Bankerin vergibt Kredite über fiktive Konten

Dresden (dapd-lsc). Wegen Untreue und Urkundenfälschung in Dutzenden Fällen hat das Amtsgericht Dresden am Dienstag eine Bankangestellte zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Das Gericht setzte die Strafe für drei Jahre zur Bewährung aus. Außerdem muss die 46-Jährige 540 Arbeitsstunden leisten. Als leitende Angestellte der Riesaer Sparkasse hatte die Frau über Jahre Kunden eigenmächtig Kredite ausgezahlt.

Sie habe mithilfe fiktiver Konten ein Finanzsystem geschaffen, das sie selbst nicht mehr beherrschen konnte, sagte der Vorsitzende Richter des Schöffengerichts, Herrmann Hepp-Schwab, in seiner Urteilsbegründung.

Die 46-Jährige hatte gestanden, bereits Mitte der 90er-Jahre angefangen zu haben, eigenmächtig Kredite herauszugeben. „Die Kunden wollten Kredite. Ich habe dies im Vorfeld mit meinen Vorgesetzten abgesprochen. Doch plötzlich hieß es: Nein“, sagte die Angeklagte. „Ich war im Zwiespalt und wollte helfen. Dann stand der nächste Kunde da – irgendwann gab es kein Zurück mehr.“ Sie habe fiktive Konten eröffnet. Als die Raten ausblieben, habe sie mit dem Geld echter Bankkunden die Konten ausgleichen müssen. Die habe sie hingehalten und die Fehlbuchungen kaschiert. Über die Jahre sei das immer mehr geworden. „Es war mir selbst ein Rätsel, dass es so lange ging. Ich war froh, als es vorbei war“, sagte sie im Prozess.

Ein Betrugsermittler vom Landeskriminalamt sagte, die Angeklagte habe sich in all den Jahren nie persönlich bereichert. Sie lebe in einem renovierungsbedürftigen Haus. Sie habe keinen Urlaub gemacht, weil sie ihr System verschleiern musste. Der Schwindel sei möglich gewesen, weil grundsätzliche Sicherheitsvorkehrungen wie das Vier-Augen-Prinzip außer Acht gelassen worden seien. Die Mitarbeiter hätten sich gegenseitig vertraut. So habe die Angeklagte etwa Buchungen ohne Kontrolle ihrer Kollegen an deren Computer ausführen können. „Ohne die Mitarbeit der Angeklagten hätten wir den Fall wohl nie klären können“, sagte der Ermittler.

Der Schwindel flog im Frühjahr 2009 bei einer bankinternen Prüfung auf. Zum Verhängnis wurden der Angeklagten Postsendungen an die erfundenen Kontoinhaber, die nicht zustellbar waren. Die Sparkasse nannte einen Gesamtschaden von rund 2,4 Millionen Euro. Daran hat das Gericht jedoch erhebliche Zweifel. „Wir gehen von etwa 500.000 Euro aus“, sagte Hepp-Schwab. Neben der Angeklagten seien auch andere Mitarbeiter der Sparkasse entlassen worden. „Aber wegen deren eigener Fehler.“

dapd

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