Bedarfsprognosen im Lehramt zu kurzsichtig – Endlich zunehmende Transparenz seitens SMK

Das Sächsische Staatsministerium für Kultus und Sport (SMK) geht einen richtigen Schritt. Es informiert die angehenden AbiturientInnen über den LehrerInnen-Beruf  per Post.  Besonders benötigte Fächerkombinationen werden angepriesen und mit  Datenmaterial untermauert.

„Einen längst überfälligen Schritt auf dem  Weg zur Transparenz“, nennt Tillmann Steiner, Lehramtsreferent des  StudentInnenRates der Universität Leipzig (StuRa), diese Aktion.  Gerade an Mittelschulen werden LehrerInnen in naher Zukunft fehlen, wohingegen es beispielsweise bei der Fächerkombination  Deutsch/Geschichte für Gymnasien vermutlich nie Mangel geben wird. Die  Wirkung der Briefe tendiert jedoch gegen Null, wenn die Engstellen an  den Hochschulen und im Übergang zum Referendariat nicht beseitigt  werden.

Zu kurzsichtig ist eine Informationspolitik, die sich auf Briefe  beschränkt. Die Gründe für zu wenige Lehramtsstudierende in bestimmten  Fächern liegen an anderer Stelle. „Nur ein Bruchteil der  StudienanwärterInnen, die sich an den Universitäten bewerben, bekommen 
auch einen Studienplatz“, so Steiner. Das kontinuierliche Nutzen von  Bedarfsprognosen könnte hier regulierend wirken.

Besonders gefragte  Fächerkombinationen müssen verstärkt immatrikuliert werden. „Das  nächste Nadelöhr heißt Referendariat“, erklärt Steiner weiter. Sachsen  bildet seit Jahren für andere Bundesländer aus. 2010 bekamen 375 von  1660 BewerberInnen einen Referendariatsplatz. Nach außen wird immerhin ein Mangel an Lehrkräften prognostiziert. Jetzt muss dieser Mangel nur  noch offensiv angegangen werden.

Das SMK und das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und  Kunst (SMWK) binden jedoch dringend benötigte Ressourcen anderweitig. Sachsen leistet sich eine überhastete Lehramtsreform, die den  Universitäten die Zeit nimmt, sich z.B. über Bedarfssteuerung Gedanken  zu machen. Chronisch unterfinanzierte und unterbesetzte Lehrstühle  müssen die Lehrämter wieder unterschiedlich wertvoll machen.

Das Referendariat wird zudem um ein Jahr verkürzt, um einen größeren  Durchlauf zu erhalten – auf Kosten der Qualität. „Eine weitere  Straffung der Inhalte wird zwangsläufig die Burn-out-Gefahr erhöhen“,  kritisiert Steiner. Und am Ende nützen alle Bemühungen nichts, wenn in  anderen Bundesländern besser gezahlt wird.