Ausstellungssperre für Begehungen?

Für die Chemnitzer Begehungen heisst es vielleicht schon ab Donnerstagnachmittag „Schotten dicht“.

Das Kunstfestival wollte ab heute vier Tage lang Internationale Kunst präsentieren, bekommt nun aber kurz vorm Start den Verwaltungsknüppel zwischen die Beine geworfen.

Der organisierende Verein hat sich für 2011 die ehemalige Justizvollzugsanstalt auf dem Kaßberg ausgesucht, die vor reichlich einem Jahr aus Brandschutzgründen für den Gefangenenbetrieb geschlossen wurde.

53 Künstler und Künstlergruppen haben in den vergangenen Tagen ihre Arbeiten dort aufgebaut, in Gefängniszellen oder auf dem Hof installiert. Doch nun könnten Auflagen der Stadt für eine Beeinträchtigung der Begehungen sorgen – Ursache ausgerechnet der Brandschutz. Zwei Stunden vor der Eröffnung um 18 Uhr soll der Bescheid übergeben werden, der nach Auskunft des Kulturbeirats Holm Krieger „eine Durchführung der Begehungen quasi unmöglich macht.“

„Die Stadt muss eine temporäre Baugenehmigung für die Nutzung des Gebäudes erteilen“, erklärt Stadtsprecherin Katja Uhlemann auf Anfrage. Darin gibt es Auflagen für die Auszeichnung von Rettungswegen. Außerdem dürften sich nur 400 Menschen gleichzeitig im Gebäude aufhalten – der Gefängnishof gilt hingegen als unproblematisch. Wesentlich ist aber vor allem eine Auflage, die die Nutzung von Ausstellungsräumen betrifft: „Die Baugenehmigung sieht vor, dass nur das Erdgeschoss, nicht das erste Obergeschoss genutzt werden kann“, so Uhlemann. Betroffen vom Nutzungsverbot wären etwa 30 Prozent der vorgesehenen Ausstellungsfläche. Uhlemann bedauert die Kurzfristigkeit des Bescheids: „Der Bauantrag wurde erst am 2. August eingereicht“, erklärt sie. „Trotzdem ist die Geschichte sehr unglücklich.“

„Frau Wesseler war vielleicht nicht bewusst, was es für das Festival heißt, wenn Plötzlich 20 Künstler nicht ausstellen können“, so Filmemacher Frank Weißbach, der seine Installation dann wieder einpacken müsste.

Bürgermeisterin Petra Wesseler, Leiterin des zuständigen Amtes war aus Zeitgründen am frühen Nachmittag nicht zu sprechen. Wohl aber scheint man hinter den Kulissen des Rathauses auf eine kurzfristige Lösung bedacht. Nicht zuletzt wäre auch für die Stadtverwaltung der Imageschaden enorm. Für heute Abend erhofft sich die Pressesprecherin der Stadt einen neuen Stand, der sowohl Festivalmachern als auch den Brandschutz- und Sicherheitsfragen gerecht werde. Die Organisatoren halten derweil die Füße still und hoffen, dass die Stadtverwaltung sich besinnt und um 16 Uhr einen positiven Bescheid überbringt. Facebooknutzer sind da nicht so geduldig. Ab 15.30 Uhr rufen sie zur Aktion „Rettet die Kunst (Begehungen)“ auf dem Gelände der JVA.

Quelle: http://www.371stadtmagazin.de/