A.R. Penck-Sonderausstellung im Albertinum

Dresden - Alles begann in Dresden mit einem Akt künstlerischer Selbstbehauptung: Ausgeschlossen von Akademie und offiziellem Kunstbetrieb der DDR erklärt sich Ralf Winkler – später unter dem Pseudonym A.R. Penck (1939–2017) bekannt – eigenmächtig zum Künstler. Anlässlich seines 80. Geburtstages würdigt das Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) den international renommierten Ausnahmekünstler mit der Ausstellung A.R. Penck „Ich aber komme aus Dresden (check it out man, check it out)“. Die Präsentation ist als Streifzug durch Pencks Dresdner Jahre konzipiert und richtet den Blick auch auf sein bis heute wenig beachtetes, jedoch vielfältiges und künstlerisches Schaffen als Super-8-Filmer, Musiker sowie auf seine Skizzen- und Künstlerbücher.

Bis zu seiner Ausreise im Jahr 1980 galt A.R. Penck als der heimliche Star der Dresdner Kunstszene. Offiziell hatte er in der DDR nie Anerkennung gefunden; Studium und Mitgliedschaft beim staatlichen Verband Bildender Künstler (VBK) blieben ihm verwehrt. Doch Penck war kein Dissident. Wie viele andere Künstler glaubte er bis in die 1970er-Jahre hinein an die Reformierbarkeit des Systems und verstand seine künstlerische Arbeit als Beitrag zur Analyse und Lösung bestehender Probleme. Während er in der DDR im „Untergrund“ Ausstellungen und Gruppenprojekte organisierte, war er in der Kunstszene der BRD ein schon längst etablierter Künstler.

Neben Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen finden in der Präsentation über 30 Skizzen-, Unikat- und Künstlerbücher ihren Platz. Zudem geben seine wiederentdeckten Super-8-Filme Einblick in sein filmisches Schaffen. Pencks musikalische Projekte sind ebenfalls vertreten: bisher unveröffentlichte Aufnahmen sowie eine Auswahl seiner zahlreichen Plattenproduktionen können von den Besucher*innen gehört werden.

Gemeinsam mit dem Freund und Künstlerkollegen Wolfgang Opitz begann A.R. Penck Ende der 1960er-Jahre Super-8 Filme zu drehen. Sie waren die ersten, die den Schmalfilm in der DDR für künstlerische Zwecke nutzten. Bis 1980 entstanden so mehr als 20 Filme. Ein Großteil dieses Materials wurde im Zuge der Ausstellungsvorbereitungen recherchiert und digitalisiert, sodass diese Filme nun erstmals einem größeren Publikum präsentiert werden können. Die selten gezeigten Unikat- und Künstlerbücher hinterfragen konventionelle Lesegewohnheiten und fungieren als lebendiges Archiv und Labor zugleich. Pencks „Standart“, „Visuelles Denken“ und „Technik des Verstehens“ sind darin angelegt, erprobt und herausgebildet.

Entlang der chronologischen Werkentwicklung erzählt die Ausstellung auch von seinen vielfältigen Kooperationen mit anderen Künstlern. Dazu gehören neben den Musikaktivitäten der frühe Freundeskreis um Jürgen Böttcher (Strawalde), die freie Druckwerkstatt „Obergrabenpresse“ (Gründung 1978), die Künstlergruppe „Lücke“ (1971–76) und seine Zusammenarbeit mit dem Videokünstler Wolf Kahlen in Berlin (1980).

Premiere feiert in der Ausstellung auch der Dokumentarfilm „Er nannte sich Y – der unbekannte A.R. Penck“ vom Regisseur und Autor Thomas Claus, der mit Unterstützung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gedreht wurde. Dank bislang unveröffentlichten Materials sowie aufschlussreicher Zeitzeugengespräche erlaubt dieser Filmbeitrag neue Perspektiven auf A.R. Pencks Leben und Wirken vor 1980.

Parallel zur Ausstellung im Albertinum zeigt die Städtische Galerie Dresden die Ausstellung: A.R. Penck „Übermalungen 1979“ – Rekonstruktion einer Ausstellung.