Ausgetrocknetes Sachsen – Bauern schlagen Alarm!

Dresden - Es ist heiß in Sachsen. Wieder einmal. Wie bereits in den vergangenen drei Jahren erlebt der Freistaat auch 2020 überdurchschnittlich heiße Monate - und der Sommer steht erst noch bevor. Während die Menschen in den sich besonders aufheizenden Städten in die Häuser flüchten oder sich anderweitig eine Abkühlung verschaffen, spitzt sich die Lage auf dem Land dramatisch zu:

Steffen Gröber ist Landwirt in Ostsachsen und führt einen ökologisch ausgerichteten Bauernhof. Der Agronom setzt auf nachhaltiges Wirtschaften und bezieht seinen Strom teilweise bereits aus natürlichen Ressourcen wie den hauseigenen Biogas- und Photovoltaikanlagen. Doch neben ständig wachsendem Preisdruck am Markt, auf denen er seine Pflanzen- und Tierprodukte zu Billigstpreisen verkaufen muss, macht ihm auch zunehmend das Klima im wahrsten Sinne des Wortes einen Strich durch die Rechnung. Und Steffen Gröber ist in Sachsen kein Einzelfall, weiß der Sächsische Landesbauernverband. Ob ein zu warmer Winter, ausbleibende Schneeschmelze, oder viel zu wenig Regen in der Frühjahrszeit: Die klimatische Mängelliste ist auch in diesem Jahr bereits lang und bringt manche Bauern in Existenznöte.

Neben vielen Leidtragenden gibt es beim sächsischen Klimawandel aber auch einige wenige Landwirte, die von den sich ändernden Bedingungen sogar profitieren. Auf den Weinhängen von Schloss Wackerbarth kommen die Weinreben immer häufiger in die Hochreife und steigern so zur Freude aller Genießer des edlen Tropfens die Qualität des Sächsischen Weins. Dass sich das Sächsische Klima im Wandel befindet, beobachtet und prognostiziert die Wissenschaft bereits seit geraumer Zeit. Um 1,5 Grad hat sich die Temperatur im Vergleich zum Referenzzeitraum 1961 bis 1990 in Sachsen bereits erhöht, im schlimmsten Fall droht dem Freistaat bis zum Ende des Jahrhunderts sogar eine Steigerung von 5 Grad Kelvin. Die Böden sind durch die anhaltende Trockenheit gewissermaßen versiegelt. Zur Misere kommt allerdings noch ein dritter, womöglich entscheidener Schlüsselfaktor der Sächsischen Dürre: mangelnde Luftsättigung oder der "Durst der Atmosphäre". Wird die Luft wärmer, will sie mehr Wasser speichern. Der Durst wächst. Werden dann noch die "Getränke" in Form von Regen knapp, stillt die Luft ihren immer größer werdenden Hunger an anderer Stelle: Dem Boden. Dadurch wird dem sächsischen Erdreich seit geraumer Zeit immer mehr Feuchtigkeit entzogen. Mit Blick auf den kommenden Sommer zeichnet sich ebenfalls ein düsteres Bild ab: Wenn überhaupt durschnittlichen Niederschlag könne man erwarten, die Temperaturen hingegen werden wohl wieder höher als eigentlich zu erwarten ausfallen, so das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. In Sachsen stehen die Zeichen vor dem Siebenschläfer also mehr denn je auf Hitze. Bleibt zu hoffen, dass sich das kühle Nass auf die ein oder andere Art vielleicht dennoch für eine Erfrischung sorgt.