Befragung zum Stadionneubau abgeschlossen

Die von Chempirica initiierte Studie zum geplanten Umbau des Stadions an der Gellertstraße ist nach einem Monat Laufzeit und insgesamt 4.240 Teilnehmern beendet worden.

Die Auswertung der Ergebnisse zeigt eine gespaltene Chemnitzer Bürgerschaft: Während unter den Fans und Sympathisanten des Chemnitzer FC sich eine überwältigende Mehrheit für einen Stadionneubau unter den von der Stadt Chemnitz vorgegebenen Entwürfen stark macht, ist der Grad der Zustimmung bei Fußball-Desinteressierten und dem CFC neutral gegenüberstehenden Personen gering ausgeprägt.

Um ein Meinungsbild der Chemnitzer Bevölkerung zum Stadionprojekt zu erhalten, wurde daher auf die Darstellung von Gesamtergebnissen verzichtet. Stattdessen wurden alle Befragten, deren Datensätze vollständig und plausibel erschienen, vier verschiedenen Gruppen zugeordnet:

• Gruppe 1 – Eingefleischte Fans (Selbstcharakterisierung, durchschnittlich 31 Jahre alt, besuchte in der letzten Saison 14 Heimspiele)

• Gruppe 2 – Stadiongänger (die sich nicht als eingefleischte Fans beschreiben, aber regelmäßig und in der letzten Saison zu mindestens sechs Heimspielen das Stadion besuch(t)en, durchschnittlich 35 Jahre alt, im Schnitt zehn Heimspiele pro Saison)

• Gruppe 3 – CFC-Sympathisanten, die selten oder nie ein Heimspiel besuchen (durchschnittlich 40 Jahre alt, im Schnitt zwei Heimspiele pro Saison)

• Gruppe 4 – dem CFC neutral gegenüber stehende Personen sowie Fußball-Desinteressierte
(durchschnittlich 40 Jahre alt, im Schnitt 0 Heimspiele pro Saison)

Die wichtigsten Ergebnisse:
Notwendigkeit eines neuen Stadions:
Mehr als 95 % der CFC-Fans und regelmäßigen Stadiongänger sehen die Notwendigkeit eines neuen oder modernisierten Stadions in Chemnitz. Die Idee eines Stadion-NEUBAUS wird von 85% als „gute Idee“ eingeschätzt. Die Ablehnung unter den Neutralen und Desinteressierten ist spiegelbildlich: Immerhin ein knappes Drittel ist der Meinung, ein modernisiertes Stadion sei notwenig, aber nur 24 % halten einen NEUBAU für eine gute Idee.

Frage: Was halten Sie von der Idee eines Stadion-Neubaus?

Über alle Befragtengruppen hinweg wird der Chemnitzer FC als größter Profiteur des Neubauprojektes gesehen. Es folgen – mit gewissen Abstand – die Fans und die Stadt Chemnitz. Die Neutralen und Fußball-Desinteressierten sehen als zweitgrößten Profiteur des Projektes die Baufirmen, die das Stadion bauen dürfen.


Stadionentwurf konkrete Bauplanung:

Während weit mehr als 90 % der Fans und Stadiongänger die Entscheidung für ein reines Fußballstadion für richtig erachten, sind unter den CFC-Sympathisanten einige (ca. ein Fünftel) und unter den Neutralen und Fußball-Desinteressierten viele Stimmen (zwei Drittel) zu finden, die lieber – wenn schon ein Neubau geplant ist – eine Multifunktionsarena für Fußball UND Leichtathletik gesehen hätten.

Als Standort präferiert ein Großteil der Fußballfans die Gellerstraße, bei den Fußball-Desinteressierten stößt das Sportforum auf breite Zustimmung. Ein neuer, alternativer Standort, wie er bei Neubauprojekten zugunsten günstiger Verkehrsanbindung oder besseren Lärmschutzes gelegentlich gewählt wird (teilweise auf der „grünen Wiese“, bspw. Mainz oder München), findet nur bei einer einstelligen Prozentzahl an Teilnehmern Zustimmung.

Das geplante Fassungsvermögen von 15.000 Personen wird in weiten Teilen als angemessene Größe gesehen. Ca. ein Drittel aller Befragten hätte das Stadion gern etwas größer gesehen, wobei die Wunschgröße zwischen 20.000 und 25.000 Plätzen liegt. Beim Verhältnis zwischen Steh- und Sitzplätzen gehen die Meinungen von eingefleischten Fans und normalen
Stadionbesuchern auseinander. Während die Hartgesottenen lieber mehr Stehplätze als geplant hätten, bevorzugen alle anderen Befragten tendenziell mehr Sitz- als Stehplätze.
Bei der Frage der Komplett-Überdachung der Zuschauerbereiche herrscht einhellige Zustimmung. Selbst bei den Neutralen und Desinteressierten findet dieser Vorschlag eine knappe Mehrheit (53 %).

Spezielle Details aus Sicht der eingefleischten Fans:

Die unter den CFC-Fans intensiv diskutierten Punkte Fanhalle, Anzeigetafel, Stehplätze auf Gegengerade und Gästefanblock wurden separat abgefragt und brachten folgende Ergebnisse zu Tage:

• Die Schaffung einer Ausweichmöglichkeit für die Fanhalle – wie bereits von Stadt und Verein im Falle eines Neubaus angekündigt – brennt vor allen den eingefleischten Fans unter den Nägeln. Alle weiteren Befragtengruppen stehen dieser Thematik auch positiv gegenüber.

