9. Folge “Wunder Dresden Wissen“ – Wie verändert sich die Dresdner Neustadt?

Vor gut 20 Jahren waren die Altbauten in der Äußeren Neustadt zum Abriss vorgesehen. Heute ist aus der einstigen “Bronx von Dresden“ ein Familieneldorado geworden. Ein ganz normaler Verdrängungsprozess? +++

Die Äußere Neustadt – Szeneviertel, Künstlerstadtteil und Studentenhochburg – nur einige der Schlagwörter die dem Dresdner beim Gedanken an das Gründerzeitviertel in den Sinn kommen. Dabei ist die sogenannte Antonstadt schon seit einiger Zeit nicht mehr so dynamisch, subkulturell und aufbegehrend, wie sie es einst war.

Was den Neustädtern seit einigen Jahren auffällt, beobachten Wissenschaftler schon seit Jahrzehnten als globales Phänomen. Gentrifizierung, auch Gentrification genannt, bezeichnet die soziokulturellen Veränderungen in einem ursprünglich ärmlichen Viertel, wenn Immobilien zunehmend von wohlhabenden
Eigentümern übernommen und baulich verändert, sprich aufgewertet werden.

Interview: Andrej Holm (Sozialwissenschaftler)
 
Soll heißen – was junge Leute in der Neustadt heutzutage beklagen – mussten die ursprünglichen Bewohner des Stadtteils schon vor vielen Jahren erleben. Denn mit den ersten Studentenwohnungen, Lesecafés und Musikkneipen nach der Wende setzte die erste Phase der Gentrifizierung ein – Gebäude wurden saniert, die Mietpreise stiegen, sozial schwächere Familien mussten in billigere Wohnungen am Stadtrand ausweichen. Heute wohnen hier nur noch 15% der Menschen die Anfang der Neunziger Jahre hier gelebt haben.
 
Bei aller Normalität von städtebaulichen Veränderungen – es sind doch die soziale Vielfalt und die unterschiedlichsten Menschen in einer Stadt, die sie lebenswert machen. Was aber ist die Alternative für einen Prozess, bei dem das Geld erst die einen, und dann die anderen verdrängt? 

Bis dahin wird aber die Gentrifizierung auch weiter durch Dresden schwappen. Beim genaueren Hinsehen wird deutlich, dass auch das Hechtviertel östlich der Neustadt eine ähnliche Entwicklung wie seine große Schwester durchläuft. Und wer weiß, schon jetzt ist davon die Rede mit dem Kulturkraftwerk Mitte ein neues kulturelles, kreatives und wirtschaftliches Zentrum für Dresden zu schaffen.

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