Bald Wohnungsnot in Dresden?

Dresden wächst – aber die Wohnungspolitik hält Tiefschlaf. Bis 2020 prognostizieren Statistiker ein Wachstum um ca. 17.000 Einwohnern in der Landeshauptstadt. +++

Nach einer Information der Kommunalen Statistikstelle der Landeshauptstadt Dresden hatte die Einwohnerzahl Ende 2010 die amtliche Bevölkerungszahl vom 31.12.1989 erstmals wieder überschritten. Maßgeblich dafür waren ein Zuwachs durch Wanderung von mehr als 5.000 Personen und ein Geburtenüberschuss von ca. 800 im zurückliegenden Jahr. Bis 2020 prognostizieren die Statistiker ein weiteres Wachstum um ca. 17.000 Einwohner.

„Es ist erfreulich, dass Dresden entgegen dem allgemeinen Trend im Freistaat Sachsen einen Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen hat und immer stärker als attraktiver Wohnsitz wahrgenommen wird“, kommentiert der Vorsitzende des Mietervereins Dresden und Umgebung e.V., Peter Bartels, diese Entwicklung. „Langsam wird es Zeit, dass die Wohnungspolitik in der Landeshauptstadt aus dem Tiefschlaf geweckt wird, damit die Ausbreitung einer neuen Wohnungsnot noch rechtzeitig gestoppt werden kann.“

Der Wohnungsneubau ist in den zurückliegenden Jahren nahezu zum Erliegen gekommen. So weisen die von der Kommunalen Statistikstelle herausgegebenen „Statistischen Mitteilungen Bauen und Wohnen 2010“ gerade einmal 545 Neubauwohnungen nach, die 2010 fertiggestellt wurden. Etwa doppelt so viele müssten nach Einschätzung des Mietervereins bis 2020 jährlich errichtet werden, um den wachsenden Bedarf zu decken. Stattdessen betreibt die Landeshauptstadt nach wie vor organisierten und öffentlich geförderten Rückbau von Wohnungen. 631 Quartiere wurde 2010 abgerissen, davon 532 mit Fördermitteln aus dem Stadtumbauprogramm Ost. Für weitere 1.396 Wohnungen sollen von der Stadt und den Eigentümern Fördermittel zum Rückbau beantragt worden sein.

Am 20.05. hatte der Mieterverein Dresden und Umgebung e.V. Oberbürgermeisterin Helma Orosz in einem offenen Brief gebeten, sich für einen sofortigen Stopp der Förderung des Wohnungsabrisses in Dresden einzusetzen. Eine Reaktion ist bisher ausgeblieben. „Es kann nicht sein, dass der Steuerzahler nach wie vor belastet wird, um preiswerte Wohnungen vom Markt zu nehmen, während der Wohnungsbedarf steigt und immer mehr Dresdner auf Zuschüsse angewiesen sind, um sich eine angemessene Wohnung leisten zu können“, kritisiert Bartels die Untätigkeit der Stadtverwaltung. „Letztendlich kommt die neue Wohnungsnot allen Dresdner Mietern und auch der Stadtkasse teuer zu stehen.“

Quelle: Mieterverein Dresden und Umgebung e.V.

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