Antidiskriminierungsbüro Sachsen droht Schließung wegen kommunaler Haushaltpläne

Dem Antidiskriminierungsbüro Sachsen (ADB), der einzigen merkmalsübergreifenden und unabhängigen Anlaufstelle für Antidiskriminierungsfragen in Ostdeutschland, droht die Schließung. Grund sind Pläne der Stadt Leipzig ,die Förderung im Jahr 2011 um 60% zu kürzen.

Dazu Heike Fritzsche, Geschäftsführerin des ADB: „Die Situation ist ernst und in der Perspektive existenzbedrohlich. Im Januar mussten wir bereits unsere Beratungsarbeit vorübergehend einstellen, um unsere Ressourcen zu bündeln. Unser Ziel ist ein starkes ADB in Leipzig und Sachsen. Aktuell ist das keine Frage der Inhalte sondern der Finanzierung. Wir brauchen eine solide, mittelfristig stabile Finanzierungsgrundlage. Das werden wir in den kommenden Wochen laut und deutlich sagen. Finden wir Gehör, profitieren alle. Scheitern wir, droht das Aus für das Büro noch in diesem Jahr.“

Mit der Kombination aus Beratung, Schulung und Information gilt das Antidiskriminierungsbüro Sachsen in Leipzig bundesweit als Vorzeigeprojekt in Sachen Diskriminierungsschutz. Die Arbeit ist lokal verankert, merkmalsübergreifend und wendet sich direkt an Betroffene. Sie ist integrativer Bestandteil zentraler Strategien und Selbstverpflichtungen der Stadt Leipzig. 2010 wurde das ADB deshalb mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie geehrt.

Daniel Bartel, Antidiskriminierungsberater: „Mit einer Kürzung geht die Stadt Leipzig einen Schritt in die falsche Richtung: Leipzig will ein Ort der Vielfalt sein. Neben einem Bekenntnis heißt das, Teilhabe und Chancengleichheit für alle konkret umzusetzen. Dafür reichen schöne Worte nicht aus. Es braucht Organisationen wie das ADB und die kosten Geld.“ Er ergänzt: „Geld, das gut investiert ist.“

Umstritten ist, wer für die Finanzierung in der Verantwortung steht. Bund, Land und Kommune verweisen aufeinander.