Art Deco – die goldenen Zwanziger in den heimischen vier Wänden

Es gibt einige Einrichtungsstile, die als Klassiker gelten und immer wieder in den Wohnräumen Einzug halten.

Manche davon haben historisch gesehen eine lange Tradition und sind Spiegelbild der damaligen gesellschaftlichen Entwicklung, die bis heute ihre Einflüsse zeigt. Vor allem Art Deco hat sich diesbezüglich einen Namen gemacht und ist für die Wohnraumgestaltung beliebt – damals wie heute.

Es war kurz nach dem Ersten Weltkrieg, als die Menschen vermehrt nach Luxus strebten, dass sich die Veränderungen der Zeit nicht mehr aufhalten ließen, wollten vor allem die Reichen nicht akzeptieren. 

„Art déco war der Stil einer internationalen Elite, die die großen sozialen Umbrüche jener Zeit negierte“, sagt Prof. Sabine Schulze, Direktorin des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe auf homestory.

Diese Gesellschaft umgab sich hauptsächlich mit Gegenständen, die durch ihre geradlinige Form überzeugten. Ausgerichtet waren diese am Klassizismus und auch an der Antike.

Ist von Art Deco die Rede, denken die meisten an sehr strenge Formen bei den Möbeln, doch eigentlich geht es um mehr. Olaf Thormann, stellvertretender Direktor des Grassi Museums für Angewandte Kunst in Leipzig definiert drei Dinge, die den Einrichtungsstil ausmachen. Dazu gehören:

– Elegante abstrahierte Formen

– Fantasievolles Dekor

– Ausgefallene Farben

Derzeit gibt es im Grassi Museum sogar eine Ausstellung eigens zum Thema Art Deco, bei der knapp 450 Objekte in den Fokus gestellt werden und den eleganten Stil von allen Seiten genauer beleuchten. Smow.de hat sich bereits im Detail mit der Ausstellung beschäftigt und gibt einen ersten spannenden Einblick.

Allseits bekannt: die Espressokanne mit ihrem markanten Design. Grundsätzlich hat sich die Stilrichtung Art Deco nicht nur in der Szene der Möbelgestaltung durchgesetzt. Auch in anderen Bereichen ist sie präsent, darunter etwa:

– Fahrzeuge

– Bildhauerei

– Dinge des täglichen Bedarfs

– Architektur

Das Symbol für Art Deco heutzutage ist ein Objekt, das vor allem in italienischen Haushalten gang und gäbe ist: Die Rede ist von der Espressokanne von Bialetti.

Einer der großen Namen, der untrennbar mit dem Art Deco verbunden ist, ist Jaques-Émile Ruhlmann, der dadurch auffiel, dass er nur sehr seltene Materialien wie

– Palisander

– Amboyna

– Amaranth

– Elfenbein

– Ebenholz

verwendete.

Auch der Name des Juweliers René Lalique ist untrennbar mit der Stilrichtung Art Deco verbunden. Er lebte zwischen 1860 und 1945 und schuf aus Glas herrliche Figuren und Gefäße, aber auch Tische und Wandvertäfelungen. Seine Lampen sind bis heute legendäre und wichtigste Bestandteil, wenn jemand seine Wohnung oder sein Haus im Stile des Art Deco einrichten möchte. Berühmt sind auch seine Parfumflacons „L’Oiseau de Feu“, also Feuervogel.

Absoluter Inbegriff des Art Deco Architekturbegriffs sind die pastellfarbenen Häuser, die in South Beach in Miami stehen, aber auch

– Das Chrysler Building in New York

– Das Empire State Building in New York

– Das Renaissance Theater in Berlin-Charlottenburg.

Klar ist allerdings auch, dass es die fast hundertjährigen Originalmöbel heute kaum mehr gibt. Doch es gibt noch ausreichend Optionen, etwas Art Deco Flair durch die Einrichtung und Gestaltung in seine Wohnräume zu zaubern.

Wichtig bei der Gestaltung ist es, auf klare geometrische Formen und scharfe Brüche zu achten. Typische Ornamente sind

– Bögen

– Stufen

– Winkeln

– Gezackte Linien

Die Ästhetik dieses Einrichtungsstils basiert im Wesentlichen darauf, ungewöhnliche Kombinationen aus unterschiedlichen Texturen, Farben und Materialien zu wählen. Dabei stehen elegante Linien und meist ein geometrisches Dekor im Mittelpunkt.

