Bebauungsplan für das Westufer des Kulkwitzer Sees sorgt für Diskussionen

Die Stadt Markranstädt will das Westufer des Kulkwitzer Sees mit Eigenheimen bebauen. Dazu hat ein Bebauungsplan ausgelegen. Der wird von vielen Bürgern abgelehnt. Auch der NABU RV Leipzig e.V. fordert diesen Plan zurückzuziehen. Lesen Sie bei LEIPZIG FERNSEHEN Online einen ausführlichen Brief des NABU RV.

„Er verstößt gegen den übergeordneten Regionalplan. Dieser Regionalplan Westsachsen gibt vor, dass am Westufer des Kulkwitzer See zur Sicherung eines Biotopverbundes die Flächen von Wohnund Gewerbenutzung bzw. Ferien- oder Wochenendhausbebauung freizuhalten sind. Da der B-Plan-Entwurf teilweise auf laut Regionalplan ausgewiesenem Gebiet des Grünzuges ein allgemeines Wohngebiet vorsieht verletzt der B-Plan übergeordnete Planfestsetzungen und ist daher nach unserer Auffassung rechtswidrig.

Der Regionalplan fordert, das Gebiet regional abgestimmt zu entwickeln, um dem weiteren Verbrauch ökologisch notwendiger Freiräume und der zunehmenden Isolierung der Lebensräume gefährdeter Tier- und Pflanzenarten wirksam zu begegnen.

Von einer abgestimmten Regionalentwicklung kann keine Rede sein. Was hier statt findet ist ein erbarmungsloser Wettbewerb Kommune gegen Kommune um gut betuchte neue Einwohner und Umsatz bringende Touristen zu Lasten von Landschaft und Natur und letztlich auch der schon dort wohnenden Bürger. Wozu haben wir einen Zweckverband Kulkwitzer See, wenn der es nicht einmal schafft, Planungen zwischen Leipzig und Markranstädt zu koordinieren? Was interessieren die Bürgermeisterin und die ihr bedingungslos folgende CDU-Fraktion die Natur und die Lebensqualität der Markranstädter, wenn ein scheinbar lukratives Geschäft winkt? Am Westufer des Sees gäbe es einiges zu regeln.

Das betrifft zum Beispiel die Wegeführung, Offenhaltung von Freizeit- und Erholungsflächen und vor allem das Verbot der aktuell erfolgenden legalen und illegalen Einleitung von verschmutztem Regenwasser von Straßen und anderen versiegelten Flächen in den See. Die Folgen für den See sind durch die im Sommer wuchernden Algenteppiche an den Einleitungsstellen am Ufer deutlich zu sehen. Der See verträgt keine unbegrenzte Belastung. Es muss daher alles unterbleiben, was geeignet ist, weitere Touristen und Badegäste anzuziehen.

Der Kulkwitzer See muss weiter vorrangig Naherholungsgebiet für die Bewohner der Umgebung des Sees bleiben. Nur Anlagen, die dieser Naherholung und den Anwohnern dienen, dürfen künftig dort errichtet werden. Neue Wohngebiete in Ufernähe gehören nicht dazu. Bei Starkregen würde ein großer Teil des Oberflächenwassers von den Privatgrundstücken in Ufernähe zum See abfließen. Da in vielen Gärten der Verbrauch von Düngemitteln, Pestiziden und Herbiziden extrem hoch ist, dürften von diesen Privatgrundstücken künftig erhebliche Mengen an Schadstoffen und Dünger in den See gelangen. Das vorgesehene Baugebiet dürfte damit die Belastung des Sees, die schon jetzt zu hoch ist, weiter steigern.

Besonders streng geschützte Arten werden rechtswidrig aus dem Gebiet verdrängt. Auf der Fläche, die Frau Radon bebauen lassen möchte, leben zahlreiche seltene und streng geschützte Arten, obwohl der Pächter sich seid Herbst 2009 redlich müht durch Bodenumbruch und dort wirtschaftlich unsinnigen Maisanbau diese Arten zu vertreiben. Für Frau Radon sind das offenbar nur lästige Störenfriede. Das bebaute Offenland würde nicht nur zeitweise sondern für immer für die jetzt dort lebenden Offenlandarten unbewohnbar, wenn das Gebiet bebaut werden sollte.

Intensiv gepflegte Gärten sind ein völlig anderer Lebensraum als extensiv gepflegte Wiesen. Bedrohte Bodenbrüterarten, die jetzt im Gebiet vorkommen nisten nicht auf englischem Rasen in Hausgärten. Der Umweltbericht, den sie in Auftrag gegeben hat, ist leider ein zusammen geschluderter Gefälligkeitsbericht. Er ist voll von Fehlern und Verdrehungen. Wir fragen uns, ob der Autor sich die Mühe gemacht hat, sich das Gebiet sehr gründlich selbst anzusehen über das er da phantasievoll im Interesse der Bürgermeisterin schwadroniert.

Es ist auch zu erwarten, dass die Naturzerstörung die jetzt Markranstädt plant, dazu führen würde, dass der Kulkwitzer See im Vergleich zu den anderen Seen um Leipzig an Attraktivität verliert. Die Frage, wo die Vorteile des Kulkwitzer Sees und besonders des Markranstädter Ufers im Vergleich mit den anderen Bergbauseen liegen und was zu tun ist, um diese Vorteile zu erhalten, wenn möglich auszubauen und wie diese für die Stadtentwicklung genutzt werden können, ohne sie zu zerstören, wurde übrigens weder im Umweltbericht noch in der Begründung des B-Planes aufgeworfen.

Der NABU lehnt aus diesen Gründen den B-Plan ab. Die Bebauung des Offenlandes am Westufer bis nahe an das Ufer würde streng geschützten Offenlandarten den Lebensraum entziehen, den Biotopverbund zwischen wichtigen Schutzgebieten unterbrechen und zu einer noch stärkeren Belastung des Wassers im See führen. Den Anwohnern würden Erholungsflächen ebenso genommen wie die Möglichkeit seltene Arten in der Nähe ihrer Wohngebiete zu erleben.

Der B-Plan-Entwurf wird grundlegenden Forderungen nach einer abgestimmten Regionalentwicklung nicht gerecht und verletzt obendrein noch den übergeordneten Regionalplan. Wir fordern, ihn zurückzuziehen und einen neuen Entwurf vorzulegen, der den Interessen der Anwohner ebenso entspricht wie der Notwendigkeit, geschützte Arten zu erhalten.“

Leonhard Kasek
Vorsitzender NABU Regionalverband Leipzig e.V.