Acht Prozent aller Sachsen sind überschuldet

Etwa 310 000 Personen in Sachsen über 18 Jahre gelten als überschuldet. Die bestehenden Schuldnerberatungsstellen in Sachsen können jedoch einen Bruchteil der Betroffenen beraten.+++

Rund 8,4% aller sächsischen Bürgerinnen und Bürger über 18 Jahren (ca. 310.000 Personen) gelten als überschuldet. Die bestehenden Schuldnerberatungsstellen in Sachsen können mangels ausreichender Kapazitäten jedoch nur annähernd 13% der Betroffenen beraten. Insbesondere für die Insolvenzberatung hat sich seit Jahresbeginn die Situation verschärft, da die Finanzierung von einer gesetzlichen Regelung auf eine haushaltsabhängige Förderichtlinie umgestellt wurde.

„Seit Januar dieses Jahres regelt eine Förderrichtlinie die Finanzierung der Insolvenzberatung in Sachsen“ erklärt Rüdiger Unger, stellv. Vorsitzender der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen (Liga). „Bis 2013 erhalten 29 sogenannte Beratungseinheiten (statt bisher 53 Beratungsstellen) eine jeweils einjährige Förderung, die jedoch von der Haushaltslage des Freistaates abhängt. Nicht mehr geförderten Beratungsstellen können nur noch in sehr eingeschränktem Umfang Insolvenzberatung anbieten, da die Refinanzierung fehlt. Daher ist insgesamt mit einem Rückgang der Beratungskapazitäten zu rechnen, obwohl ein großer Bedarf besteht.“

Bis Ende 2010 wurden sachsenweit 4.862 Insolvenzverfahren durch die 53 anerkannten Beratungsstellen der freien Wohlfahrtspflege bzw. der Verbraucherzentrale begleitet. Dies entspricht mehr als 90 % aller angemeldeten Verfahren in Sachsen. Andererseits haben lediglich 1,4 % der überschuldeten Menschen im Freistaat einen Antrag auf Eröffnung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens gestellt. Aus Sicht der Liga lässt sich hier ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den anerkannten Beratungskapazitäten und den angemeldeten bzw. eröffneten Verfahren erkennen. Der Bedarf liegt nach Angaben der Beratungsstellen weit höher.

Die Liga erachtet es daher als dringend notwendig, die Finanzierung der Insolvenzberatung wieder auf eine verlässliche gesetzliche Grundlage zu stellen. Zudem muss die Schuldner- und die Insolvenzberatung als Einheit betrachtet werden, was sich auch in einer bedarfsorientierten Finanzierung niederschlagen muss.

Da die unzureichende Finanzierung der Schuldnerberatung ein bundesweites Problem darstellt, ist die „Finanzierung der Schuldnerberatung“ auch Thema der heute beginnenden Aktionswoche Schuldnerberatung der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV). Ziel ist die die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Situation überschuldeter Menschen. Zudem soll die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Verminderung von Armut und sozialer Ausgrenzung der betroffenen Familien sowie deren Kindern deutlich gemacht werden. Die diesjährige Aktionswoche findet vom 27. Juni bis 01. Juli 2011 statt. Mehr erfahren Sie auf www.aktionswoche-schuldnerberatung.de und www.agsbv.de. 

Hintergrund Verbraucherinsolvenz:

Seit 1999 haben überschuldete Personen das Recht, unter bestimmten Voraussetzungen eine Entschuldung mittels des Verbraucherinsolvenzverfahrens zu beantragen. Dafür ist im Vorfeld zwingend eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern zu suchen und dies von einer sogenannten geeigneten Stelle bzw. Person bescheinigen zu lassen. Es besteht quasi ein Beratungszwang. Die Schuldnerberatungsstellen ermöglichen den Betroffenen diese notwendige Beratung kostenfrei. Die bereits fehlenden Beratungskapazitäten haben jedoch in den vergangenen Jahren zu einem Zuwachs an unseriösen gewerblichen Schuldenregulierern geführt, die nicht selten zu einer weiteren Verschuldung der Betroffenen führt.

Quelle: PARITÄTISCHEN Sachsen

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