Arm oder reich: Wie steht’s um das Vermögen der Sachsen?

Immer neue Hiobsbotschaften: Sachsen Viertletzter beim Lohnniveau im Jahr 2018, Tendenz sinkend, Deutschland zweitletzter im europäischen Vermögensvergleich. War das vor ein paar Jahren nicht mal anders? Viele Fragen, jede Menge Statistiken, unterschiedliche Antworten. Aber wer hat denn nun wo am meisten Geld auf dem Konto? 

2016 kam die gute Nachricht: Die Vermögen in Sachsen hatten sich innerhalb von 10 Jahren geradezu verdoppelt. Zwei Jahre später sieht es laut Global Wealth Report sogar noch besser aus: Das Vermögen der Deutschen insgesamt ist gegenüber 2016 nochmal um 19 Prozent gestiegen. So weit, so gut. Schaut man sich die Statistik mal genauer an, stellt man fest, dass hier das Brutto-Geldvermögen herangezogen wurde, umgerechnet auf die Zahl der Einwohner, ohne Schulden dabei zu berücksichtigen. Im Vergleich zu anderen Ländern schneidet Deutschland da gar nicht so gut ab. Die Schweiz steht ganz oben auf der Liste, aber hier wurde nicht nur das Vermögen der Schweizer, sondern auch derjenigen mit eingerechnet, die ihr Geld in der Schweiz lediglich angelegt haben. Deutschland landet daher eher im Mittelfeld, was das rein rechnerische Pro-Kopf-Vermögen angeht, und das hinter Ländern wie Dänemark, Schweden oder Italien. Selbst, wenn man die Schulden abzieht, ändert sich daran nicht viel.

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Also sind die Deutschen weder die eisernen Sparer noch die großen Schuldenmacher? Sicherlich hat sich das Verhältnis zum Sparen gerade in den letzten 10 Jahren nach der letzten großen Finanzkrise 2008 geändert. Sowohl die Sparmaßnahmen- als auch die Ziele sind stark im Wandel. Und bei den derzeit niedrigen Zinsen lohnt es sich eher, Schulden zu machen, jedoch gehören die Deutschen auch ganz klar zu den Häuslebauern, die Darlehen für das Eigenheim aufnehmen, um davon auch finanziell zu profitieren. Dieses Sachvermögen in Form von Immobilien lässt sich allerdings statistisch nicht erfassen, was wiederum zu einer Verzerrung führt.

Festgeld, Immobilien oder Aktienfonds?

Bei den Geldanlagen der Deutschen hat sich in den letzten Jahren einiges geändert. Während nach dem letzten großen Börsencrash die Anleger für Aktien und Investmentfonds weitgehend ausblieben, scheint sich das Blatt jetzt zu wenden. Das Vertrauen in Wertpapiere dieser Art steigt zunehmend, der Zuwachs liegt mittlerweile sogar höher als vor der Krise. Weltweit stiegen die Ersparnisse in Bezug auf Wertpapiere auf mehr als 40 % an. Und obwohl die Kapitalerträge bei Versicherungen und Pensionen eher zurückgehen, stieg auch hier der Kapitalanteil der weltweiten Bevölkerung und liegt immerhin bei knapp einem Drittel.
Positive Zahlen auch aus Deutschland: Im letzten Quartal 2018 haben die deutschen Anleger die 6 Billionen Euro-Marke erreicht. So viel Geld liegt bei den Deutschen auf der hohen Kante, und auch hier sind konservative Sparformen nach wie vor gefragt: Tages- oder Festgeld sind trotz teilweiser Minuszinsen beliebt, weil man bei Bedarf flexibel agieren kann. Lebensversicherungen stehen ebenfalls weiter hoch im Kurs, nur Aktien und Investmentfonds sind für die Deutschen im Vergleich zu anderen Sparformen scheinbar ein rotes Tuch, wobei hier ja dennoch in letzter Zeit ein leichter Zuwachs zu verzeichnen ist. Eine repräsentative Umfrage des Deutschen Aktieninstituts (DAI) und der Börse Stuttgart bringt es an den Tag: Fast zwei Drittel, nämlich 65% der Deutschen meiden Aktien wegen des zu hohen Risikos. Was das Thema Immobilen angeht, zählt das eigene Haus zu den häufigsten Gründen für die Aufnahme von Krediten. Insofern liegen die Vermögenswerte der Deutschen auch vorwiegend im Besitz von Immobilien.

Deutschland – ein Land der Millionäre?

Obwohl Deutschland im internationalen Vermögensvergleich weniger gut mithalten kann, sieht es bei der Zahl der Millionäre etwas anders aus. Mit Abstand auf der Spitzenposition sind die USA mit über 17.000 Millionären im Jahr 2018 laut Global Wealth Report des Credit Suisse Research Institute. Mit großem Abstand folgt China mit immerhin noch knapp 3500 Millionären, Japan mit gut 2800 und Großbritannien mit mehr als 2400 der Reichsten der Reichen. Deutschland ist demnach auf Platz 5 auf der Millionärsskala und zählt knapp 2200 zu der Gattung der Superreichen und liegt damit noch vor Frankreich. Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland hier noch ganz gut ab und liegt deutlich vor Ländern wie Spanien, Schweden und den Niederlanden.

