Alternativvorschlag zur B87n vorgelegt

Lesen Sie hier die Presseerklärung der Bürgerinitiative mit der Stellungnahme und der Einwendungen betroffener Bürger, welche am Montag an die Landesdirektion Leipzig übergeben wurde:

Leipzig, 21. Dezember 2009. In ihrer heute der Landesdirektion Leipzig übergebenen Stellungnahme zum Raumordungsverfahren zur B87n hat die Bürgerinitiative „Alternative B87“ e.V. einen Alternativvorschlag zu dem bisher geplanten Bau einer Autobahn-ähnlichen, vierspurigen Bundesstraße auf der grünen Wiese und der damit verbundenen Zerstörung von Natur und Umwelt zwischen Leipzig und Torgau unterbreitet. Gleichzeitig wurden mehr als 600 Einwendungen gegen die B87n-Baupläne von betroffenen Bürgern vorgelegt.
 
Bei der Analyse der in den letzten Wochen öffentlich ausgelegten Verfahrens­unterlagen hat die Bürgerinitiative zahlreiche Mängel und Fehler in der Planung und in den durchgeführten Untersuchungen aufgezeigt. Neben einer fehlerhaften und unvollständigen Kostenkalkulation, falschen umwelt- und naturschutzfachlichen Erhebungen sowie zweifelhaften Berechungen zur Bedarfsprognose wird vor allem das hohe Schutzbedürfnis von Menschen und Natur vor den folgenschweren Auswirkungen des Straßenbauprojektes durch die Planer ignoriert. Darüber hinaus steht die vorliegende Planung in zahlreichen Punkten im direkten Konflikt sowohl mit nationalem als auch europäischem Recht. Weiterhin wird kritisiert, dass die Stadt Leipzig als einer der Hauptnutznießer der B87n in der jetzt geplanten Variante die mit der B87n verursachten Human- und Umweltkosten in Gänze auf das Leipziger Umland abzuwälzen versucht, ohne selbst einen entsprechenden Beitrag zu den Folgekosten zu leisten.
 
Insgesamt stellt das Raumordungsverfahren in der derzeitigen Form eine Missachtung der übergeordneten Grundsätze und Ziele der Raumordung des Freistaates Sachsens dar und ist nicht genehmigungsfähig. „Für uns ist äußerst unverständlich, wie in einem solchen Verfahren unter Beteiligung von erfahrenen Behörden und anerkannten Planungsbüros derartig viele gravierende Fehler und Unzulänglichkeiten auftreten können.“, so Dirk Werner, Vorstandsvorsitzender der Bürgerinitiative über seinen Eindruck zu den ROV-Unterlagen. Pressesprecher Thomas Becher ergänzt „Es ist offensichtlich, dass hier ganz bestimmte politische Interessen durch Weglassung oder Vernachlässigung von Tatsachen sowohl gegen bestehende Gesetze als auch gegen das Interesse von Mensch und Natur durchgesetzt werden sollen. Bereits die Erstellung dieser grob fehlerhaften Unterlagen scheint einer Verschwendung von Steuergeldern in erheblicher Größenordung gleich zu kommen. Wir wagen gar nicht daran zu denken, welcher Betrag letztlich unterm Strich für das Bauprojekt stehen wird, denn die bisher kalkulierten 350 Mio. EUR werden keinesfalls ausreichen. Mit dem großzügigen Umgang mit Steuergeldern haben unsere hiesigen Behörden ja so ihre Erfahrungen, wie nicht nur die Kostenexplosion auf das nahezu Doppelte bei dem Leipziger City-Tunnel zeigt.“
 
In ihrer Stellungnahme fordert die Bürgerinitiative daher jetzt einen Stopp des aktuellen Raumordnungsverfahrens sowie die Prüfung und Realisierung von alternativen Lösungen. Der von der Bürgerinitiative vorgelegte ökologisch und wirtschaftlich vernünftige Alternativvorschlag beruht im Wesentlichen auf zwei Teillösungen, die in ihrem Zusammenwirken nicht nur die tatsächlichen Verkehrs­probleme der betroffenen Städte und Gemeinden von Leipzig bis Torgau lösen würden, sondern auch hinsichtlich Flächenversiegelung, Natur-, Umweltschutz und Lebensqualität sowie bezüglich der Bau- und Folgekosten um Größenordungen weniger Einschnitte und Belastungen mit sich bringen. Dabei fußen beide Teile des Alternativvorschlages vor allem auf dem Ausbau vorhandener Straßen unter Einbeziehung des Neubaus einiger notwendiger Ortsumgehungen.
 
Zum einen wird von der Bürgerinitiative der Ausbau der bestehenden Bundesstraße B87 zwischen Wöllmen und Leipzig unter Einbeziehung des bereits zu großen Teilen dafür freigehaltenen Trassenkorridors entlang der Bahnlinie Leipzig-Eilenburg in Taucha sowie der bereits im Bau befindlichen Ortsumfahrung Wöllmen vorgeschlagen. Zum anderen wird der Ausbau der bestehenden S4, beginnend westlich von Eilenburg mit Ortsumfahrungen der Gemeinden Kospa, Krostitz und Hohenossig sowie die vierspurige Einbindung an die B2 bei Leipzig empfohlen.
 
Mit dem Ablauf der öffentlichen Frist zur Stellungnahme zum laufenden Raumordnungsverfahren haben neben den betroffenen Städten und Gemeinden als so genannte Trägern öffentlicher Belange, verschiedenen Umweltverbänden und den zwei kooperierenden Bürgerinitiativen aus Taucha und Borsdorf auch zahlreiche betroffene Bürger ihre ablehnende Haltung gegen das Bauvorhaben in der jetzigen Form zum Ausdruck gebracht. Neben hunderten, bereits per Post an die Landesdirektion Leipzig gesendeten Stellungnahmen und Einwendungen hat die Bürgerinitiative gleichzeitig mit ihrer Stellungnahme nochmals mehr als 600 persönliche Einwendungen von Bürgern aus Taucha und Umgebung übergeben.