Beate Schücking: Neue Leipziger Uni-Rektorin mit berühmten Vorfahren

Sie ist klug, charismatisch und attraktiv. Und sie ist eine Frau. Das allein ist noch nichts Ungewöhnliches. Aber dass Professor Beate Schücking nun Rektorin der Uni Leipzig wird, ist einmalig in der über 600-jährigen Geschichte der Universität Leipzig. Sie ist eine besondere Frau. Und sie kommt aus einer besonderen Familie. Die Schückings sind so interessant und wegweisend, dass der Leipziger Historiker Ulf Morgenstern eine ganze Doktorarbeit über diese Familie geschrieben hat.

Geschichte und Anglistik hat er studiert. Ulf Morgenstern. Und irgendwann wurde es dann Zeit für seine Doktorarbeit. Da dachte er sich, diese Fächer könnte man dafür gut kombinieren. So mixte er einen Cocktail aus Historie und Anglistik, gab eine Portion Universitätsgeschichte dazu und stieß auf den Namen: Schücking. Levin Ludwig Schücking, ein Anglistikprofessor der Uni bis 1944. Nach und nach stellte sich heraus, dass Herr Morgenstern eine Sternstunde hatte, als er sich die Schückings als Doktorarbeitsthema aussuchte.

Denn damals ahnte er noch nicht, dass er über eine Familie promovieren würde, deren Mitglied die erste Frau an der Spitze der Uni sein würde. Ende letzten Jahres wurde sie gewählt.

Interview: Ulf Morgenstern – Schücking-Experte

Vor fünf Jahren begann Ulf Morgenstern also mit seinen Recherchen. Und plötzlich gab es immer mehr Sternstunden für ihn. Denn die Schückings sind eine Familie der Superlative. Da wäre zum Beispiel Walter Schücking, der Großvater der Rektorin. Er war mit 25 Jahren der jüngste Juraprofessor in Preußen und um1930 der erste deutsche Richter am Weltschiedsgericht in den Haag, obendrein war Walter Schücking einer der herausragendsten Völkerrechtler seiner Zeit.
Sein Bruder, Levin Ludwig Schücking, der Leipziger Anglistikprofessor, war der bedeutendste Shakespeare-Forscher seiner Zeit.

Einer der bedeutendsten Schriftsteller des 19. Jahrhunderts hieß Levin Schücking. Die erste Schlachthof-Direktorin der Welt war eine Schücking. Und es war eine Schücking, die in den 50er Jahren die erste deutsche Richterin wurde.

Die Schückings scheinen also eine Art innerfamiliäre Traditionspflege zu haben, die es den jeweils nachfolgenden Generationen immer wieder zu einer Verpflichtung macht, auch wissenschaftlich oder künstlerisch herausragend zu sein.

Interview: Ulf Morgenstern – Schücking-Experte

In der Gegenwart ist es die Medizinerin Beate Schücking, die in Sachen Eigensinn durchaus Schücking-typisch ist, wie sie selbst meint.

Interview: Beate Schücking – designierte Rektorin der Uni Leipzig

Was sie als Rektorin der Universität Leipzig zukünftig durchsetzen wird, werden wir sehen.
Beate Schücking freut sich auf Leipzig und die neuen Herausforderungen in ihrem Amt. Und vielleicht bewegt sie ja auch Ulf Morgenstern dazu, seine Arbeit über die Schückings um ein Kapitel zu erweitern. Momentan zählt sein Werk 720 Seiten. Noch in diesem Jahr wird es als Buch erscheinen.