Kreise und Rechtecke, aber auch andere geometrische Formen zieren Teppiche und Polster, während hochwertige Strukturtapeten, die goldene Ornamente beinhalten, Luxus in jeden Wohnraum zaubern. Art Deco hat auch ein Faible für Edelstahl, was sich hervorragend mit dem derzeit ebenfalls angesagten Industrie-Chic kombinieren lässt.

Wer den Stil der Goldenen Zwanziger in sein Zuhause zaubern möchte, der kann dies auf unterschiedliche Art und Weise tun. Sowohl Möbel als auch Dekorationsartikel und Bilder können aus dieser Stilrichtung perfekt miteinander kombiniert werden. Wichtig ist allerdings, dass dabei die Materialien, die auch damals zum Einsatz kamen, erneut verwendet werden. Dazu gehören

– Marmor

– Samt

– Kupfer

– Chrom

– Edelstahl

– Elfenbein

– Silber

– Gold

Die Bandbreite der Materialien kann aber auch durch kostbare Hölzer erweitert werden. Damals wurden dunkle Hölzer bevorzugt genutzt. Diese wurden entsprechend glänzend gemacht oder aufpoliert, damit die vorhandene starke Maserung noch besser zur Geltung kommt. Viele dieser Holzarten finden auch noch heute Verwendung in der Möbelproduktion, vor allem

– Ebenholz

– Palisanderholz

– Nussbaum

– Eiche

– Mahagoni

– Birke

Auch alle, die es eher exotisch mögen, müssen auf die Einrichtung im Art Deco Stil nicht verzichten. Sie können den Luxusstil der Zwanziger Jahre mithilfe folgender besonderer Stoffe in ihr Zuhause bringen:

– Haifischhaut

– Schlangenhaut

– Pergamentbemaltes Leder

Wichtig sind auch noch die Farben, die sich weitestgehend auf Beige und Pastell beschränken. Natürlich spielt Gold eine entscheidende Rolle, da es ja bekanntlich als Synonym für Glamour steht. In Kombination mit Smaragdgrün oder einem tiefen, satten Blau findet es sich als Wandgestaltung oder in Vorhängen  und Tapetenmustern wieder. Eine andere Variante für einen gelungenen Farbmix besteht aus Schwarz und Cremeweiß, das für die gewünschten Kontraste sorgt.

Wer Möbel aus dem Art Deco Stil haben möchte, der hat dazu zwei Möglichkeiten. Entweder er kann alte Möbel entsprechend restaurieren lassen, er kann sich aber auch nach Neuanfertigungen auf Basis des damaligen Designs umsehen. Echte Fans und Liebhaber der Zwanziger Jahre bevorzugen natürlich die erste Variante, wobei die Originalstücke meist nicht mehr so schön und häufig abgenutzt zu finden sind. Das widerspricht aber dem Anspruch, dass Tische, Stühle und Schränke oder Kommoden so richtig schön glänzen sollen. Hier ist also der Gang zum Spezialisten gefragt, der mit viel Liebe zum Detail und mit dem Griff zu den Originalhölzern die Faszination Art Deco wieder herstellen kann.

Die richtigen Wohnaccessoires im Art Deco Stil perfektionieren den Look

Die Möbel aus dieser Zeit sind das Eine, die die perfekte Einrichtung ausmachen. Doch ohne die passenden Lampen mit smaragdgrünem Lampenschirm oder vielen Zierkissen, die mit schimmernden Pailletten auf einer stromlinienförmigen Couch liegen, ist alles nur halb so originell.

Wohnaccessoires machen den Look erst komplett, dazu gehört natürlich auch der Kronleuchter mit prunkvollem Goldbesatz oder Pastellzeichnungen in einem Bilderrahmen aus Klavierlack. Der Teppich sollte am besten aus Seide sein, der Marmorbriefbeschwerer auf dem Schreibtisch ist aus Elfenbein ebenso wie die Tischuhr, die nicht nur die Stunde schlägt, sondern auch ein echter optischer Hingucker ist. Auch Kerzenständer und ein edles Teeservice aus hochwertigem Silber sowie eine elegante Tischdecke aus Samt komplettieren den Art Deco Stil ebenso wie ein silbernes Tablett, das einfach als Obstschale Verwendung findet.  Einige Einrichtungsideen für ein komplettes Zuhause im Stil der 20er Jahre gibt es unter houzz.de.

 
Bildquellen:

Bild 1: 76156889 – coffee beans on wooden table © Jiri Hera

Bild 2: 77889987 – New York. Manhattan view. Top of the Rock sunset. © Albachiaraa

Bild 3: 63565883 – antique green bankers lamp © Chris Brignell