Auf „Clubkultour“ durch Dresdens Szene

Dresden - In fünf Stunden durch dreizehn Clubs - und das auch noch am helllichten Tag. Zu dieser "Klassenfahrt" der besonderen Art hatte der Klubnetz Dresden e.V. VertreterInnen aus Politik, Verwaltung, Kultur und Presse am weltweiten Open Club Day eingeladen. Dabei wurden nicht nur die Klubnetzmitglieder vorgestellt, sondern auch die Probleme deutlich, mit denen viele Betreiber zu kämpfen haben.

Dresdens Clubszene tritt aus dem Halbdunkel der verrauchten Kellertanzflächen und präsentiert sich mit einem neu gegründeten Interessenverband - dem Klubnetz Dresden e.V. Ihr Anliegen ist es nicht nur, gemeinsam gegenüber Politik und Bevölkerung aufzutreten. Sie wollen auch generell den Stellenwert, den die Club- und Subkulturszene in der Stadt hat, hervorheben und festigen. Clubs seien nicht nur bloße Vergnügungsstätten, sondern wichtige Kultur- und Begegnungsorte. Pünktlich zum weltweiten Open Club Day hatte der Verein zu einer Tour zu den 13 Gründungsmitgliedern eingeladen. Neben Vertretern aus Politik, Verwaltung und Kultur stiegen auch viele interessierte Bürgerinnen und Bürger in den Doppeldeckerbus, um Dresdens Sub- und Clubkulturszene in all ihrer musikalischen Vielfalt von Jazz, Techno, Punk und Disco besser kennenzulernen. 

Vor Ort berichteten dann die Betreiber, was ihre Lokalität ausmacht, wie sie ihr Programm gestalten und mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben. Dabei wurde deutlich, dass es vielerorts dieselben Dinge sind, die den Clubs zu schaffen machen: Lärmbeschwerden, Verdrängung, verwaltungsrechtliche Hürden, steigende Mieten und andere Kosten. Auch einige Lokalitäten, die schließen mussten wurden bei der Tour vorgestellt, beispielsweise Sabotage, TBA und Showboxx. Von der großen Zahl verschiedenster Institutionen, die sich seit den 90er Jahren in den zahlreichen leerstehenden Gebäuden der sächsischen Landeshauptstadt als gemeinschaftliche Projekte entwickeln konnten, sind heute nur noch eine handvoll übrig. Die Clubs müssen kapitulieren oder werden in städtische Randgebiete verdrängt, wo die Raumsituation noch nicht so angespannt und die Miete nicht so hoch ist.

Die Stadt wird sich des Schatzes, den sie mit der Szene hat, langsam bewusst. So werden beispielsweise das Kulturzentrum Scheune, der Beatpol oder der Jazzclub Tonne im Rahmen der Kulturförderung unterstützt. Einem weiteren Kernanliegen der Clubbetreiber, der Aufhebung der Sperrstunde, stimmte der Stadtrat im vergangenen Jahr zu. (Wir berichteten über die Initiative) Trotzdem bleiben viele Aufgaben, wie beispielsweise die Entschärfung von Konflikten bei Lärmbelästigung von Anwohnern oder die Verdrängung aus angestammten Räumlichkeiten durch steigende Mieten oder Investoreninteressen. Am Ende der Clubtour sind sich alle einig: Dresden hat kulturell bedeutend mehr zu bieten als die "Klassiker" wie Semperoper, Albertinum oder Philharmonie - und das sollte die Stadt auch zeigen und unterstützen.

Weitere Informationen zur Clubtour und zum Klubnetz Dresden e.V. und seinen Mitgliedern finden Sie auf www.klubnetzdresden.de

Der 1. Februar ist der weltweite Open Club Day, an dem über 100 Locations und Clubs aus 9 verschiedenen europäischen Ländern tagsüber ihre Türen zu öffnen und interessierte Besucher hinter die Kulissen einladen.