Ärger mit dem Industriepark Oberelbe: ein Landwirt berichtet

Dresden - Bereits im Sommer 2017 berichtete Dresden Fernsehen vom geplanten Bau des Industrieparks Nähe Heidenau. In diesem Zusammenhang äußerten sich bereits Gegner und Befürworter des Parks. Um das Thema weiter zu verfolgen, wird in diesem Beitrag die Sicht der Landwirte näher beleuchtet. 

Der Hof von Frank Schnutz ist weitläufig, von fern hört man einige Kühe, die beruhigend auf ihrem Heu kauen. Neben der Rinderzucht betreibt Schnutz mehrere Felder in Krebs und Umgebung. Seine angespannte Miene lässt erahnen, welche Auseinandersetzungen er in den letzten Wochen durchlebt hat. Es geht, wie in seinem Alltag zur Zeit so oft, um den geplanten Industriepark vor seiner Haustür. Eine Fläche von 140 Hektar soll betoniert werden, um einen neuen Industriestandort im Dresdner Vorland zu etablieren. Schnuz schüttelt den Kopf, denn dazu muss er einen Teil seiner Felder abgeben. Die Enteignung ist Bestandteil der Verbandssatzung des "Zweckverbandes Indsutriepark Oberelbe" und wird unter Anwälten derzeit diskutiert. Befürworter des Parkes argumentieren mit 3000 neu zu schaffenden Arbeitsplätzen, die mit dem Bau der Industrieanlagen einhergehen. Dabei wird vergessen, welch wichtige Aufgabe die Landwirtschaft in Sachsen hat. Der Nachwuchs in der Landwirtschaftsbranche ist gering, wie auch in vielen anderen Handwerksberufen. Schnutz, einst Ausbilder, hat in den letzten Monaten keinen Bewerber weitergebildet. Arbeit ist genug vorhanden, 18 Kälbchen wurden allein im Januar geboren. Frank Schnutz ist selbst gespannt, wie es mit seinem Land weiter geht. Derzeit sammelt die Bürgerinitiative Großsedlitz Unterschriften, um den Baustopp zu erwirken.

Die Stadtverwaltung Pirna äußert sich wie folgt: "Der Zweckverband steht im Kontakt mit den Eigentümern zur Klärung von Fragen bezüglich der Eigentums-, Pacht- und Bewirtschaftungsverhältnisse. Auch mit dem im Beitrag benannten Eigentümer wurde diesbezüglich Kontakt aufgenommen. Der Zweckverband hat sich zum Ziel gesetzt, im Einvernehmen mit den Grundstückseigentümern hinsichtlich der erforderlichen Flächen im ZV Gebiet IPO und möglicher Tausch- und Ersatzflächen außerhalb des ZV Gebiet den Technologiestandort IPO zu realisieren. Die umfangreichen Bodenuntersuchungen sind derzeit dazu da, den Baugrund einer gründlichen Prüfung zu unterziehen. Die Entwässerung des Gesamtareals wurde in einer Machbarkeitsstudie betrachtet. Die Rückhaltung des Wassers soll künftig dezentral in privaten und öffentlichen Rückhaltemulden und ‐Systemen, wie Regenrückhaltebecken, Rigolen, oder Zisternen erfolgen. Vorgesehen ist eine gedrosselte und zeitlich verzögerte Abgabe in die Vorfluten. Das Konzept zur Siedlungswasserwirtschaft wird gerade erstellt. Zum Thema "Versiegelung" haben die Ansiedlungen in der vergangenen Zeit gezeigt, dass viele Firmen mittlerweile ein ökologisches Bewusstsein entwickelt haben und die zur Verfügung stehenden Flächen nicht gänzlich verbauen. Auch die Problematik der Arbeitsplätze wurde untersucht. Dabei ist auffallend, dass derzeit rund 19.000 Beschäftigte aus dem Landkreis mehr auspendeln als einpendeln. Rund 6.000 Menschen sind im Wirtschaftsraum Oberelbe nur geringfügig beschäftigt. Rund 3.700 Personen sind arbeitslos gemeldet. Die Primäreffekte, wie Vollbeschäftigung oder Gewerbe-und Einkommenssteuereinnahmen sichern die Zukunft unserer Kommunen und werden durch vielfältige Sekundäreffekte, wie die Auslastung der kommunalen Infrastruktureinrichtungen, die Grundstücksnachfrage oder der Steigerung des Lebensstandards ergänzt werden."