Aufruf zum Gedenktag „In Erinnerung an Marwa El-Sherbini“

Vor einem Jahr schockierte die Nachricht vom Attentat an der in Dresden lebenden Ägypterin Marwa El-Sherbini. Mit 18 Messerstichen wurde sie im Landgericht Dresden ermordet. Gedenkkundgebung am 1. Juli, 17 Uhr, Rathausplatz Dresden. +++

Eine Abhandlung/Sammlung mit TV-Beiträgen zum Fall Marwa El-Sherbini finden Sie hier.

Aktuelle Pressemitteilung des Ausländerrat Dresden e.V., 28.06.2010:

Der Mord geschah nicht nur vor den Augen ihres Kindes Mustafa und ihres Ehemannes Elwi Okaz, der beim Versuch seine Frau vor dem Messerangriff zu schützen durch den Täter und einen Schuss eines Polizeibeamten schwer verletzt wurde, sondern in aller Öffentlichkeit im Gerichtssaal des Dresdner Landgerichts. Marwa El-Sherbini, eine Sportlerin und studierte Pharmakologin, lebte hier in Deutschland mit ihrer jungen Familie. Sie studierte die deutsche Sprache und arbeitete als Apothekerin. Ihr Mann forschte am hiesigen Max-Planck-Institut. Sie wollte das Land und seine Menschen kennenlernen und verstehen. Sie schloss Freundschaften mit Nachbarn, den Müttern und Erzieherinnen des Kindergartens ihres Kindes und mit ihren Kollegen. Sie wehrte sich mit juristischen Mitteln gegen Fremdenhass und Intoleranz und baute auf den Schutz ihrer Rechte durch die Justiz.

Der Mord an Jorge Joao Gomondai im Jahre 1991 war der erste rassistische Mord in Dresden nach der Wiedervereinigung. Unbegreiflicherweise sind auch 19 Jahre später solche Taten immer noch möglich und stellen die Frage nach den Quellen und dem Umgang mit diesem tödlichen Hass und nach der Ernsthaftigkeit des staatlichen und gesellschaftlichen Engagements gegen Rassismus und Gewalt. 

Wir rufen dazu auf, den 1. Juli als Tag zu begehen, der für menschliche Solidarität und für die Einhaltung der uns alle verbindenden humanistischen Werte steht. Wir wollen eintreten für die Akzeptanz der Anderen und für das Recht aller Menschen, in Frieden und Freiheit zu leben und ihre Lebensweise frei zu wählen. 

Gedenkkundgebung 1. Juli, 17 Uhr, Rathausplatz („Goldene Pforte“)

Am Gedenktag wollen wir unsere Ablehnung aller Formen von Rassismus und Diskriminierung wie Verachtung, Hass und Gewalt gegen anders Glaubende, anders Denkende, anders Aussehende und anders Lebende bekräftigen. Diese, seit dem Mord an Jorge Gomondai im Jahre 1991, sichtbare Erscheinung in unserer Gesellschaft muss von Bürgern, Politikern und Regierenden mit aller Konsequenz bekämpft werden. Dazu braucht es die ständige Aufmerksamkeit für dieses Thema, dazu braucht es konkrete Taten und Maßnahmen in Medien, Schulen, in der Landes- und Kommunalpolitik. Bloße Versprechungen reichen nicht aus. Rassistische Auswüchse vergiften in verschiedener Form, wie der Islamophobie, das gesellschaftliche Klima und zerstören den sozialen Frieden.
 
Diese Untaten entstellen das Gesicht unserer Gesellschaft und strafen den weltoffenen Ruf Sachsens Lügen. Wir alle wünschen uns, dass die allseits proklamierte Weltoffenheit endlich zur Realität wird. Wir wehren uns gemeinsam gegen Ausgrenzung, Ignoranz und die Verbreitung von Angst. Wir sind überzeugt, dass eine demokratisch verfasste Gesellschaft in der Lage sein muss, diese verderblichen Auswüchse zu überwinden. Hier sind auch der Rechtsstaat und die Gesetzgebung in der Pflicht. Wir Menschen, die wir friedlich in unserer Stadt zusammen leben möchten, bilden das gemeinsame Band der Solidarität, um den Rassismus endgültig aus den Köpfen zu verbannen.

Der Vorbereitungskreis für das Gedenken an Marwa El-Sherbini beim Ausländerrat Dresden e.V.

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