Anti-ACTA-Demo in Chemnitz

Das Internet hat seine Licht- und Schattenseiten.

Ohne seine Möglichkeiten der Vernetzung ist unter anderem der politische Aufbruch in der arabischen Welt kaum vorstellbar.

Andererseits klagt z.B. die Unterhaltungsindustrie über Milliardenverluste durch illegale Downloads von Musik oder Filmen. Das internationale Handelsabkommen ACTA soll nun Raubkopien und Patentdiebstahl im Internet und im „realen“ Leben noch leichter verfolgbar machen.

Doch dagegen haben am Wochenende europaweit überwiegend junge Menschen demonstriert – Auch in Chemnitz.

Das Internet ist für die Unterhaltungsindustrie wie für viele andere Unternehmen vor allem eins: Eine Plattform für das Anpreisen ihrer Produkte, sowie deren Verkauf in digitaler Form.

Doch warum kaufen, wenn es das gleiche Musikalbum nur wenige Mausklicks entfernt kostenlos gibt. Das Downloaden dieser Dateien ist zwar illegal, wird aber dennoch von vielen Menschen genutzt.

Die Industrie wehrt sich, lässt Plattformen, die ihre Inhalte bereitstellen wie „Megaupload“, lahm legen. Das Handelabkommen ACTA soll nun Produktpiraterie, und das schließt den Diebstahl geistigen Eigentums mit ein, noch stärker verfolgen.

Dagegen haben am Samstag auch in Chemnitz rund 300 überwiegend junge Menschen demonstriert. Die Teilnehmer der europaweiten Anti-ACTA-Kundgebungen fürchten vor allem eine Überwachung und Zensur des Internets.

Interview: Toni Rotter – (Piratenpartei) Kreisverband Chemnitz

Zur Demo aufgerufen hatte die Chemnitzer Piratenpartei, Bündnis90/Die Grünen schlossen sich an. Die mittlerweile bekannte Maske der Anonymus-Bewegung, die aus Protest auch gerne die Internetseiten von Regierungen lahm legt, war allgegenwärtig.

Somit ähnelte die Kundgebung mehr einer politischen Party als einer konventionellen Demonstration. Doch ihr Anliegen ist den Teilnehmern ernst. Die Konsequenzen von ACTA würden letztendlich alle Menschen betreffen.

Interview: Toni Rotter – (Piratenpartei) Kreisverband Chemnitz

Die Bundesregierung hatte kurz vor dem Aktionstag ihre Unterschrift für das ACTA-Abkommen auf Eis gelegt. Sie wolle das Vertragswerk erst noch einmal prüfen. Die Kritiker sehen darin vor allem ein taktisches Manöver der Politik.

Toni Rotter – (Piratenpartei) Kreisverband Chemnitz

Ob die Proteste das ACTA-Abkommen noch verhindern oder entschärfen können bleibt abzuwarten. Inwiefern das Bereitstellen und Nutzen bestimmter Daten im Internet legal oder illegal ist, darüber wird auch in Zukunft heftig gestritten.

Letztendlich steht jeder Internetnutzer vor der eigenen Gewissensentscheidung, ob er für bestimmte Inhalte Geld bezahlt oder sie sich zum Nulltarif aneignet.