Anbindung von Chemnitz an Schienenfernverkehr

Ein Blick in den Fahrplan im Chemnitzer Hauptbahnhof verrät: Unsere Stadt ist vom Schienenfernverkehr abgehängt!

Für eine Fahrt mit der Deutschen Bahn nach Berlin, München oder Hamburg müssen die Reisenden viel Zeit mitbringen, denn spätestens in Leipzig oder Nürnberg ist Umsteigen angesagt. Doch das soll sich nun ändern.

Kommunalpolitiker und Unternehmer wollen sich stärker für die Anbindung der Region Chemnitz an den Fernverkehr auf der Schiene einsetzen.

Tristesse am Chemnitzer Hauptbahnhof: Regionalbahnen und -expresse fahren nach Zwickau, Leipzig und Dresden. Ein Interregio-Express rollt nach Nürnberg.

Der Schienenfernverkehr macht um Chemnitz einen weiten Bogen. Für die Reisenden heißt das: lange Fahrzeiten in veralteten, unbequemen Zügen, umständliches und zeitraubendes Umsteigen – das Auto erscheint vielen daher für weite Reisen um einiges attraktiver als das Angebot auf den Schienen.

Doch auch die Wirtschaft hadert mit der derzeitigen Situation. Das Angebot der Deutschen Bahn verpasst der Region ein Negativimage und auch beim Güterverkehr wurden die Städte in Südwestsachsen weitestgehend abgekoppelt.

Abhilfe soll eine verstärkte Lobby-Arbeit für die Region Chemnitz schaffen. Dafür trafen sich gestern bei einem Treffen des Bundesverbandes der mittelständigen Wirtschaft (BVMW) Unternehmer, Verkehrsexperten und Politiker, um über das Thema „Fernverkehr in Chemnitz“ zu diskutieren.

Alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion stellten fest: in der Vergangenheit wurden schwere Versäumnisse gemacht mit dem Ergebnis, dass Chemnitz in den Planungen des Bundes und der Deutschen Bahn kaum noch eine Rolle spielt.

Interview: Hasso Frank – Chemnitzer Städtenetzbeauftragter

Eine durchgängige Elektrifizierung der Strecken ist nach Ansicht der Anwesenden der notwendigste Schritt zu einer Anbindung an den Fernverkehr. Dabei wäre der Einsatz von ICEs gar nicht erforderlich: Dies wäre nicht nur zu teuer, die kurvige südwestsächsische Landschaft wäre für den Hochgeschwindigkeitszug auch ungeeignet.

Interview: Dr. Christoph Scheurer – Verbandsvorsitzender VMS

Vom Reden allein wird sich nichts ändern, dass ist allen Podiumsteilnehmern klar.
Investitionen ins Schienennetz erfolgen meist ohne Transparenz und sind oft politischer „Kuhhandel“.

Die Deutsche Bahn wiederum weist Vorwürfe gern mit Verweis auf den Bundesverkehrswegeplan zurück. Dieser wird nach der kommenden Bundestagswahl erneuert. Hier könnten Hebel angesetzt werden, um in Zukunft die Interessen der Region besser durchzusetzen.

Interview: Stephan Kühn (B90/Grüne) – Mitglied des Bundestages

In Zukunft wollen sich Wirtschaft und Politik stärker vernetzen, um den Fernverkehr nach Chemnitz zurückzubringen. Damit der Zug für unsere Stadt nicht endgültig abgefahren ist.