Aufstieg und Fall einer Kindfrau an der Oper Leipzig

Leipzig - Am Samstag hebt sich der Vorhang zur letzten Opernpremiere dieser Spielzeit. Mit Alban Bergs "Lulu" steht ein Klassiker der Moderne am Festwochenende zu 325 Jahren Oper Leipzig im Mittelpunkt. Eine Geschichte über den Aufstieg und Fall einer betörenden Kindfrau.

Wer ist Lulu? Diese Frage kann wohl nur sie selbst beantworten. Die niederländische Regisseurin Lotte de Beer versucht, dem Phänomen der Kindfrau, die die Männer anzieht und ins Verderben stürzt, in ihrer Inszenierung auf den Grund zu gehen. Ein großes Opernspektakel mit unzähligen Rollen, das von Alban Berg einst unvollendet blieb und erst Jahrzehnte später fertig gestellt wurde. 
Alle Welt dreht sich um Lulu und dennoch vermag sie keiner wirklich zu fassen, am allerwenigsten ihre Männer. Im Zeitalter bürgerlicher Moral ist sie ein Exot, der die Menschen gleichermaßen fasziniert wie abstößt, der die Männer benutzt und von ihnen benutzt wird. Auch für Intendant und Generalmusikdirektor Ulf Schirmer, der die musikalische Leitung inne hat, ist "Lulu" ein besonderes Stück, dass er vor 35 Jahren das erste Mal dirigierte.

Ein zentrales künstlerisches Stilmittel in der Inszenierung sind Videoprojektionen. Sie ermöglichen einen Blick in Lulus Vergangenheit und machen Zeitsprünge oder Ortswechsel möglich. Indem gezeigt wird, wie Lulu zu dem wurde, was sie ist, gelingt dem Stück ein menschlicher Zugang zur Gefühlswelt der Kindfrau, der allein durch die Musik nicht immer funktioniert.
Auf den ersten Blick hat Lulu keine Empathie. Dennoch berührt ihre Geschichte, eben weil sie sich nicht verstellt und weil sie überlebt.Doch am Ende ist das Schicksal auch zu Lulu unerbittlich. Auf dem Tiefpunkt angekommen, fällt sie einem ausgerechnet einem anderen gefühlslosen Wesen zum Opfer, dem Massenmörder Jack the Ripper. 
"Lulu" feiert Premiere am 16. Juni um 19 Uhr und wird dann noch einmal am 24. Juni und 1 Juli aufgeführt.