Aue: Schwebender Archivar birgt geheimnisvolle Kugel

AUE: 1911 begannen Freimaurer in Aue mit dem Bau eines Logenhauses an der Schneeberger Straße.

1912 erfolgte die Lichteinbringung, also die feierliche Einweihung der neugegründeten Loge „Zu den drei Rosen“.

Einhundert Jahre später haben sich die Stadt Aue als Eigentümer und der Buchholzer Archivar Berndt-Thomas Möckel, der unter anderem dafür zuständig war, dass die Annaberger ihre verschollen geglaubte Gründungsurkunde wiederbekamen, aufgemacht um die Turmkugel auf dem Dach des ehemaligen Logengebäudes, in dem sich später unter anderem die Stadtsparkasse befand, zu bergen.

Die Spannung war groß, denn man vermutete zeitgeschichtliche Dokumente in der Kugel. Mit Hilfe der Feuerwehr schwebte der Archivar zur Turmkugel auf dem Dach. Doch unten angekommen, musste er enttäuscht feststellen, dass die Kugel aus Ton leer ist.
 
Bernd-Thomas Möckel: „100 Jahre nach der Lichteinbringung hier in Aue haben wir gehofft, dass wir in der Turmkugel verschiedene Dokumente finden, unter anderem eine Urkunde über den Bau des Hauses. Auch hatten wir uns verschiedene Münzen der Zeit, Stadtpläne von Aue und ein Mitgliederverzeichnis mit den Unterschriften der damaligen Logen-Mitglieder erhofft.“

Die Turmkugel kommt nun ins Auer Stadtmuseum, dort soll wahrscheinlich im Jahr 2013 eine Freimaurer-Ausstellung zu sehen sein. Berndt-Thomas Möckel will weiter Nachforschungen über die Auer Freimaurerloge anstellen. Im ehemaligen Versammlungssaal hat er beispielsweise schon die ursprüngliche blaue Wandfarbe der ehemaligen Johannisloge entdeckt. In Kürze sollen auch noch Deckenmalereien freigelegt werden.

Bernd-Thomas Möckel: „Wir haben heute Morgen mit dem Deutschen Freimaurer-Museum in Bayreuth telefoniert. Dort liegen fast vollständig die Mitgliederverzeichnisse von Aue. Wir werden mit Hilfe der Lokalpresse von früher die Geschichtsforschung weiter fortführen.“

Sicher stecken noch viele Geheimnisse in dem geschichtsträchtigen Gebäude. Alte Dokumente und Münzen wird man aber sicherlich erst im Grundstein wiederfinden, was einen Abriss des Logenhauses voraussetzt. Nachdem sich der Zustand des seit Jahren ungenutzten Hauses zunehmend verschlechtert hat, ist dieser Schritt nicht ausgeschlossen.