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Bedeutet das aber im Umkehrschluss, dass die Schwere zwischen Arm und Reich in Deutschland besonders weit auseinander geht?
Grob gesagt gehört man mit einem Nettovermögen von ca. 50.000 bis 60.000 Euro zum Durchschnitt. Wer eine halbe Million an Vermögen besitzt, kann sich zu den „oberen Zehntausend“ zählen, die etwa 10% der deutschen Bevölkerung ausmachen.

Wer verdient wo am meisten?

Das Geld muss natürlich auch irgendwo herkommen. Das durchschnittliche Nettojahreseinkommen der Deutschen beträgt etwa 25.000 Euro.  Aber nicht in allen Bundesländern verdienen die Menschen gleich gut. Laut Gehaltsatlas 2018 von Gehalt.de verdienen die Hessen am meisten, gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern. Die neuen Bundesländer sind weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen zu finden, Sachsen ist Viertletzter. Bei den Landeshauptstätten kommt Dresden auch nicht viel besser weg und steht auf Platz 12 von insgesamt 16. Selbst die Bundeshauptstadt Berlin liegt nur einen Platz davor. Klar ist, dass die Gehälter im Osten nach wie vor geringer sind als im Westen, und zwar bis zu 24 Prozent im Durchschnitt. Hintergrund für die geringeren Löhne und Gehälter ist vor allem, dass die neuen Bundesländer vor allem von weniger kapitalkräftigen kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägt sind. 
Das höchste Gehalt können in Sachsen Beschäftigte in der Halbleiterindustrie, gefolgt vom Bankenwesen und der Pharmaindustrie verdienen.  Zu den Schlusslichtern gehören Berufe in der Gastronomie und Hotellerie, aber auch als Mitarbeiter im Call-Center gehört man zu den Niedrigverdienern. Bundesweit sind die Einkommen von Ärzten auf Platz 1, gefolgt von den Gehältern bei Banken und als Fondsmanager. 

Arm oder reich – ist das Vermögen gerecht verteilt?

Nicht von der Hand zu weisen ist, dass wir immer mehr verdienen. Im Gegensatz zu unseren Eltern und Urgroßeltern hat sich unser Einkommen heutzutage mehr als verdoppelt. Der Anteil der einkommensschwachen Bevölkerung lag in Deutschland im Jahr 2013 bei 3,3 Prozent. Bulgarien führt die Liste der als arm zu bezeichnenden Menschen mit 17 Prozent an, gefolgt von Griechenland und Rumänien. In Luxemburg und in den Niederlanden gibt es mit einem bzw. 0,7 Prozent die wenigsten ärmeren Menschen im Land. Das bedeutet, dass die Einkommen in Deutschland immer noch recht gleichmäßig verteilt sind. In anderen Ländern wie Spanien und Griechenland hat die Armut als Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise vor mehr als 10 Jahren deutlich zugenommen. In Deutschland geht es demnach gerecht zu. Der Staat hat immer wieder durch Regulierungen wie Entlastungen für Familien und Änderungen der Einkommensteuersätze das Einkommensniveau der Deutschen angeglichen. Wirtschaftsexperten warnen allerdings davor, einkommensstarke Bürger allzu stark zu belasten, da die Volkswirtschaft ansonsten weniger wachsen kann, was sich dann auch auf die weniger gutverdienende Bevölkerung auswirkt. Die momentan gute Wirtschaftslage lässt zudem eine positive Einkommensentwicklung in allen sozialen Schichten zu. Arbeitskräfte werden in nahezu allen Branchen gesucht, die Löhne und Gehälter sind in allen Bereichen relativ gleichmäßig gestiegen. Beim Vermögen an sich trennt sich allerdings die Spreu vom Weizen. Immobilien und Aktien beispielsweise sind weitestgehend im Besitz der Reichen, wobei man hier zwischen Besserverdienenden und Vermögenden unterscheiden muss. Denn selbst Bevölkerungsschichten, die zu den Ärmeren zählen, besitzen oft Ersparnisse, mit denen sie sich fürs Alter ein gutes Polster geschaffen haben. Und wie viele von den Superreichen haben noch nicht einmal für Ihre Rente vorgesorgt und nach einem Leben „in Saus und Braus“ im Alter gar nichts mehr?

Um nochmal zum Ausgangspunkt zurückzukommen: Viele Fragen, viele Antworten, viele Statistiken, viele Zahlen. Aber vielleicht am Ende dann doch die Erkenntnis, dass Zahlen geduldig und Geld nicht alles ist. Vor allem ist der Wert des Geldes für jeden Einzelnen so individuell, dass Arme nicht immer arm und Reiche nicht immer reich sind.