• Der Erhalt der manuellen Anzeigetafel findet keine Mehrheit – nicht einmal unter eingefleischten Fans.

• Für die Beibehaltung mindestens eines Stehplatz-Blockes auf der Gegengerade sprechen sich ca. zwei Drittel der Fans und regelmäßigen Stadiongänger aus.

• Die Verlegung des Gästefanblocks hinter das Tor und nicht – wie üblicherweise in Stadionneubauten – in eine der Stadionecken findet eine relative, aber keine absolute Mehrheit. Den meisten Befragten ist dieser Punkt „egal“.

Angemessenheit:
Frage: Sind Sie der Meinung, dass die Umbaupläne alles in allem ANGEMESSEN sind?

Bei der Frage nach der Angemessenheit der Umbaupläne lässt sich feststellen, dass diese von den CFC-Anhängern und Sympathisanten zu überwiegenden Teilen als angemessen bewertet werden. Die Zustimmung liegt zwischen 86 % bei den eingefleischten Fans über 82 % bei den regelmäßigen Stadiongängern und 68 % bei den Sympathisanten (jeweils Summe der Antworten „eindeutiges JA“ und „JA“).

Der Anteil derer, die die Pläne für unangemessen halten, ist unter den Fans verschwindend gering. Dennoch: Selbst unter den Anhängern des CFC hätte sich ein gewisser Anteil bspw. ein größeres Stadion gewünscht (Fassungsvermögen zwischen 20.000 und max. 30.000 Plätzen). Oft wurde geäußert, dass der geplante Entwurf mit 15.000 Plätzen nur die Mindestanforderung der 2. Fußball-Bundesliga erfüllt.

Die Gruppe der Personen ohne Bezug zum CFC und zum Fußball steht den Plänen eher ablehnend gegenüber. Lediglich 21 % halten die Pläne in ihrer jetzigen Form für angemessen; insgesamt 62 % sind der Meinung, dass eine Sanierung bzw. ein Teilumbau des aktuellen Stadions ausreichend ist oder dass „Chemnitz ein Fußballstadion hat und keinen Neubau braucht“.

Finanzierung/Kostenstruktur /Mietkosten:

Obwohl als Außenstehender schwer zu beurteilen, werden sowohl die Höhe der Baukosten als auch die Höhe der jährlichen Miete von einer relativen Mehrheit der Befragten als „angemessen“ beschrieben. Einzig die Gruppe der Neutralen erachtet beides – Bau- und Mietkosten – als zu hoch.

Die von der Stadt Chemnitz veröffentlichten Planungen, das Stadion von der GGG als Bauherren errichten zu lassen, für notwendige Kredite zu bürgen und das fertige Stadion für jährlich ca. zwei Millionen Euro von der GGG zu mieten, wird – verglichen mit den Zustimmungsraten für einen Stadion-NEUBAU – eher kritisch gesehen.

Knapp die Hälfte der dem CFC nahe stehenden Teilnehmer (53 % der eingefleischten Fans und 45 % der regelmäßigen Stadiongänger) findet die Kombination Stadt/ GGG klug gewählt. Die anderen Befragten würden sich allerdings wünschen, dass die Finanzierung auf mehr Schultern verteilt würde, um eine unausgewogene oder einseitige Belastung des städtischen Haushaltes zu vermeiden. In der Gruppe, die keinen Bezug zum Fußball oder zum CFC haben, sind 57 % der Meinung, dass diese Finanzierung zu einseitig und vor allem zu Ungunsten der Stadt angelegt ist.

Als mögliche (wenn auch nicht zwangsläufig realistische) Co-Finanzierer des Stadionprojektes sprechen sich die meisten Befragten – neben der Stadt Chemnitz – vordergründig für den Freistaat Sachsen sowie für die einheimische Wirtschaft und die Sponsoren des Vereins aus.

Eine mögliche Stadionabgabe, die zusätzlich zum Eintrittspreis gezahlt werden müsste und der Stadt/ der GGG als Refinanzierung zufließen könnte, eine eventuelle Beteiligung durch Fans (bspw. Arbeitsleistungen) sowie eine Mietzahlung durch den Chemnitzer FC selbst finden im Vergleich zu den o. g. Finanzierern keine allzu große Zustimmung – zumindest unter den Fans und Stadiongänger.

Die Neutralen und Fußball-Desinteressierten sehen den Verein, die Zuschauer der Heimspiele und die Sponsoren des CFC vordergründig in der finanziellen Bringschuld, wenn es um einen Stadionneubau geht.

Stadtratsentscheidung:

Deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen zeigen sich, wenn die Befragten über das Projekt in der Rolle eines Stadtrates zu entscheiden hätten: Eingefleischte Fans (96 %), Stadiongänger (91 %) und CFCSympathisanten (78 %) würden dem Konzept zustimmen, während die Ablehnung der Fußball-Uninteressierten immerhin 72 % betragen würde.

Frage: Wenn Sie Stadtrat wären, würden Sie dem geplanten Konzept eines Stadionumbaus und der entsprechenden Finanzierungsplanung – wie oben beschrieben – zustimmen?