Annaberger Straße 110 – Chemnitz‘ schönste Ruine

Im Gebäude befand sich über Jahrzehnte die in ganz Chemnitz bekannte Gastronomie „Forsthaus“.

Selbst den über 30-jährigen ist das Gebäude Annaberger Straße 110 nur als Ruine bekannt. Das Haus fällt auf, es ist ob seiner reichen, im „Heimatstil“ ausgeführten Architektur selbst im verfallen Zustand noch schön anzuschauen. Nicht überraschend ist deshalb das Interesse der Chemnitzer an diesem Haus. Es wird oft gefragt warum es sich heute in diesem Zustand befindet. An diesem Interesse trägt auch die Tatsache bei, das sich im Gebäude über Jahrzehnte, die in ganz Chemnitz bekannte Gastronomie „Forsthaus“ befand. Viele Chemnitzer verbinden Erinnerungen mit dieser Gaststädte.

Ich war mit einem Bauträger vor Ort und konnte diesen für das Objekt interessieren. Allerdings erbrachten meine nachfolgenden Recherchen, dass ein Verkauf des Gebäudes unter den derzeitigen Vorraussetzungen nicht möglich ist. Das Gebäude ist in zwei Hälften, mit je einem Eigentümer aufgeteilt. Die linke Haushälfte befindet sich nach meinen Informationen in Privateigentum, ein Verkauf ist nicht vorgesehen, das Gebäude wäre gut gesichert.
Die rechte Haushälfte gehört in Folge eines ausgeschlagenen Erbes dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement. Dort war man so freundlich, mir die aktuellen Eigentumsverhältnisse zu erklären. Die Haushälfte steht für einen Euro zum Verkauf. Ein Verkauf ist aber schwer möglich, weil es für das Gebäude 11 Grundschuldgläubiger mit ca. 15 Lasten gibt. Die Lasten stammen nach Auskunft der SIB teilweise noch aus der Zeit vor 1945. Eine Klärung wird ausgeschlossen. Zum Gebäudezustand wird angegeben, dass im Inneren, die Decken teilweise eingebrochen sind.

Seit Herbst letzten Jahres gebe es einen Kaufinteressenten, der die Gebäudehälfte trotz der Lasten erwerben möchte. Wegen dieser Tatsache wird der Verkauf genau geprüft.
Nach dieser Datenlage ist nach meiner Einschätzung wahrscheinlich, das die rechte Haushälfte in absehbarer Zeit, wegen des Bauzustandes und des Standortes des Gebäudes direkt an der Straße abgerissen werden muss. Der Verkauf des Gebäudes wäre nur möglich, wenn die Lasten doch aufgelöst würden, wenn möglich z.B. über eine Zwangsversteigerung des Gebäudes durch einen der Gläubiger, der SIB die Zeit investiert um die Gläubiger zu recherchieren und mit diesen verhandelt oder ein Investor kauft das Gebäude mit den Lasten und kalkuliert diese in ein Sanierungsvorhaben ein.

Die Kosten für einen Abriss belaufen sich auf ca. 70.000 Euro. Es würde sich also auch für den Eigentümer aus wirtschaftlicher Sicht lohnen, den Verkauf des Gebäudes anzustrengen. An mehreren Gebäuden im Umfeld des Hauses sind Sanierungsarbeiten geplant. Es könnte dort ein kleines Stadtteilzentrum aus historisch interessanten Gebäuden entstehen. Eine Chance die oft geforderte Aufwertung der Einfahrtstraßen zur Chemnitzer Innenstadt an dieser Stelle einmal zu einem Ergebnis zu bringen.