lehrerinnen und Lehrer eingestellt, die selber vor der Gewalt in Syrien geflohen sind und jetzt erstmals wieder ein geregeltes Einkommen erzielen. „Endlich kann ich wieder selber für mich sorgen und ich habe das Gefühl, anderen etwas geben zu können“, so Rahaf Al-Saghir.

arche noVa warnt vor den großen Versorgungslücken in und um Syrien. „Wir dürfen nicht zulassen, dass die vielen Betroffenen in Syrien und in den Nachbarländern in eine aussichtslose Sitiuation geraten. Wenn sich die Lage nicht verbessert und mehr humanitäre Hilfe vor Ort ankommt, werden noch mehr Menschen flüchten und die Stimmung in den gastgebenden Nachbarländern kippen. Inzwischen ist im Libanon jeder fünfte Bewohner ein Geflüchteter. Das Land kann die Versorgung nicht alleine bewältigen.“

arche noVa ruft dringend zu Spenden für die Flüchtlingshilfe auf und nimmt am 4. Februar 2016 an der internationalen Geberkonferenz „Supporting Syria and the Region“ in London teil. Seit 2013 ist die aus Sachsen stammende Organisation in der Krisenregion aktiv. Zur Zeit laufen humanitäre Hilfsprojekte in Syrien, dem Nordirak und im Libanon. Darüber hinaus unterstützt arche noVa Flüchtende auf der Balkanroute und Hilfsinitiativen für Geflüchtete in Sachsen.

Quelle: arche noVa – Initiative für Menschen in Not e.V.