Amiga-Platte & Seifendose – Alltagsgegenstände der DDR im Fokus

Dresden - Ein Zimmer in einem Plattenbau im Stadtteil Gorbitz, gefüllt mit orangenen Alltagsgegenständen der DDR. Was zunächst klingt wie ein unkonventioneller Trödelmarkt ist eine Installation des Künstlers Martin Maleschka.

Der Cottbuser Künstler ordnet Alltagsgegenstände aus der DDR-Zeit als Installation an und ermöglicht so neue Sichtweisen. Die Ausstellungsstücke wecken gerade bei Gorbitzern vertraute Erinne-rungen, denn viele leben bereits seit Jahrzehnten in diesem Stadtteil. Ob eine Seifendose oder eine Thermoskanne, ein Korb für Wäscheklammern oder der unverwüstliche Mixer RG 28 – alle Gegenstände wurden in der DDR designt und gehörten zum Alltag vieler Menschen.

Allen Ausstellungsstücken gemeinsam ist die Farbe Orange in den unterschiedlichsten Nuancen. „Orange war die dominierende Farbe der 70er Jahre“, erklärt Martin Maleschka. „Auch die ersten Plattenbauten vom Typ WBS 70 entstanden in dieser Zeit. Mit der Farbe Orange möchte ich die Verbindung zu dem ungewöhnlichen Ausstellungsraum in einer Plattenbauwohnung betonen.“

Künstler Martin Maleschka

In seiner Installation ordnet der Künstler die Gegenstände unabhängig von ihrer Funktion an und gestaltet ein geometrisches Muster, das einen spannenden Draufblick bietet. „Durch die unter-schiedlichen Formen, Höhen und Maße ergibt sich eine Silhouette, die – stellt man sich den Blick aus einem Flugzeug vor – an eine Stadt aus der Vogelperspektive erinnert.“

Die Ausstellungsstücke sind Leihgaben aus den Depots des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt.

Für die Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft, ihre Mitglieder und interessierte Besucher ist die Ausstellung eine Bereicherung. „Wir freuen uns sehr, dass wir der Ausstellung mit einem unserer letzten „ostalgischen“ Wohngebäude den passenden Rahmen bieten können“, erklärt Vorstand Antje Neelmeijer. „Die 80er Jahre mit den typischen Plattenbauten haben den Stadtteil und auch unsere Genossenschaft entscheidend geprägt, 50 Prozent aller Gorbitzer leben in Genossenschaftswohnungen. Zahlreiche Ausstellungsstücke stammen aus der Zeit, in der viele Mieter hergezogen sind. Nicht zuletzt begrüßen wir die Idee einer Ausstellung in unmittelbarer Nachbarschaft unserer Mitglieder und wollen die Dresdner Kunst- und Kulturszene dabei sehr gern unterstützen.“

Die Installation „Wohnmaschine 2.0“ ist Teil der Ausstellung „WBS70 – fünfzig Jahre danach. Kunst.off Plattenbau“ der Galerie Kunsthaus Raskolnikow und befindet sich auf der Hainbuchenstraße 10. Sie kann im Rahmen kurzer, geführter Rundgänge mit Kurator Tomasz Lewandovski besichtigt werden. Die aktuellen Öffnungszeiten finden Interessenten auf http://kunstoffplattenbau.de/. Die Ausstellung sollte ursprünglich bis Mitte Dezember laufen.

Aktuell ist bereits eine Verlängerung bis 2021 in Planung. Der Eintritt ist frei.