Basketball: Chemnitzer NINERS unterliegen SC RASTA Vechta

Die Korbjäger der BV Chemnitz 99 haben am Samstag eine Sensation gegen den Tabellenführer der 2. Basketball-Bundesliga knapp verpasst.

Vor 1.622 Zuschauern hatte man am Samstag den Tabellenführer SC RASTA Vechta in der heimischen Richard-Hartmann-Halle am Rande einer Niederlage.

Doch selbst die 16-Punkte-Führung zwei Minuten vor Ende des dritten Viertels wollte nicht reichen und so zogen die Gäste in einer dramatischen Schlussphase doch noch an den NINERS vorbei. Mit 85:80 ging der Sieg nicht unverdient an das letztlich kaltschnäuzigere Team aus Niedersachsen.

„Wir haben zu viele Punkte an der Freiwurflinie liegen gelassen, dem Gegner zu viele Offensivrebounds gestattet und am Ende verwandelte Vechta drei ganz schwere Dreier“, nannte ein sichtlich frustrierter BV-Coach Felix Schreier die Hauptgründe der Niederlage.

Schon vor dem Spiel war klar, dass es einer besonders starken Leistung der NINERS bedürfte, wenn man das Topteam Vechta ins Wanken bringen wollte. Entsprechend konzentriert gingen die Chemnitzer von der ersten Minute an zu Werke und erarbeiteten sich schnell eine 6:2-Führung.

Dann war aber erst einmal Pause, weil die neu installierte LED-Anzeigetafel Probleme machte. Der Gast steckte die Unterbrechung offensichtlich besser weg und zog anschließend auf 10:6 davon. Doch das BV-Team ließ sich nicht abschütteln und so entwickelte sich im ersten Viertel ein offener Schlagabtausch, den Vechta letztlich mit 24:22 hauchdünn für sich entschied.

Zu Beginn des zweiten Viertels stellten die NINERS ihre hervorragende Einstellung unter Beweis, erkämpften sich in einem Angriff drei Offensivrebounds, bis letztlich Robert Cardenas den Ball zum Ausgleich durch die Reuse zwang. Vechta legte zwar noch einmal vor, doch nach AJ Rudowitz‘ Treffer zum 30:26 konterten Cardenas, Jorge Schmidt und Alex Jones mit einem tollen 10:0-Lauf. Insbesondere US-Center Jones ragte in dieser Phase heraus und ließ die Gäste ein ums andere Mal ganz alt aussehen.

Obwohl anschließend die RASTA-Stars Richard Williams und Jacob Luke Doerksen langsam auftauten, wahrte Chemnitz seinen knappen Vorsprung. Dies war umso beeindruckender, als dass der bereits mit drei Fouls belastete John Bynum im gesamten zweiten Viertel auf der Bank verweilen musste. Glücklicherweise zeigte der zuletzt etwas formschwache Philipp Stachula endlich mal wieder eine richtig gute Leistung, vertrat Bynum souverän auf der Spielmacher-position und markierte auch die letzten Punkte der ersten Halbzeit zur 45:41-Führung.

Was auch immer Schreier seinen Schützlingen dann in der Kabine sagte, es hatte eine geradezu berauschende Wirkung. Denn zu Beginn der zweiten Hälfte glückte dem BV-Team ein echter Traumstart inklusive zahlreicher Highlights wie dem Dreier von Takumi Ishizaki oder spektakulären Dunks durch Donald Lawson und Alex Jones zum 58:43.

Wenige Minuten später erhöhte Cardenas per Dreier gar auf 65:49 und stellte so die größte Chemnitzer Führung im gesamten Spielverlauf her. Diese hätte sogar noch etwas komfortabler sein können, wenn die NINERS mehr als sieben ihrer bis dahin 18 zugesprochenen Freiwürfe verwandelt hätten. So aber sollte sich schnell herausstellen, dass 16 Punkte im Basketball alles andere als ein beruhigender Vorsprung sind. Allein in den letzten zwei Minuten des dritten Viertels konnte Vechta den Rückstand durch Williams, Krause und Fumey bereits um neun Zähler verkürzen.

Die Aufholjagd der erstarkten Gäste setzte sich im Schlussabschnitt nahtlos fort und spätestens als Flavio Stückemann einen Dreier zum 69:71-Anschluss verwandelte, war die Partie endgültig wieder offen.

Viertelübergreifend hatten die NINERS binnen sechs Minuten einen 6:20-Lauf kassiert und so schien das Momentum nun eindeutig auf Vechtas Seite. Dieser Eindruck verstärkte sich noch, als Bynum kurz darauf sein viertes Foul bekam. Wie schon zwei zuvor war auch jenes ein Offensivfoul, weshalb der Chemnitzer Pointguard entgeistert die Hände über dem Kopf zusammenschlug, dafür auch gleich noch ein „Technisches“ kassierte und folgerichtig raus musste.

Doch der vermeintliche Rückschlag entwickelte sich zum Startschuss für das Chemnitzer Team. In einer brodelnden „Hartmann-Hölle“ traf Stachula von der Dreierlinie und nach einem weiteren Ballgewinn stopfte Cardenas die Kugel zum 78:72 durch den Ring. Vechtas Trainer Pat Elzie reagierte umgehend mit einer Auszeit und dann folgten zwei Minuten, wie sie bitterer kaum hätten sein können: Dreier Corey Hassan, vergebener Wurf von Cardenas, Dreier Dirk Mädrich, noch eine kurze Gegenwehr durch Lawsons Punkte, nächster Mädrich-Dreier, Ballverlust Ishizaki und der kaltschnäuzige Richard Williams sorgte von der Freiwurflinie für den Endstand.

„Bis zur Schlussphase hatte Vechta erst sechs von 26 Dreiern verwandelt und dann treffen sie drei am Stück, obwohl wir bei jedem Wurf ganz nah dran waren. Diese Klasse muss man anerkennen, aber es tut natürlich sehr weh, das Spiel noch so zu verlieren, obwohl wir schon ganz nah am Sieg waren“, machte Schreier aus seiner Enttäuschung keinen Hehl.

Trotz der Niederlage bleiben die NINERS vorerst weiter auf dem sechsten Rang, doch im Kampf um die Playoffplätze sitzen einem die Verfolger mittlerweile dicht im Nacken. So benötigen die Chemnitzer aus den nächsten Partien in Crailsheim und zu Hause gegen Leipzig endlich wieder Punkte, wenn man den Sprung in die Meisterrunde der 2. Basketballbundesliga ProA noch schaffen will.

NINERS: Jones (19 Punkte), Cardenas (13), Ishizaki (11), Lawson (10), Schmidt (9), Bynum (6), Obiango (6), Stachula (6), Rosenthal

Quelle: NINERS