Aus für Dresdner Kraszewski-Museum

Das Kraszewski-Museum soll ohne Exponate nicht weiter geführt werden. Die Verwaltung schlägt dem Dresdner Stadtrat keine Fortsetzung als Ausstellungshaus vor. +++

Am 16. Juni 2011 wurden die Museen der Stadt Dresden vom Adam-Mickiewicz-Literaturmuseum in Warschau informiert, dass die Absicht besteht, in Anwendung einer bereits existierenden gesetzlichen Regelung der Polnischen Republik, sämtliche Exponate des Kraszewski-Museum nach Polen zu bringen. Die Leitung der Museen der Stadt Dresden hat sich zusammen mit polnischen Partnern intensiv bemüht, den Abtransport der Exponate abzuwenden. Trotz dieser umfangreichen Bemühungen konnte der Abtransport der Exponate nicht verhindert werden, er wurde im Dezember 2011 vollzogen. Diese Exponate, die allein den Bestand des Museums bildeten, waren Leihgaben des Adam-Mickiewicz-Literaturmuseums in Warschau. Damit wurde dem Museum in der Nordstraße 28 die Grundlage für seine Betreibung in der bisherigen Ausrichtung komplett entzogen.

In der Folge hat die Stadt – insbesondere die Museen der Stadt Dresden – umgehend ein neues Konzept für das Haus erarbeitet. Dabei stand eine Betreibung des Hauses mit wechselnden Ausstellungen zur deutsch-polnischen Geschichte im Mittelpunkt. Seit Mitte Februar 2012 wird eine erste temporäre Ausstellung – „Polen aus freier Wahl. Deutschstämmige Familien in Warschau im 19. und 20. Jahrhundert“ – in Kooperation mit der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, Warschau – im Haus gezeigt.  

Nach intensiver Prüfung bleibt aber festzuhalten, dass eine Profilveränderung in Richtung eines Ausstellungs- und Veranstaltungshauses mit erheblichem finanziellen Aufwand verbunden wäre. Dies gilt für bauliche Veränderungen der Infrastruktur. Der dafür notwendige Aufwand wird mit ca.   70 000 Euro veranschlagt. Darüber hinaus würde der jährliche Betrieb einer solchen Einrichtung mindestens 35 000 Euro kosten, um die erforderliche Qualität des Museumsbetriebes zu sichern. Deshalb wird die Verwaltung dem Stadtrat vorschlagen, das Haus nicht mit einer neuen Konzeption weiterzuführen. Das Kraszewski-Haus wird voraussichtlich nach Abschluss der gegenwärtig laufenden Ausstellung Mitte Juli endgültig seine Pforten schließen.

„Dies bedeutet weder, dass wir Kraszewski vergessen, noch dass wir den sächsisch-polnischen Kulturaustausch in Dresden vernachlässigen werden“, betont Kulturbürgermeister Dr. Ralf Lunau. „Wir werden auch künftig in geeigneter Weise an den Dichter erinnern. Gleichzeit werden wir auf Vereine und Initiativen, die bis jetzt eng mit dem Kraszewski-Museum verbunden waren, zugehen und beraten, an welchen Orten ihre wichtige kulturelle Arbeit fortgesetzt werden kann.“ So werden auch 2012 die 3. Polnischen Kulturtage stattfinden und durch die Museen der Stadt Dresden veranstaltet.

„Natürlich wäre es uns allen lieber gewesen, das Kraszewski-Museum mit seiner Ausstellung, die seit 1960 öffentlich in Dresden gezeigt wird, weiterzuführen“, so Lunau weiter. „Allerdings war es nicht unsere Entscheidung, die Exponate abzuziehen.“

Zur Information:

Józef Ignacy Kraszewski (1812 bis 1887) – Schriftsteller, Historiker und Publizist

Kraszewski wurde als ältester Sohn einer wenig begüterten polnischen Adelsfamilie in Warschau geboren. Er studierte zunächst in Vilnius Medizin, später auch Philosophie. Als Student schloss er sich der Unabhängigkeitsbewegung an und beteiligte sich am Novemberaufstand 1830. Als der Januaraufstand gegen die russische Fremdherrschaft 1863 scheiterte, musste er ins Ausland flüchten. Eigentlich wollte er nach Frankreich emigrieren. Am 3. Februar 1863 erreichte er Dresden,  traf hier viele gleichgesinnte Landsleute und blieb. 1869 erhielt Kraszewski die Sächsische Staatsbürgerschaft, die ihm den Erwerb des Anwesens auf der Nordstraße ermöglichte. Hier wohnte er bis 1883, als er der Arbeit für den französischen Geheimdienst bezichtigt wurde. Es folgten Verhandlung in Leipzig und Haft in Magdeburg. 1885 entließ man ihn auf Kaution in einen Genesungsurlaub. Daraufhin verließ Kraszewski Dresden für immer und ging nach San Remo. Aus Angst vor einer erneuten Auslieferung zog er nach Genf um, wo er 1887, vier Tage nach seiner Ankunft starb. Kraszewski ist in Krakau beigesetzt worden.

Kraszewski hinterließ etwa 240 Romane und Erzählungen. Zwischen 1873 und 1885 erschien die Sachsen Trilogie – ein umfassendes Zeitgemälde Kursachsen und Polens im 18. Jahrhundert mit Romanen über Gräfin Cosel, August dem Starken, Graf Brühl und den Siebenjährigen Krieg.

Quelle: Stadt Dresden

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